ich wünschte, es gäbe in dieser weblogwelt mehr ermunterung und weniger beargwöhnung.
vermutlich hat es etwas zu bedeuten, dass man bei der wendung vom superwahljahr mit 14 wahlen vollautomatisch vom auswandern phantasiert. obwohl man doch genau weiß, dass es keinen quadratmillimeter auf dieser erde gibt, an dem nicht jede minute eine superwahlminute ist. optionen! freiheit!
dieser eine moment vor dem einen moment in mystic river. einer, fälschlicherweise eines mordes bezichtigt, wird vor die wahl gestellt, entweder den nicht begangenen mord zuzugeben oder auf der stelle selbst erschossen zu werden; weil er leben will, entscheidet er sich dafür, zu sagen, er hätte tatsächlich die tochter des anderen erschossen. der ihn dazu gezwungen hat und ihn gleich nach dem erzwungenen geständnis erschießen wird, fragt: "warum?"; ohne zu zögern, gibt der, der den mord nicht begangen hat, die gründe für den mord an, den er nicht begangen hat: "weil sie mich an meine jugend erinnert hat, weil sie lebendig war und ich nie…" das ist, nach ein paar tagen, vielleicht die noch viel bösere ambivalenz: sagen können, weswegen man getan hätte, was man doch nicht getan hat.
dann erst der schuss, die weißblende.
heute morgen mit der letzten sequenz eines traumes aufgewacht (ich kann mich an träume nur fünf-, sechsmal im jahr erinnern). über den flur eines gelblich gefliesten militärkrankenhauses wird ein rollwagen geschoben, ein brett auf gummirädern, ungefähr in der höhe und form eines skateboards, darauf liegt eine aluminiumröhre, in der ein arm- und beinloser mensch steckt, eine wienerisch gefärbte stimme sagt mit viel echo: schade, jetzt ist jaques nur noch ein stumpf.
"und wie war dein sylvester? sicher sehr ruhig und erwachsen…"
gerade zu meiner verwunderung bemerkt, dass in den romanen, die einem wichtig gewesen sind, immerzu untergangsreden gehalten wurden. dass einem das nicht früher aufgefallen ist.
"Was ich an dir so mag, ist dein benevolentes Verhältnis zur Welt".
Ganz unvermutet wieder das Glück, Filme anzusehen. DVDs auf dem 12 Zoll-Monitor eines iBooks auf dem Bauch, im dunklen Zimmer im Bett liegend; vorher auf dem DVD-Recorder sorgfältig alles von Werbepausen, Sponsorengeblöke und Abspannverstümmelungen gereinigt. Merken: wie sehr man es gehasst hat, was Fernsehen den Filmen antut, wie sehr man das Kinogehen dafür gehasst hat, dass es einen, ehe man schauen darf, erst einmal dreißig Minuten lang mit Werbung traktiert und einem das Schauen verhagelt. Merken: wie sehr es einem gefehlt hat, Werke zu sehen. Jetzt: Nur noch Texte, keine Kontexte mehr. Und schon leuchten die Bilder wieder.
beängstigend: wie schwer man manchmal in das eigene weblog wieder hineinkommt.
the frank und schaum. zwei menschen, die ich nicht kenne. vom ersten eine email-adresse, wechselnde anschriften in der wirklichen welt, vom zweiten den autorennamen. schaum: derdie mir gedichte beigebracht hat, alle paar wochen eines, immer das richtige, samt der frage, was ein richtiges gedicht denn sein könnte. the frank: erzählungen, in denen ich, ich weiß ja auch nicht, so etas ähnliches wie doppelgänger-taumelempfindungen habe, sehr eigenartig, und wie vermessen man sich vorkommt, so etwas hinzuschreiben. ach ja, und m., die sagt: the frank ist der erste, mit dem ich dich betrügen würde. und ich sofort dieses einverständige in mir, ja klar.
das mv weg ist. ich habe ihn doch gebraucht. man versteht nicht einmal, was es ist, dass einen sätze wie "ich habe ihn doch gebraucht" denken lässt.
nightcat. aber ich wusste, dass das geschehen würde.
etcpp. gesprächsnotizen. erratika. die minusvisionen. volker radke. wie gut die sind. und wie man sofort wieder und voller glück merkt, worum es bei weblogs geht: einzelne. immer mehr. und immer weniger um tribes, communities.
malorama, mediumflow, camp catatonia, bov, instant nirvana, ghack, jumpcut, neue filmkritik, argh: dass die immer noch.
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