Mittwoch, 25. September 2002

Herr Knoerer und Herr Baute fehlen mir gewaltig. Wollte ich durchsagen.





Wiederherstellung der deutsch-amerikanischen Freundschaft. Da müssen wir alle helfen! Wir hamm dich doch lieb. Echt.




Gerne äußere ich meine Meinung zu den unterschiedlichsten Themen in Leserbriefen.

Zur Zeit der Synagogeneröffnung hat die israelische Armee in Ramallah ein Nachbarhaus meiner Frau und eine Schule bombardiert und schließlich meinen Schwager in Ramallah erschossen. Unter diesen Umständen bin ich dagegen, dass man nur einen Groschen von Steuergeldern für eine Einladung von Vertretern des Staates Israel zur Synagogeneröffnung ausgibt.
Dies ist eine kleine Auswahl meiner Leserbriefe; ich habe in ihnen sicherlich keine grossen Denkgebäude errichtet, jedoch glaube ich, dass hier doch einige kleine und dennoch wichtige Wahrheiten enthalten sind.
Das Drogenproblem erscheint so als die Frage nach dem Sinn; meine Antwort darauf kann ich natürlich niemandem aufzwingen, wir leben in einer Gesellschaft mit auseinander strebenden Wertvorstellungen. Somit erscheint mir das Drogenproblem als Gesamtheit als praktisch unlösbar.
Einige Leserbriefe an die FAZ 
Liebe FAZ und ZEIT, ist das eine ernsthafte Anzeige oder die Parodie einer solchen? Bischof Lehmann als der "kluge Kopf" in einer Doppelseitenanzeige der FAZ in der Osterausgabe der ZEIT. Der einzige Mensch inmitten einer Schafherde. Das Bild des Hirten und seiner Schäflein. Nur: Wozu tragen die Schafe Nummern auf ihrer Wolle, wenn nicht zum Zählen für die Schlachtbank! Und warum ragt der Kopf des Bischof über die Zeitung hinaus - aber schwarz verhüllt? Seine Henkerskapuze? 
Hier meine Leserbriefe, die ich an Medien verschiedenster Art schreibe. Sie spiegeln ganz gut meine Meinung zu verschiedenen Themen wider:
Bestrebungen, mit Kursen etc. die Integration zu fördern, sind sehr zu begrüßen. Aber auch den Deutschen fehlt eine gewaltige Portion an Aufklärung. Der Islam wird in jedem Kreuzworträtsel als Weltreligion bezeichnet, hierzulande aber herrschen nur vage Vorstellungen über den Inhalt. Und daß die Türkei nicht nur aus Ali vom Dönerstand oder Mehmed dem Postboten besteht, sondern ein Land mit hohem kulturellen Niveau ist, ist weitgehend unbekannt. - Und wer begrüßt schon Ali oder Mehmed mit einem fröhlichen Merhaba? Buon Giorno kommt uns leicht an, wenn wir Giovanni den Pizzabäcker sehen... Integration ist gut - aber auf Kosten der Identität? Nein!
Leider  werden selbst so schöne Leserbriefe wie meine nicht immer gedruckt und manchmal arg zusammengestrichen. Hier finden Sie die Originale - und zwar unzensiert!
Betrifft: Eva rollt ... (Foto einer Skaterin)(WAZ vom 28.9.00) Ein schönes Bild – aber rundherum geschützt ist Eva eben nicht. Geschützt ist sie nur beim Sturz nach vorn. Wenn der richtig abläuft (klack auf die Knie, klack auf die Ellenbogen, klack auf die Handflächen) passiert ihr selbst mit viel Schwung nichts. Stürze in eine andere Richtung muß sie durch eine geschickte Körperdrehung in Stürze nach vorn umfälschen, sonst tut es weh. Diesen Sturzablauf müßte man also üben, bis er ganz automatisch gelingt – und wer tut das schon? Kenner haben das Krankenhaus “Bergmannsheil” in Bochum schon seit Jahren in “Skaterheil” umgetauft. Sie wissen, warum!
Hier eine Aufstellung meiner Leserbriefe und Publikationen zum Thema E+E Strasse:
Die Distanzen der beiden im Landsgemeindememorial (Seite 142/143) vorgeschlagenen Varianten "Berg-Linth", "Linth" werden mit 12.32 km resp. 11.57 km angegeben. Die vergleichbare, bisherige Stecke kann daraus auf 12.53 km errechnet werden, sodass die heutige Streckenführung im Memorial als die Längste dargestellt wird. Entgegen der Distanzangabe im Memorial beginnen die beiden in den Plänen (schwarz, fett) eingezeichneten Varianten weder beim Anschluss Girswiesen (N3-Halbanschluss Oberurnen), noch enden sie beim Horgenberg zwischen Glarus und Mitlödi. Die massgebliche Distanz rechnet sich folglich zwischen dem Beginn der Neubaustrecke von Südglarus (bei der Garage Milt) und Nordnäfels (Ampel SGU resp. Abzweigung Mollis in die Schwärzestrasse). Die tatsächliche, durch mich abgefahrene und nachgemessene Distanz beträgt daher effektiv 9.0 km (Ampel SGU) resp. 9.5km! Nachmessungen der beiden Planstrecken ergeben die vergleichbare Distanz von 8.91km ("Linth") und 9.63km ("Berg-Linth"). Die "Berg-Linth" Variante ist somit die Längste!





