Das Selbstmitleid, ich weiß nicht, ob Ihnen das schon einmal aufgefallen ist, ist die einzige Eigenschaft, die die westliche Zivilsation noch zusammenhält. Wahrscheinlich, weil sie eine so miese Zivilisation ist, dass sie niemandem sonst Leid tut. Menschen torkeln durch ihr Leben und fühlen sich betrogen, stehen am Fenster, schauen traurig in den Regen hinaus und fühlen sich arm. Houllebeq ist so einer. Muss mit kleinen Thaimädchen Sex haben, weil die daheim seinen Körper nicht haben wollen, und beklagt sein Schicksal, ein Heimatvertriebener zu sein. Ollikahn ist so einer, schläft mit Partymäusen, und wusch, wird er behandelt wie ein Vergewaltiger. Der deutsche Mittelstand ist so einer, rackert sich ab und dann wird er verknackt, die Aludosen zurückzunehmen. Wolf Biermann ist so einer, hat quergesungen gegen die SED und die Deutschen danken ihm damit, dass sie gegen die Amerikaner sind. Der Mann von der Straße ist so einer, sitzt beim Schoppen, isst unschuldig sein Wrap, und nebenan telefonieren sie alle mit dem Handy und machen ihm Funkwellenkopfkrebs. Daniel Küblböck ist so einer, macht alles, was der Bohlen will und die voten ihn trotzdem raus. Der amerikanische Raucher ist so einer, hat jetzt Lungenkrebs, und keiner hat es ihm vorher gesagt. Armut ist ein schöner Schein von innen, du kriegst immer mehr Wechselgeld heraus, als du bezahlt hast.
Virginia Woolf weiß nicht so genau, wie sie mit ihrer Köchin umgehen soll:
She says, "There should be China tea, I think. And sugared ginger." "China tea, m´am? And ginger?" "We´ve not had Vanessa in more than a fortnight. I´d prefer to give her something better than yesterday´s scraps for tea." "China tea and sugared ginger would mean London, they don´t sell that here." "The trains run on the half hour, the buses on the hour. Aren´t there other tings we need in London?" "Oh, there´s always things. It´s just, it´s just half past eleven now, and luncheon is far from finished. Missus Bell comes at four. You said four, didn´t you?" "Yes, and by four o´clock I meant the four o´clock that arrives almost five hours from now, now being exactly eight minutes past eleven. The twelve-thirty would get you to London a few minutes past one. The two-thirty would deposit you back here just after three, quite promptly and safely, with the tea and ginger in hand. Am I miscalculating?" "No," says Nelly. She takes a turnip from the bowl and cuts off ist end with a practiced flick of the knife. So, Virginia thinks, she would like to slit my throat; just so, with an off hand stroke, as if killing me were another of the domestic chores that stand between her and sleep. That is how Nelly would murder, competently and precisely, the way she cooks, following recipes learned so long ago she does not experience them as knowledge at all. At this moment she would gladly cut Virginia´s throat like a turnip because Virginia neglected her own duties and now she, Nelly Boxall, a grown woman, is being punished for serving pears. Why is it so difficult dealing with servants? Virginia´s mother managed beautifully. Why is it so difficult to be firm and kind with Nelly; to command her respect and her love? Virginia knows just how she should enter the kitchen, how her shoulders should be set, how her voice should be motherly but not familiar, something like that of a governess speaking to a beloved child. Oh, let´s have something more than pears, Nelly, Mr. Woolf is in a mood today and I´m afraid pears won´t do nearly enough to sweeten his disposition. It should be so simple. She will give Clarissa Dalloway great skill with servants, a manner that is intricately kind and commanding. Her servants will love her. They will do more than she asks.Die Passage stammt aus Michael Cunninghams Roman "The Hours", 1998 erschienen, 1999 mit dem Pulitzer und dem Pen Faulkner Award ausgezeichnet, 2002 verfilmt und für weiß Gott wie viele Oscars nominiert. Es ist eine zufällig herausgegriffene, nicht tendenziös ausgewählte Passage, es gibt noch viel schlimmere, aber wie an jeder Passage in diesem Roman, der in mir so viel Vernichtungswut und Verhöhnungslust ausgelöst hat wie seit langem kein Buch mehr, kann man auch an diesen paar Sätzen sehr gut demonstrieren, warum Michael Cunningham nicht nur ein erbärmlicher Schriftsteller, sondern auch ein zweifelhafter Charakter ist.
Die öden, an Derrickepisoden erinnernden Wiederholungen (Tee. Tee? Tee? etc.), die dem Banalen Dignität spendieren sollen. Die dämlichen Klischees über britische Magd- und Herrinnen-Sprache (Missus, ah, der Slang des Verstockten; the two-thirty would deposit you back, ah, der herrische Konjunktiv). Diese Anfänger-Erfindungen darüber, welche Assoziationen in der Psyche empfindsamer Frauen blubbern (sie schneidet Gemüse; ah, wenn sie könnte, würde sie mir die Kehle durchschneiden....); die Assoziationen, die dann zu Anlässen innerer Selbstbezweifelungs-Monologe werden (warum ist es so schwer, mit Dienstpersonal umzugehen?). Und dann, als Tiefpunkt, Cunninghams Erklärung schriftstellerischer Imagination: Virginia Woolf fühlt sich unwohl bei Konfrontationen mit Dienstpersonal - also beschließt sie, ah, dass ihre Romanheldin Mrs. Clarissa Dalloway diese Probleme nicht haben wird.
Es ist viel Elend in diesem Roman. Und keines davon hat mit dem zu tun, das Cunningham zu schildern vorgibt. Der Film, ist mir versichert worden, soll noch mieser sein. Frauen, die tragisch glotzen, in Großaufnahme. Und dieser Frauenversteher-Feminismus, der das Gegenteil von Feminismus ist. Die Frau als armes Bambi, das nicht in Freiheit leben darf und deswegen apart in der Gegend herumleidet. Bambi muss sie bleiben, ach Empfindsamkeit, ach Schmerzensrafinesse, kunsthandwerklich geadelt. Rosenkränze des Leidens, am Ende kommt Ästhetik raus. Auch nur eine Ware.
schön, dass es software gibt, die sofa heißt, noch schöner, dass es sich dabei um die fernsteuerung eines musikabspielprogramms (itunes, mac) handelt, leben im liegen, ein weiterer schritt, ach, sagen wir lieber: schlurf. via it&w
titanic nicht gesehen, e.t. nicht, startrek nie, aß kein labskaus, schlief nie mit christa, kein führerschein, spö auch nie, kein heroin, kein lotti, auch die friedensbewegung war nichts für mich, italienisch nicht, noch diphterie, nicht mal in riga.
copeland steam 1885. von hier
I had an affair with a much younger woman. Her body reminded me of the body of a woman I dated in 1984. I had forgotten what breasts like that were like. Oddly it made me sad. It’s not 1984 anymore. Not that I would want it to be 1984, but to be with this woman confused me. It felt like some kind of cheating, and a not particularly effective kind at that. Von hier.
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