Mittwoch, 16. April 2003

dafür, dass sie vor dem krieg alle gesagt haben, gegen den saddam, scheußlicher tyrann, nicht wahr, wären sie, ja doch, alle, und müsste, aber sicher, dringend weg, sagen jetzt ziemlich wenige, gut, dass er jetzt weg ist. sind wahrscheinlich alle noch betäubt vom geplündere in der deutschen botschaft und im museum für die wiege der zivilisation.





Dienstag, 15. April 2003

herr alex63 würde gerne gemeinsam mit anderen herrn adornos minima moralia lesen, und zwar auf dem ein wenig entschlafenen lektüre-weblog leck türen! ich folge seiner einladung gerne und gebe sie weiter. könnte was werden, müsste nicht so schmählich enden wie die empire-lesegruppe, die nach zwei, drei wochen vor dem buch kapitulierte, weil sie dann doch nicht genügend masochismus aufbrachte, sich das weiter antun zu wollen.





Montag, 14. April 2003

sehnsucht, die mir selbst verdächtig ist, aber ist vielleicht mein job,verdächtige sehnsüchte zu haben: jene nach dem endgültigen sieg des us- oder irgendeines anderen imperialismus, und zwar überall, alles nur noch besitz ein und derselben weltumspannenden nation. kann es nicht mehr ertragen, dieses geostrategische die-gegen-die-fauteuil-feldherren-gerede, wer welche massenvernichtungswaffen hat und wer nicht und so weiter, das außenpolitische ständig, zu dem jeder sich aufschwingt, ich nicht ausgenommen, vom platz vor der glotze, hinter dem weblog, auf der galerie aus, meine güte, wie öde das ist, wie müde, wie mürbe das macht.





Es wurden keine mit Ihrer Suchanfrage - "döner bebop" - übereinstimmenden Dokumente gefunden.





hackensack





The Streets of Askelon: a weblog about self-censorship and other media issues. [update: jetzt nicht mehr...]





Samstag, 12. April 2003

unsung songs





im stern das wort "imperialismus" gelesen. in der tagesschau das wort "vergesellschaftung" gehört. ging aber nur gegen den amerikaner, imperialist, der der vergesellschaftung nicht in den arm fällt.





Das Dorf, individuelle Vorlieben, Familiengeschmäcker, Klassenunterschiede und sonstige Abwechslungen existieren erst jenseits des Elends, das Dorf also lebt vor allem vom Reis.

Die Familien haben kleine Felder, wir haben sie bei der Anfahrt gesehen, besser: erahnt; was man im April, am Ende der Trockenzeit sehen kann, ist nur armselig verdorrtes Staubareal. Das Land ist nicht gut, die Gräben, in denen in der Regenperiode das Wasser steht, sind nicht tief, nicht abgedeckt, das Wasser verdunstet schnell, zu einem Bewässerungssystem haben sie es hier nicht geschafft, sie wissen selbst, sagt einer, dass sie zu altmodisch produzieren, auch nach den Maßstäben kambodschanischer Landwirtschaft, sie müssten Zisternen anlegen, Kanäle ziehen, aber dazu haben sie weder die Mittel noch die Energie noch die Zeit, sie sind unentwegt nur mit dem Gerade-so-Überleben beschäftigt.

Es gibt nur eine Reisernte im Jahr; wenn das Klima einigermaßen mitmacht, reicht der Ertrag für zehn, wenn es Dürren gibt, für acht Monate. In den letzten beiden Jahren gab es Dürren. Also haben sie Hunger. Sie bräuchten mehr Land, noch besser eine zweite Ernte, nur eine zweite Ernte versetzte sie in die Lage, zu Kräften kommen, Vorräte anlegen, investieren zu können, es versteht sich von selbst, das solche Begriffe am Nullpunkt der Ökonomie etwas völlig anderes bedeuten als in den hiesigen Kalkülen. Die Dorfbewohner, man muss sich gar keine Mühe geben, das zu bemerken, sind mangelernährt, zumindest jetzt, im April. Der Reis geht zu Ende, die Kinder und Frauen sammeln in den Wäldern Tapioka oder fangen Insekten und Frösche. Das Fett stammt aus Kokosnüssen, Palmöl, Bananenöl, es ist immer zu wenig, es reicht nie. Obst, Gemüse: in den drei Tagen, in denen ich im Dorf war, habe ich nichts gesehen. Eine Frau hatte hinter dem Haus einen armseligen Kräutergarten, ein paar Büschel Koriander, mit ein wenig Reet abgedeckt gegen die Sonne. Manchmal sah ich ein paar Stücke Salzfisch in den Reisschüsseln, immerhin, das ersetzt die in der Hitze verlorenen Elektrolyte. In der Regenzeit, wurde erzählt, kann man manchmal Fische fangen, die sich aus dem Fluss hierher verirren, wenn alles unter Wasser steht. Ein Mittagessen, das ich sah, bestand aus Reis, in den ein wenig Chili geschnitten, ein wenig Salz gestreut waren: das war alles. Wie oft Kühe, Schweine, Hühner geschlachtet werden, wie viele Eier die Hühner legen und ob sie gegessen werden: ich habe vergessen, danach zu fragen. In François Ponchauds Bericht über die Machtübernahme Pol Pots bin ich auf folgende merkwürdige Passage über die Besetzung der sowjetischen Botschaft durch die Khmer Rouge gestoßen:

The Soviets had put up big posters in French on the doors of their nearby embassy, reading: "We are Communists, we are your brothers. Come forward with a French-speaking interpreter." The young Khmer Rouge hat looked at the posters, presumably without understanding a word, and then forced open the doors using Soviet B-40s! Once inside they searched out the diplomats and led them to the embassy refrigerator, from which they removed some eggs and broke them under the Russians´ noses. The Soviets had no idea what this gesture meant; implicitly, it accused them of revisionism - a true Communist, a Khmer, does not eat eggs; he puts a hen on them to hatch them so he can eat the chickens later, at a meal shared with his fellows."
Schwachsinn, solche Sätze für einen Beleg zu nehmen, was kann man als völlig Fremder nach drei Tagen schon wissen über die Ausgestaltung der Armut? Bezeichnend aber, dass man nachdenkt über solche Passagen, nachdenkt über das Essen anderer Leute, haben sie Eier, essen sie Eier, geben die Kühe Milch, was machen sie, wenn ihre letzten beiden Säcke Reis verbraucht sind, wie satt kann man von Insekten werden? Ständig dachte man über den Hunger der Leute nach, die man beobachtete und mit denen man sprach, nahm sie fast nur noch als Hungerleider wahr.

Auch das, natürlich, machte sie nicht satt.

Es war nicht so, dass sie verhungerten, aber man sah, dass sie hungerten. Aufgedunsene Kinderbäuche, Rippen zählen. Man sieht so etwas gelegentlich als Schwenkfutter im Fernsehen. Aus der Nähe sieht es anders aus. Noch eine Wahrnehmung, von der die Wahrgenommenen nicht profitierten.





Freitag, 11. April 2003

san seriffe island. via typographica.





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