Platz 1 bei druckvorstufe ohne spass





weblogsackgassen. auch so ein thema, über das man mit seinem webloganalytiker reden könnte. webloganalytiker wären natürlich auch eine gute idee. neulich habe ich übrigens von mv (wörterberg) geträumt. nicht, dass ich eine ahnung hätte, wie er aussieht. in meinem traum sah er ätherisch aus, fast durchsichtig. er trug eine brille und ein transparent und demonstrierte. ich weiß allerdings nicht mehr, wofür oder wogegen. nur noch, dass ich ihm recht gab. es war ein herbsttag, die kastanien fielen schon, nach der demo saßen wir wortlos in diesem café, in dem die taz-redakteure oft zu mittag essen, und tranken kakao. das war sehr schön. ich glaube, das letzte mal habe ich vor 22 jahren mit christine gaigg im 8. bezirk in der nähe des pfeilheims kakao getrunken, auf dem heimweg vom general guglhupf, in dem hermann schürrer wieder einmal randaliert hatte.





Ergebnisse Fernwärmelauf 2002.





Dienstag, 24. September 2002

Ganz Österreich sucht den Superstar: starmania.ORF.at.





Wer die moralische Tarnung des linken Antisemitismus durchbricht, gilt als Aggressor, wer die davon ausgehende Bedrohung benennt, als bedrohlich, wer den Gestank moniert, als Stänkerer. Und man selber versteht sich als mutiger Tabubrecher, als ehrbarer Wahrer der Meinungsfreiheit, die von Kritikern mit dem Vorwurf des Antisemitismus erstickt zu werden drohe. Mit demselben Gespür, mit dem Politiker das Asylrecht gegen dessen »Mißbrauch durch Scheinasylanten« verteidigen, wirft man sich als Vorkämpfer für ein Grundrecht in die Bresche. Man will der von jüdischen Vorbehalten bedrohten Meinungsfreiheit eine Gasse bahnen. Wie man damit in der Gosse landet, hatte Ströbele vor Jahresfrist als verfolgter Freiheitskämpfer vorgeführt: »Ich sehe den Vorwurf des Antisemitismus als politisches Totschlagsargument mißbraucht ... um die harte Kritik an der israelischen Regierung zum Schweigen zu bringen.« Und in Hamburg plapperten Leute dies nach, denen man auch nichts Schlimmeres antun konnte, als sie zu zitieren.
Eike Geisel, Der hilflose Antisemitismus, 1993.




