<a href="www.glamour.de"">Glamour, das neue Frauen-Magazin, ist erschienen. 280 Seiten für 2 Mark Einführungs-Kampfpreis. Wir dokumentieren hier die mit einem Fragezeichen endenden Sätze der ersten 55 Seiten, nicht ohne zu versichern, dass es genau so weitergeht. Und nicht ohne uns selbst eine Frage zu erlauben: Wann hat es eigentlich damit begonnen, dass Zeitschriften ihre Leser für hilflose Personen halten, denen man das Leben beibringen muss - anstatt es zu beschreiben?
Woran denken wir dabei? Und wir? Wo fühlen Männer die Erregung? String Tangas: Sind sie klasse oder ordinär? Wer küsst Sie aus dem Winterschlaf? Ein wilder Widder? Ein scheuer Steinbock? Was bringt der erste Frühlingsmonat für Sie? Was sage ich beim ersten Date? Was kostet die Liebe? Und welche neuen Filme erwarten uns? Wie macht man gleichzeitig Rouladen und Spots? Was diese Frau besonders gut kann? Was wollen Frauen wirklich? Frau Thomson, was sage ich beim ersten Date? Haben Sie beim Rendezvous nie Fehler gemacht? Und stimmt's? Macht Geld glücklich? Was kostet die Liebe? Was aber, bitte schön, heisst das in der Praxis? Hat Tanzen eine Botschaft - und wie klingt sie? Wie rette ich mich aus peinlichen Situationen? Wem soll sie nützen? Haben Sie sich mal daneben benommen? Wie haben Sie die Situation gerettet? Was tue ich, wenn ich als Gast Wein aufs teure Sofa schütte? Wie wird man Groupie? Haben Sie je den Zigarettenstummel Ihres Idols archiviert? Sind Sie das auch im richtigen Leben? In der Schule zum Beispiel Klassensprecher gewesen? Haben Sie Respekt vor Anführern? Haben Sie sich als Kind an bestimmten Menschen besonders orientiert? Und Ihr Kindergärtner? Schaut Sie Ihre Filme an? Macht so etwas Männern Angst? Woran haben Sie plötzlich bemerkt, dass Sie zusammengehören? Tragen Sie ihr Foto im Portemonnaie bei sich? Und wo bewahren Sie Ihr Geld auf? Und die Visitenkarten? Wie alt waren Sie, als Sie Ihre erste Freundin hatten? Haben Sie Freundinnen mit nach Hause genommen? Hatten Sie Angst vor Kommentaren Ihrer Mutter? Wie sah Ihr Kinderzimmer aus? Haben Sie sich nach Ordnung gesehnt? Wer hat Sie früher morgens geweckt? Und dann haben Sie sich alleine Frühstück gemacht und sind in die Schule gegangen? Und das Pausenbrot? Was für Musik lief bei Ihnen zu Hause? Und Ihre erste Platte? Wann hatten Sie Ihre erste eigene Wohnung? Wie hat Ihre Mutter Sie genannt? Und wie haben Sie Ihre Mutter genannt? Warum? Was haben Sie dort am meisten vermisst? Wohnten Sie in der klassischen Dienstbotenkammer? Haben Sie noch Kontakt zu dem Mädchen, das Sie betreut haben? Kochen Sie immer noch gerne? Kochen Sie nach Rezept oder eher Freestyle? Was war das eigentlich für ein Gefühl, für Das Experiment in einem Scheingefängnis zu drehen? War das sehr unangenehm, in diesen Kitteln herumzulaufen? Hätten Sie auch einen Wärter gespielt? Berus zum Beispiel, im Film das grösste Schwein von allen? Können Sie sich an den ersten Satz erinnern, mit dem Sie Geld verdient haben? Warum also gibt es unzählige Partner-, aber keine Freundschaftsvermittlungen? Also viel Geld scheffeln? Heiraten? Was kommt nach der Philosophie? Niemand liest mein Buch? Mein Verleger verdammt mich? Ich werde in Armut enden? Ja oder nein? Sind wir freier als Hunde? Welches Jahr ist das verflixte? Woran denkst du gerade? Findest du mich etwa zu dick in der Hose? Fällt dir was an mir auf? Weisst du überhaupt, was für ein Tag heute ist? Ist er wirklich der Richtige, wenn er so selten Komplimente macht? Sollten wir es also lieber lassen? Schluss mit lustig? Wie kann diese entstellende Grimasse, die wir Lachen nennen, so positiv wirken? Wer will das schon, wenn er seinem Traummann gegenüber sitzt? Muss uns jetzt das Lachen vergehen? Haben Sie schon jemals nachgefragt? Wie ist das mit der Morgenlatte? Links- oder Rechtsträger? Sind öffentliche Pissoirs peinlich? Was passiert beim Älterwerden? Wo sitzt die Erregung? Länge, Dicke, Aussehen - wichtig? Und die Hygiene? Feuchte Träume? Warum ist so oft die Hand im Schritt?
