Freitag, 20. September 2002

[Beitrag gelöscht. Er war noch übler, apodiktischer generalisierend als von mir sowieso schon gewohnt. Mit zwei Leuten gestritten & daraus "deutsche Linke" gemacht. Geht nicht. Die Kommentare kommentieren nun natürlich ins Leere. Ist gemein, weiß ich, tut mir auch leid.]





soll Hitler denn eigentlich abgelenkt haben, damals, als er den Krieg in Angriff nahm? Von der drohenden Amtsenthebung durch die Sozialdemokraten?





Die beiden aus eigenem Antrieb in die TAGBLATT-Redaktion gekommenen Gewerkschafter gingen anschließend ins Tübinger SPD-Büro, um dort ihre Gewissensbisse loszuwerden. Die Folge: Herta Däubler-Gmelin rief Michael Hahn an und drohte postwendendes Dementi an, falls er schreiben werde, sie habe Bush mit Hitler verglichen. Unser Redakteur - ich saß daneben - fragte, wie sie denn meine, dass sie es gesagt habe und er werde dann dies als von ihr quasi letztgültig autorisierte Fassung ins Blatt bringen. Und so wollte sie sich an das Gesprochene erinnern - wörtlich so hat es Hahn aufgeschrieben und ihr nochmals langsam vorgelesen: “Bush will von seinen innenpolitischen Schwierigkeiten ablenken. Das ist eine beliebte Methode. Das hat auch Hitler schon gemacht.” Kurz darauf rief die Ministerin mich als den Chef des TAGBLATTS an und bat um ein Treffen. Ich stimmte zu.
Verleumderisch und geradezu abwegig. Der Chefredakteur des Tübinger Tagblatts über Herta Däubler-Gmelin und das gesprochene Wort.




vowe dot net: Ein Weblog.





beim Wiederansehen der "Inneren Sicherheit" ist mir dann endlich aufgefallen, warum ich die Filme Christian Petzolds so innig liebe (was bekanntlich mit Erschütterung zu tun hat): Weil sie die einzigen sind, die ich kenne, in denen das wichtigste Gefühl die Müdigkeit ist.





Donnerstag, 19. September 2002

dachte ich bis eben, will ich ein Schriftsteller werden. Jetzt nicht mehr. [Danke, wieder einmal, an den Wörterberg.]





Mittwoch, 18. September 2002

bei www.blutgraetsche.de grätschen Hornbys Erben, nicht die Hornby-Serben. Schade eigentlich.





Und auch der Satz, dass jedes dritte Mädchen schon sexuell missbraucht wurde, wäre mir nicht eingefallen. Ich behaupte ausdrücklich nicht, dass Frau Schwarzer dafür etwas kann. Schon der zweite Disclaimer heute.

Frauen leiden unter Gewalt

Die bekannte Frauenrechtlerin und Verlegerin der Zeitschrift „Emma“ Alice Schwarzer (59) sprach im Dresdner Schauspielhaus im Rahmen der „Dresdner Reden 2002“, die alle unter dem Aspekt „Zur Sache: Deutschland“ stehen. Sie knüpfte dabei an ihr jüngstes Buch an, in dem es „gegen die Spaltung von Menschen in Männer und Frauen“ geht.

„Ich bin in erster Linie Frau und in zweiter Linie Deutsche“, bekannte sie. Sie sprach von einer „epidemischen Gewalterfahrung der Frau“ und nannte dazu erschütternde Fakten: Jedes dritte Mädchen wurde schon sexuell missbraucht und jede zweite Frau hat Gewalterfahrung.

Ihre Erkenntnis: „Die Gewalt ist immer der dunkle Kern der Macht, das ist in der Politik so, und das ist zwischen den Geschlechtern so.“ Durchgehend durch alle anderen Gegensätze sei der zwischen Mann und Frau. „Nationalismus ist Männersache und der Gipfel des Männerwahns - von den Nazis bis zu den Islamisten“, sagte sie. Ihre Vision: dass sich Frauen und Männer vor allem als Menschen begegnen.

Das große Schauspielhaus war zu Alice Schwarzers Rede brechend voll. Annähernd 900 Besucher sollen es gewesen sein. Den Hauptanteil hatten Frauen in den mittleren Jahren. Die Frauenrechtlerin erhielt tosenden Beifall. Zum Problem ostdeutscher Frauen nach der Wende mit ihrer teils doch sehr unterschiedlichen Situation fand jedoch Alice Schwarzer nur wenige Sätze.

Quelle





Als Gabi Zimmer dann begann, ihre Position zu Saddam Hussein und zum Irak darzulegen, die im wesentlichen auf ein "Lass uns mal darüber reden, auch wenn du ein Verbrecher bist" hinauslief, fragte ich mich, und ich weiß, dass das unfair war, ob die PDS eigentlich einen Stalin-Hitler-Pakt unterzeichnen würde oder nicht.

Übrigens: Nicht, dass ich etwas für einen Krieg gegen den Irak übrig hätte. Übrigens: Nicht, dass ich fände, Saddam Hussein hätte seinen Tod nicht schon seit langem verdient.





Was ich dann doch bedrückend finde, wenn es mich auch nicht überrascht, ist die aggressive Idiotie mancher Positionen im Wahlkampf. Wenn zum Beispiel die CSU-Herrschaften Eichel vorwerfen, der Preis für die UMTS-Lizenzen wäre zu hoch gewesen und würde die Lizenzkäufer in den Ruin treiben (und dazu zwingen, Arbeitsplätze zu vernichten). Sicher, man könnte darüber debattieren, ob man die Lizenzen nicht einfach - einigermaßen fair verteilt - verschenken hätte sollen statt sie zu versteigern, aber darum geht es den CSU-Wahlkämpfern nicht. Sie wollen so etwas ähnliches wie eine Volksgemeinschaft, in der der Kapitalismus Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ist, keine Profitbeschaffungsmaßnahme. Ähnlich auch die Attacken, die Regierung hätte die T-Kleinaktionäre betrogen - und zwar, wie es gestern im Fernsehen einer sagte, indem "ein Komiker, Krug heißt er, glaube ich" angeheuert worden wäre, der mit "seinem vertrauenserweckenden Gesicht" die kleinen Leute dazu gebracht hätte, für 66nochwas Euro das Papier zu zeichnen. Nicht, dass es mich besonders interessiert, wofür oder wogegen die CSU nun eigentlich ist, für den Markt oder dagegen, dass der Markt eben Markt ist, es ist nur so, dass man diesem Unsinn ohne jede Binnenlogik zuhört und selbst immer verrückter dabei wird. Man schafft es ja doch nicht, es einfach hinzunehmen, dass in derlei Debatten die simpelsten Regeln formaler Logik (ausgeschlossenes Drittes, Widerspruchsfreiheit usw.) nicht gelten sollen, und dann sitzt man da und registriert, wie im eigenen Gehirn etwas durchzuschmoren beginnt. Vielleicht ist das, was ich an diesen Leuten am inständigsten verachte: dass sie auch mich zu einem schlechteren Menschen machen, als ich ohnehin schon bin.





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