Montag, 23. September 2002

Uns älteren Repräsentanten dessen, wofür der Name Frankfurter Schule sich eingebürgert hat, wird neuerdings gern der Vorwurf der Resignation gemacht. Wir hätten zwar Elemente einer kritischen Theorie der Gesellschaft entwickelt, wären aber nicht bereit, daraus die praktischen Konsequenzen zu ziehen. Weder hätten wir Aktionsprogramme gegeben noch gar Aktionen solcher, die durch die kritische Theorie angeregt sich fühlen, unterstützt. Ich sehe ab von der Frage, ob das von theoretischen Denkern, einigermaßen empfindlichen und keineswegs stoßfesten Instrumenten, verlangt werden kann. Die Bestimmung, die ihnen in der arbeitsteiligen Gesellschaft zugefallen ist, mag fragwürdig, sie selbst mögen durch sie deformiert sein. Aber sie sind durch sie auch geformt; gewiß können sie, was sie wurden, nicht aus bloßem Willen abschaffen. Das Moment subjektiver Schwäche, das der Einengung auf Theorie anhaftet, möchte ich nicht verleugnen. Für wichtiger halte ich die objektive Seite. Der Einwand, der leicht abschnurrt, lautet etwa: einer, der an der Möglichkeit eingreifender Veränderung der Gesellschaft zu dieser Stunde zweifelt und der darum weder an spektakulären, gewaltsamen Aktionen teilnimmt, noch sie empfiehlt, habe entsagt. Er halte, was ihm vorschwebe, nicht für realisierbar, eigentlich wolle er es nicht einmal realisieren. Indem er die Zustände so lasse, wie sie sind, billige er sie uneingestandenermaßen.  

Distanz von Praxis ist allen anrüchig. Beargwöhnt wird, wer nicht fest zupacken, nicht die Hände sich schmutzig machen möchte, als wäre nicht die Abneigung dagegen legitim und erst durchs Privileg entstellt. Daß Mißtrauen gegen den der Praxis Mißtrauenden reicht von solchen, welche die alte Parole "Genug des Geredes" auf der Gegenseite nachreden, bis zum objektiven Geist der Reklame, die das Bild - das Leitbild nennen sie es - des aktiv tätigen Menschen, sei er Wirtschaftsführer oder Sportsmann, verbreitet. Man soll mitmachen. Wer nur denkt, sich selbst herausnimmt, sei schwach, feige, virtuell ein Verräter. Das feindselige Cliché des Intellektuellen wirkt, ohne daß sie es merkten, tief hinein in die Gruppe jener Oppositionellen, die ihrerseits als Intellektuelle beschimpft werden.

Von denkenden Aktionisten wird geantwortet: zu verändern gelte es, neben anderem, eben den Zustand der Trennung von Theorie und Praxis. Gerade um der Herrschaft der praktischen Leute und des praktischen Ideals ledig zu werden, bedürfe es der Praxis. Nur wird daraus fix ein Denkverbot. Ein Minimales reicht hin, den Widerstand gegen die Repression repressiv gegen die zu wenden, welche, sowenig sie das Selbstsein verherrlichen mögen, doch nicht aufgeben, was sie geworden sind. Die vielberufene Einheit von Theorie und Praxis hat eine Tendenz, in die Vorherrschaft von Praxis überzugehen. Manche Richtungen diffamieren Theorien selber als eine Form von Unterdrückung; wie wenn nicht Praxis mit jener weit unmittelbarer zusammenhinge. Bei Marx war die Lehre von jener Einheit beseelt von der - schon damals nicht realisierten - präsenten Möglichkeit der Aktion. Heute zeichnet eher das Gegenteil sich ab. Man klammert sich an Aktionen um der Unmöglichkeit der Aktion willen. Schon bei Marx allerdings verbirgt sich da eine Wunde. Er mochte die elfte Feuerbachthese so autoritär vortragen, weil er ihrer nicht ganz sicher sich wußte. In seiner Jugend hatte er die "rücksichtslose Kritik alles Bestehenden" gefordert. Nun spottete er über Kritik. Aber sein berühmter Witz gegen die Junghegelianer, das Wort "kritische Kritik", war ein Blindgänger, verpuffte als bloße Tautologie. Der forcierte Vorrang von Praxis stellte die Kritik, die Marx selbst übte, irrational still. In Rußland und in der Orthodoxie anderer Länder wurde der hämische Spott über die kritische Kritik zum Instrument dafür, daß das Bestehende furchtbar sich einrichten konnte. Praxis hieß nur noch: gesteigerte Produktion von Produktionsmitteln; Kritik wurde nicht mehr geduldet außer der, es werde noch nicht genug gearbeitet. So leicht schlägt die Subordination von Theorie unter Praxis um in den Dienst an abermaliger Unterdrückung.