Der Mann ist Motorjournalist. Testberichte und ähnliches. Wenn er nicht Motorjournalist, sondern Theaterkritiker, Kriegsberichterstatter oder Bundestagskorrespondent wäre, hätte er sich schon längst herumgesprochen. Wenn der Kisch-Preis an Motorjournalisten vergeben würde, hätte er ihn die letzten 20 Jahre bekommen müssen. Allein: er hat das Pech, Autos zu lieben. Über diese Liebe schreibt er, in der österreichischen <a href="www.autorevue.at<, deren Chefredakteur er lange gewesen ist, im österreichischen Nachrichtenmagazin <a href="www.profil.at<, in dem er eine wöchentliche Auto-Kolumne besorgt, und im Frauenmagazin <a href="www.amica.de<, dem ein Chefredakteur vorsteht, der gute Texte zu schätzen weiss (ich sage das nicht, weil auch ich dort arbeite, sondern arbeite dort, weil ich das sagen kann....).
Unter den Verehrern, die einander kennerisch David Staretz' Namen zuraunen, gibt es sogar meinesgleichen: Leute, die noch nie einen Führerschein besessen haben und denen alles Automobilistische gestohlen bleiben kann - bis auf die automobilistischen Texte eines David Staretz. Man kann in ihnen sehen, wie Liebe sein sollte: präzise, überschüssig, großzügig, endlos, von großem Ernst erfüllt und dennoch anstrengungslos. Man möchte einmal ein Auto sein, das von David Staretz gefahren wird; oder ein Mensch, den er liebt. Obwohl man so eine Liebe gewiss nicht verdient hätte.
Damit sich die Leser des Sofa Bloggers eine erste Vorstellung machen können, folgt nun ein Ausschnitt aus dem Profil-Autodrom der vergangenen Woche. Es geht darin um seinen Landrover.
"Das eigentliche Wesen dieses Wagens gründet viel tiefer. Wie beim Kapitän, der hin und wieder in seiner Geheimkladde nachliest, wo nichts als "Backbord=links. Steuerbord=rechts" steht, so beruht alles, wonach ich jegliche Autos seit zwanzig Jahren teste und beurteile, auf diesem Referenzauto. Mit dem Landrover stimme ich mich monatlich auf den Kammerton na ja der Testberichterstattung ein. Ja, dieser Grundton ist tief gestimmt. Er erklärt meine Großzügigkeit gegenüber den Versäumnissen modernen Automobilbaus und meine peinlich unterwürfige Bewunderung niedriger Verbrauchs- und Abgaswerte. Andererseits wird jetzt klar, warum ich mit ästhetisch hochgespannten Karosserien ganz schlecht zurechtkomme. Kotspritzer auf einem Audi A4: ein Reparaturfall. Eine Beule im Kotflügel eines Renault Mégane: Totalschaden. Im Gegensatz dazu profitiert ein Landrover von jeglicher Kaltverformung im Aluminiumblech. Jede Schramme macht ihn dank härtender Molekülverschiebung widerstandsfähiger. Genau genommen ist er schon so sehr zur Natur zurückgekehrt, dass sie ihn als ihresgleichen erkennt und mit ihren Gaben belohnt. Wie wesentlich Graspflaster, Lehmkitt und Schlammpackungen zur Fugendichtung, Lärmdämmung und Schraubensicherung beitragen können, brauche ich nicht sonderlich zu betonen. Moos in der Schiebefensterführung gleitet und dichtet zugleich. Die versifften Zündkabel schmecken den Mardern offenbar zu gewöhnlich. Der unterm Sitz vergessene Reithelm meiner Tochter half einer ganzen Mäusegeneration über den Winter; was sie mit der Styroporfüllung gemacht haben, weiß ich nicht."
