Immer, wenn im Frühstücksfernsehen die Pfaffen zur Weltlage interviewt werden, weiß man: Es dauert nicht mehr lange, bis das Blut fließt.
Frage: Weshalb dann sonst ist (steht so im Original) die USA an diesem Krieg interessiert?Rudolf Burger ist Professor für politische Philosophie an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Mit einer gewissen Lust an der Provokation attackierte Burger vor zwei Jahren in einem "Plädoyer für das Vergessen" das Geschäft mit den Erinnerungen an die Nazi-Zeit. Sein letztes Buch heisst "Ptolemäische Vermutungen. Aufzeichnungen über die Bahn der Sitten". Man ahnts - es ist ein schwieriges Buch.Rudolf Burger: Der "Spiegel" titelte "Kein Blut für Öl", das ist zwar ein Argument, aber sicher nicht das alleinige und nicht einmal das stärkste - weil es nämlich für viele Orte der Welt zutrifft, zum Beispiel Venezuela. Gewiss geht es auch ums Öl, doch ich denke, es geht bei diesem "babylonischen Krieg" um mehr, nämlich um eine politische Neuaufteilung der gesamten Arabischen Halbinsel. Man muss sich also fragen, wer an diesem Krieg sonst noch Interesse hat. Nun weiss man, dass so genannte Lobbys in den USA viel stärkeren Einfluss auf die Politik haben als in den europäischen Staaten. Das liegt unter anderem daran, dass die Amerikaner nicht so ein Berufsbeamtentum haben wie die meisten europäischen Länder. Und in jüngster Zeit ist in den USA die Israel-Lobby sehr mächtig geworden, die politisch von den moralischen Zinsen des Holocaustkapitals lebt. Besonders in der Republikanischen Partei, wo sich neben den fundamentalistischen evangelischen Christen auch immer mehr reaktionäre Juden engagieren. Und dass diese Kreise auch die Positionen des rechten Likud in Israel vertreten, liegt auf der Hand. Wir haben es also mit einer einmaligen Interessenskoalition im amerikanischen Regierungsapparat zu tun: der Öllobby, der jüdischen Lobby, die vor allem im Pentagon eine große Rolle spielt, und den fundamentalistischen Evangelikalen am rechten Flügel der Partei, die im Grunde antisemitisch, aber zionistisch sind. Erst ihre Konvergenz erklärt die irrwitzig erscheinende Politik der USA.
Frage: Klingt das nicht ein bisschen gar nach der typischen antisemitischen Die-Juden-sind-an-allem-schuld-Formel?
Es geht hier um eine nüchterne Analyse einer Interessenskoalition, auch wenn man sich dabei der Gefahr des Antisemitismus aussetzt. Wenn ich mich nun hermeneutisch hineindenke in einen israelischen Geheimdienstoffozier, wie würde ich die Lage analysieren? Der Status quo ist auf die Dauer unhaltbar, und eine friedliche Lösung des Palästinenserproblems ist nicht mehr möglich. Auch liegt sie nicht im Interesse Israels, der weitaus stärksten Militärmacht der Region. Ausserdem läuft die Zeit gegen Israel, weil, rein demografisch betrachtet, die arabische Bevölkerung schneller wächst als die israelische. Die einzige Möglichkeit, das Problem zu lösen, ist eine Vertreibung der Palästinenser aus dem Westjordanland? Und wie kann das geschehen? Nur im Rahmen eines Krieges. Nur ein Krieg und das entstehende Chaos in der Region böte Israel die Gelegenheit, die Palästinenser loszuwerden. Wäre ich Ariel Sharon, hätte ich ein Interesse an diesem Krieg. Natürlich kann er schief gehen, wie jeder Krieg, aber vermutlich befreit er Israel von einem feindlichen Regime in der Nachbarschaft, und vielleicht kommt es in der Folge sogar zu einem Palästinenserstaat - irgendwo in der jordanischen Wüste.
Quelle: Das Magazin des Tages-Anzeigers (Zürich), 5/2002 vom 1. 2., Thema: "205 Fragen zu einem angekündigten Krieg".