Die repressive Intoleranz gegen den Gedanken, dem nicht sogleich die Anweisung zu Aktionen beigesellt ist, gründet in Angst. Man muß den ungegängelten Gedanken und muß die Haltung, die ihn nicht sich abmarkten läßt, fürchten, weil man zutiefst weiß, was man sich nicht eingestehen darf daß der Gedanke recht hat. Ein uralt bürgerlicher Mechanismus, den die Aufklärer des achtzehnten Jahrhunderts gut kannten, läuft erneut, doch unverändert ab: das Leiden an einem negativen Zustand, diesmal an der blockierten Realität, wird zur Wut auf den, welcher ihn ausspricht. Der Gedanke, die ihrer selbst bewußte Aufklärung, droht die Pseudorealität zu entzaubern, in der, nach der Formulierung von Habermas, der Aktionismus sich bewegt. Diesen läßt man nur darum gewähren, weil man ihn als Pseudorealität einschätzt. Ihr ist, als subjektives Verhalten, Pseudo-Aktivität zugeordnet, Tun, das sich überspielt und der eigenen publicity zuliebe anheizt, ohne sich einzugestehen, in welchem Maß es der Ersatzbefriedigung dient, sich zum Selbstzweck erhebt. Eingesperrte möchten verzweifelt heraus. In solchen Situationen denkt man nicht mehr, oder unter fiktiven Voraussetzungen. In der verabsolutierten Praxis reagiert man nur und darum falsch. Einen Ausweg könnte einzig Denken finden, und zwar eines, dem nicht vorgeschrieben wird, was herauskommen soll, wie so häufig in jenen Diskussionen, bei denen feststeht, wer recht behalten muß, und die deshalb nicht der Sache weiterhelfen, sondern unweigerlich in Taktik ausarten. Sind die Türen verrammelt, so darf der Gedanke erst recht nicht abbrechen. Er hätte die Gründe zu analysieren und daraus die Konsequenz zu ziehen. An ihm ist es, nicht die Situation als endgültig hinzunehmen. Zu verändern ist sie, wenn irgend, durch ungeschmälerte Einsicht. Der Sprung in die Praxis kuriert den Gedanken nicht von der Resignation, solange er bezahlt wird mit dem geheimen Wissen, daß es so doch nicht gehe.

Pseudo-Aktivität ist generell der Versuch, inmitten einer durch und durch vermittelten und verhärteten Gesellschaft sich Enklaven der Unmitelbarkeit zu retten. Rationalisiert wird das damit, die kleine Veränderung sei eine Etappe auf dem langen Weg zu der des Ganzen. Das fatale Modell von Pseudo-Aktivität ist das "Do it yourself", Mach es selber: Tätigkeiten, die, was längst mit den Mitteln der industriellen Produktion besser geleistet werden kann, nur um in den unfreien, in ihrer Spontaneität gelähmten Einzelnen die Zuversicht zu erwecken, auf sie käme es an. Der Unsinn des "Mach es selber" bei der Herstellung materieller Güter, auch bei vielen Reparaturen, liegt auf der Hand. Er ist allerdings nicht total. Bei der Verknappung von sogenannten Services, Dienstleistungen, erfüllen zuweilen nach dem technischen Stand überflüssige Maßnahmen, die ein Privatmensch durchführt, einen quasi rationalen Zweck. Das "Mach es selbst" in der Politik ist nicht ganz vom selben Schlag. Die Gesellschaft, die undurchdringlich den Menschen gegenübersteht, sind sie doch selbst. Das Vertrauen auf die limitierte Aktion kleiner Gruppen erinnert an die Spontaneität, die unter dem verharschten Ganzen verkümmert und ohne die es nicht zu einem Anderen werden kann. Die verwaltete Welt hat die Tendenz, alle Spontaneität abzuwürgen, nicht zuletzt sie in Pseudo-Aktivitäten zu kanalisieren. Das wenigstens funktioniert nicht so umstandslos, wie die Agenten der verwalteten Welt es sich erhofften. Jedoch Spontaneität ist nicht zu verabsolutieren, so wenig von der objektiven Situation abzuspalten und zu vergötzen wie die verwaltete Welt selber. Sonst schlägt die Axt im Haus, die nie den Zimmermann erspart, die nächste Tür ein, und das Überfallkommando ist zur Stelle. Auch politische Tathandlungen können zu Pseudo-Aktivitäten absinken, zum Theater. Kein Zufall, daß die Ideale unmittelbarer Aktion, selbst die Propaganda der Tat, wiederauferstanden sind, nachdem ehemals progressive Organisationen sich willig integrieren und in allen Ländern der Erde Züge dessen entwickeln, wogegen sie einmal gerichtet waren. Dadurch aber ist die Kritik am Anarchismus nicht hinfällig geworden. Seine Wiederkehr ist die eines Gespensts. Die Ungeduld gegenüber der Theorie, die in ihr sich manifestiert, treibt den Gedanken nicht über sich hinaus. Indem sie ihn vergißt, fällt sie hinter ihn zurück.