Schöne, schon ein wenig ältere Geschichte aus dem Heft 3/1999 des hochverehrten "Atlantic Monthly", verfasst von Harvey Cox, a professor of divinity at Harvard University, ein Beruf, um den ich den Mann mit einer Inbrunst beneide, die vermutlich nicht zu meinen Gunsten spricht. The Market as God:
"(...)Omniscience is a little harder to gauge than omnipotence. Maybe The Market has already achieved it but is unable -- temporarily -- to apply its gnosis until its Kingdom and Power come in their fullness. Nonetheless, current thinking already assigns to The Market a comprehensive wisdom that in the past only the gods have known. The Market, we are taught, is able to determine what human needs are, what copper and capital should cost, how much barbers and CEOs should be paid, and how much jet planes, running shoes, and hysterectomies should sell for. But how do we know The Market's will? (...)"
- <a href="www.spiegel.de"">Wenn wir nur könnten, wie wir wollten:
"Wir haben auch Rasierte dabei", prahlt Jörg Hoppe von der TV-Firma MME, die unter anderem "Girlscamp" produziert. "Die dürfen wir nur nicht zeigen."
2. <a href="www.grimme-institut.de"">Willst du mal meinen Grimme-Preis sehen?"Und schließlich eine Doppelauszeichnung der unterhaltsamen ARD-Serie ,,POP 2000" (WDR/BR/HR/MDR/NDR/SFB/SR/RB, MME). Für die Idee und Produktion wird Jörg Hoppe, für die koordinierende Gesamtredaktion zwischen den beteiligten ARD-Anstalten wird Rolf Bringmann ausgezeichnet."
3. <a href="www.germanrock.de"">Jeder hat mal klein angefangen:"Rava brachte Horst Werner Wiegand als Sänger mit. Wiegand war eigentlich eher Songschreiber und Sänger und ist bis dahin immer allein aufgetreten. In dieser Besetzung probte man in einer alten Hagener Fabrik. Wiegand hatte durch seine Psychogruppe Kontakte zu der WG, in der Jörg Hoppe lebte. Dieser organisierte Kino- und Konzertabende auf einem eher alternativen Level. Er interessierte sich für die Band und buchte sie für zwei Gigs von Django Edwards als Vorgruppe. Schon damals sang die Band deutsch, was in jener Zeit noch eine große Ausnahme war. Es folgten einige spektakuläre Auftritte in der Umgebung Hagens, bei denen dann auch schon mal Gitarren in Ritchie Blackmore -Manier zerdeppert bzw. sonstiges Inventar zerstört wurde.(...) Stefan hatte ein Tape gehört auf dem Kai und Horst gemeinsam sangen und fragte ihn ob er nicht als Sänger einsteigen wolle. Auf dem Konzert sagte Stefan dann Kai als neuen Sänger an: "Hier ist Kai Havaii, die Stimme aus Übersee". Der Name blieb, und in Kai hatte man den Extrabreit-Sänger überhaupt gefunden. Jörg A. Hoppe (heute Chef der TV-Produktionsfirma MME) übernahm ab jenem Zeitpunkt auch prompt das Management und war fortan so etwas wie der sechste Mann an Bord. "
4. <a href="www.rtl2.de"">Knisternde Naddel:peep! Topnews -Nadja Ab del Farrag ("Naddel") übernimmt ab 05. September die peep!-Moderation (...) Auch der Geschäftsführer der peep!-Produktionsfirma MME, Jörg Hoppe, schwärmt: "Der Faszination einer so reizenden und erotischen Frau wie Nadja Ab del Farrag kann sich niemand entziehen. Sie verkörpert all das, was peep! zu einer knisternden Sendung macht und weiterhin die Nummer 1 bleiben lässt."