Dass dieses Weblog in den letzten Tagen ein wenig dürftig geworden ist, liegt auch daran, dass ich von von einem Betriebssystem (Mac 9.1) aufs andere (Mac animal print) umgestiegen bin. Was ein wenig so ist, als würde man den gewohnten Körper verlassen und in einen anderen einfahren. Man muss sich überlegen, was man dem neuen, noch jungen Leib zumuten will. Welche Adressen aus dem alten Adressbuch mitkommen sollen. Welche Briefwechsel lieber im Datenmüllhaufen der Geschichte vermodern sollen. In welche Bleikammern man die Texte der letzten zehn Jahre sperrt. Zwischendurch immer wieder blanke Verwunderung. All die angefangenen Erzählungen, Alternativleben, all die Konzeptionen, Prospekte und Projekte. Und all das Unbeantwortete. Man fühlt sich wie bei einer Selbstversiegelung. Einmal noch draufgeschaut, dann weg damit. Aber manches glänzt noch immer. Wie schade, dass das nur mit der Maschine geht.
Im Februar könnt ihr jeden Mittwoch zwischen 10 und 13 Uhr einen kostenlosen Sehtest machen lassen. Liegeraum im Technikgebäude C, 1. Etage.
Im Liegeraum. Ein Sehtest. Gute alte Wirtschaft.
Ich kann nicht aufhören, das elegante CSS-Layout von turba.antville zu bestaunen. Und stehlen zu wollen. Aber auch dafür bin ich schlicht zu doof.
Benjamin Biolay. Schöne Website, schöne Lieder, ein ganzes Album lang, manchmal kann man das Umgreifen auf der Gitarre hören, kleine Nachschwinger. Junger Mann, sehr alt auf eine bestimmte Weise, fliegende Hirsche.
* Think Nico's "Chelsea Girl", think Lee Hazelwood's "Requiem For An Almost Lady." * The Top Prozac album. * Brought up in Cherbourg, Françoiz’s early musical influences were gleaned from her sister’s vast vinyl collection & some late nights in bed with John Peel (c’mon, the radio show!) After leaving school, she started singing in a cover band doing versions of The Kinks & X-Ray Spex.
Francoiz Breut. Traurige Sängerin, Malerin, Ehefrau, Mutter, aus Frankreich. Ehefrau, Mutter: liest man in den Bios. In Sänger-Bios liest man so etwas nie, ich glaube, Sänger schämen sich dafür, Ehemann und Vater zu sein, oder sie bilden sich ein, die Kunst von der Liebe fernhalten zu müssen. Wahrscheinlich sind mir schon deswegen Sängerinnen-Bios meistens lieber.
Eine Stimme, die harmlos daherkommt und sich dann verhakt.
Hier ihre eigene Website. Man kann sich ein hinreißendes Flash-Video downloaden. Bei Bella Union Records, dem Label der Cocteau Twins, gibt es hier zwei mp3s - nebenbei auch welche von weiteren artists.
In der Diskussion über Ipod-Psychologie (weiter unten auf dieser Seite) hat Herr Knecht eher beiläufig und vage den Begriff philosophisch in Spiel gebracht. Nun frage ich mich: Was, wenn man das Philosophische ernst nähme? Was, wenn man sich vornähme, Musikstücke und ihre Abfolge nach philosophischen Überlegungen zu organisieren, also philosophische Playlists zu erfinden? Platonismus. Die Phänomenologie des Geistes und andere Dialektiken. Das mind-body-Problem. Negativität. Sprachspiele und Wahlverwandtschaften. Ethik. Modale Logik. Und so weiter. Sicher - das wäre zum Beispiel eine Schwierigkeit für einen Philosophen - täte das der Musik nicht wenig Gewalt an, man würde sie damit ja zum Exempel, zur Illustration entwürdigen, was ihren Autonomiecharakter beschädigen müsste. Andererseits: solange man das weiß, ist das in Ordnung. Und vielleicht würde einem so eine philosophische Jukebox ja auch etwas über das Denken, die Begriffe und deren Grenzen beibringen. Käme auf den Versuch an.
Booze hacks pass bottles of Knoll, Prager, Hirtzberger and Bründlmayer from hand to hand like samizdat literature in the old Soviet Union.Der Observer: Austrian whites the best in the world.
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