Erleichtert wird das dem Einzelnen durch seine Kapitulation vorm Kollektiv, mit dem er sich identifiziert. Ihm wird erspart, seine Ohnmacht zu erkennen; die Wenigen werden sich zu Vielen. Dieser Akt, nicht unbeirrtes Denken ist resignativ. Keine durchsichtige Beziehung waltet zwischen den Interessen des Ichs und dem Kollektiv, dem es sich überantwortet. Das Ich muß sich durchstreichen, damit es der Gnadenwahl des Kollektivs teilhaftig werde. Unausdrücklich hat sich ein wenig Kantischer kategorischer Imperativ aufgerichtet: du mußt unterschreiben. Das Gefühl neuer Geborgenheit wird bezahlt mit dem Opfer autonomen Denkens. Trügend der Trost, im Zusammenhang kollektiver Aktion werde besser gedacht: Denken, als bloßes Instrument von Aktionen, stumpft ab wie die instrumentelle Vernunft insgesamt. Keine höhere Gestalt der Gesellschaft ist, zu dieser Stunde, konkret sichtbar: darum hat, was sich gebärdet, als wäre es zum Greifen nah, etwas Regressives. Wer aber regrediert, hat Freud zufolge sein Triebziel nicht erreicht. Rückbildung ist objektiv Entsagung, auch wenn sie sich für das Gegenteil hält und arglos das Lustprinzip propagiert.

Demgegenüber ist der kompromißlos Denkende, der weder sein Bewußtsein überschreibt noch zum Handeln sich terrorisieren läßt, in Wahrheit der, welcher nicht abläßt. Denken ist nicht die geistige Reproduktion dessen, was ohnehin ist. Solange es nicht abbricht, hält es die Möglichkeit fest. Sein Unstillbares, der Widerwille dagegen, sich abspeisen zu lassen, verweigert sich der törichten Weisheit von Resignation. In ihm ist das utopische Moment desto stärker, je weniger es - auch das eine Form des Rückfalls - zur Utopie sich vergegenständlicht und dadurch deren Verwirklichung sabotiert. Offenes Denken weist über sich hinaus. Seinerseits ein Verhalten, eine Gestalt von Praxis, ist es der verändernden verwandter als eines, das um der Praxis willen pariert. Eigentlich ist Denken schon vor allem besonderen Inhalt die Kraft zum Widerstand und nur mühsam ihr entfremdet worden. Ein solcher emphatischer Begriff von Denken allerdings ist nicht gedeckt, weder von bestehenden Verhältnissen noch von zu erreichenden Zwecken, noch von irgendwelchen Bataillonen. Was einmal gedacht ward, kann unterdrückt, vergessen werden, verwehen. Aber es läßt sich nicht ausreden, daß etwas davon überlebt. Denn Denken hat das Moment des Allgemeinen. Was triftig gedacht wurde, muß woanders, von anderen gedacht werden: dies Vertrauen begleitet noch den einsamsten und ohnmächtigsten Gedanken. Wer denkt, ist in aller Kritik nicht wütend: Denken hat die Wut sublimiert. Weil der Denkende es sich nicht antun muß, will er es auch den anderen nicht antun. Das Glück, das im Auge des Denkenden aufgeht, ist das Glück der Menschheit. Die universale Unterdrückungstendenz geht gegen den Gedanken als solchen. Glück ist er, noch wo er das Unglück bestimmt: indem er es ausspricht. Damit allein reicht Glück ins universale Unglück hinein. Wer es sich nicht verkümmern läßt, der hat nicht resigniert. 





Empfangsdame beim SONY Club. Empfangsdame im Club VAIO Supportcenter, Abteilung Lösungen. Nebenan ist der "Underhaltungsraum".




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