5. Ein Sohn der Stadt Hagen:"Jörg A. Hoppe wurde 1952 geboren und gilt heute als einer "der" Medienmacher im TV. Schon als Student fühlte sich Hoppe von der Kunst angezogen. Er fuhr des öfteren aus Hagen extra nach Berlin, weil es dort das erste Programmkino Deutschlands gab. Ob dieser Anregung mietete er ein Kino in Hagen und arrangierte mit den Filmen aus Berlin Vorführungen. Im gemieteten Kino wurden bald auch Konzerte veranstaltet. Hagen hatte nach seiner Auffassung derzeit ein "musikalisches Klima". Nena war hier noch bevor sie weltweit bekannt wurde vertreten, Anette Humpe sang in der Band "Ideal" und die Band "Extrabreit" spielte dort, dessen Manager er später wurde. Hoppe betrieb ausserdem in Hagen das Label "Tonträger 58" ("Alles aus Hagen") , das heimischen Talenten eine Plattform bot (u.a. erste VÖs von Phillip Boa). Hoppe verlagerte seine Interessen vom Kino immer mehr zur Popmusik und zum TV und ging schließlich nach Berlin. Dort produzierte er eine monatliche Musiksendung für ein Pilotprojekt des Privatfernsehens Berlin, in der Nina Hagen moderierte. Schließlich ging er nach München, wo er die Leitung des musikalischen Progamms für den TV-Sender Musikbox und später Tele 5, übernahm. 1991 gründete er mit Christoph Post und Marcus Rosenmüller die Film- und Fernsehproduktionsgesellschaft "MME, Me, Myself&Eye", die heute das wahrscheinlich grösste Video-Popmusikarchiv Europas besitzt. Schon kurze Zeit später wurde die erste MME-Produktion, das Magazin "P.O.P.", mit dem "International Visual Music Award" als bestes Jugendmagazin im Fernsehen auf der Midem in Cannes ausgezeichnet. 1992 nahm Hoppe Hamburg ins Visier, wo inzwischen die Zentrale ist. Eine Dependance in München blieb, sowie Redaktionsbüros in Köln und Los Angeles. In Hamburg entdeckte er auch Wigald Boning und Olli Dittrich und betreute deren erste TV-Performance "Airplay" für premiere. Auch Verona Feldbusch zählt zu seinen Entdeckungen. 1993 initiierte und konzipierte MME den Musikkanal "Viva". 1993/94 sorgte die Produktionsfirma mit der Medienshow "Canale Grande" (VOX) für enormes Aufsehen (zahlreiche TV-Auszeichnungen)und zur gleichen Zeit begann auch die Produktion "Bravo TV", das erfolgreichste Jugendmagazin im deutschen Fernsehen. 1995 beteiligte sich der Heinrich-Bauer-Verlag an MME und inzwischen geht es so gut, dass auch noch die Kino-Filmproduktion in Angriff genommen wurde. I999/2000 produzierte MME die 12teiligen Reihe "POP 2000 - 50 Jahre Popmusik und Jugendkultur in Deutschland", eine Koproduktion mit allen dritten Programmen der ARD . "POP 2000" erhielt gleich zwei der begehrten Adolf Grimme Preise; der Adolf Grimme Preis 2000 für die Produktion und Idee ging an Jörg A. Hoppe. MME ist mittlerweile mit Formaten wie TOP OF THE POPS (RTL), BRAVO TV, THE DOME (RTL 2) , Hast Du Töne (VOX) , VH-1 etc. und den Musikportalen eyedoo.com und shownet.de Marktführer im Segment Jugend/Musik. Seit August ist MME AG und plant den Börsengang."
Wenn ich Zeit hätte, würde ich mich daran machen, eine Ehrenrettung der Pokemons zu verfassen. Gestern jedenfalls, als ich in <a href="p2kmovie.warnerbros.com"">Pokemons 2: Die Macht des Einzelnen saß - inmitten lauter Kinder, die kennerisch Pokemon-Namen um Pokemon-Namen hinausjubelten, wie es sonst wahrscheinlich nur Botaniker bei Spaziergängen tun (die tiefe Befriedigung, die man empfindet, wenn man <a href="linnaeus.nrm.se"">Nomenklaturen beherrscht) - hatte ich mit einem Male lauter faszinierende déjà vus: Das war eine full blown cosmology, die uns da vorgeführt wurde, Homer und vorsokratische Philosophie in einem. Blitz, Wasser, Feuer als Grund und Maschine alles Seins, eine Welt mythischer Schuld und Pflichten, ein Personal, dessen Mitglieder ihre präzisen Funktionen und Wirkungen hatten, usw. Sehr merkwürdig dachte ich: kann es sein, dass Fünfjährige in einer homerischen Welt leben, und wir kriegen es nicht mit, weil wir sie als Kinderkram abtun?
Weiss auch nicht, ob man den Kollegen vom Spiegel so viel Genialität zutrauen soll. Jedenfalls sind die Anführungszeichen auf dem Cover der aktuellen Ausgabe das Genialste, was ihnen seit Monaten eingefallen ist.
Fundstück aus der <a href="www.netzeitung.de"">Netzzeitung. Titel: Grillwalker. Was ein Grillwalker ist, wird nirgendwo erklärt. Ich liebe solche Stücke ja mit ihren durchgeknallten non sequiturs.
"Die mobilen Würstchenbuden, die man an viel besuchten Plätzen der Stadt antrifft, sind Symbol dieser Fleischwerdung des Menschen. Sie bestehen aus einem Verkäufer, der auf einem Bauchladen Würstchen grillt. Braten, Verkaufen, Anpreisen sind ein Akt - und der Verkäufer wird selbst zur Wurst. Er steht unter einem Sonnenschirm, vor sich hat er bis auf Augenhöhe eine Plexiglasscheibe. Die Hitze und der Geruch dahinter müssen gewaltig sein. Und die Kundschaft verzehrt ihre Mahlzeit wahrhaftig im Schweiße seines Angesichts."Und:
"Die traurige Erwartung, die uns eher betrifft, ist eine andere. Erkrankt jemand in der Familie an Creuzfeldt-Jakob, wird man zwar nicht den Bolzenschießer bemühen, aber man kann sich weitere detektivische Arbeit sparen."
Da war er wieder, unerbeten und unerheblich und ganz sicher auch peinlich, ich weiss gar nicht warum, da war dieser Ekel wieder da. Ich habe bloß den Stern gelesen und danach Max, oder umgekehrt, so wie ich alles lese, ich muss ja, ich muss alles lesen, das ist mein Job, und ausserdem dürste ich danach, hassen zu können, Tag für Tag. Es geht nicht anders, es ist ja auch egal, so wie alles egal ist, man kann da gar nichts machen, ausser es sich einzugestehen, und ich weiß es ja auch schon längst, wie egal alles ist, also besteht kein Grund für Ekel, aber plötzlich war er wieder da, und das einzig Gute daran war, dass dieser Ekel mir wenigstens bewies, dass ich doch nicht nur eine Fleischmaschine bin, wie Viktor Tesla, Erfinder der Teslaturbine und der Fernbedienung, dessen wundersame Biographie ich gerade lese, wie Viktor Tesla also die Menschen nennt; als ich auf die Stelle stieß, musste ich noch lachen, so wie ich immer über gelungene Sarkasmen lachen muss, habituell sozusagen; jetzt nicht mehr: wann hätte man je gehört, dass eine Maschine, und sei sie auch aus Fleisch gemacht, des Ekels fähig wäre...
Erlöst uns das? Nein, es erlöst uns nicht. Man wäre lieber eine Fleischmaschine als diesen Ekel zu haben, den man nicht mehr los wird, manchmal zieht er sich zurück, man hielte es anders gar nicht aus, aber das sind nur Konzessionen, die er macht.
Der Ekel also. Diesmal meldete er sich wegen der 68er, des GirlCamps und weil das Rabattgesetz zu Ende geht. Im Stern, im Max: zwei 68er Geschichten, jede Menge Ratschläge, wie man den Scheiss, den man kaufen will, um ein paar Pfennige billiger bekommt, und während ich das las, lief GirlCamp - denn wenn ich mich quäle, dann richtig, ich weiss auch nicht, was das ist mit mir.
Und da waren sie alle, die großen Brüder und die großen Schwestern, wenn ich große Brüder und große Schwestern hätte, wären sie 68er gewesen, vom Alter her. Und nun erzählten sie, was sie damals gemacht hatten und was sie heute machen, und dass man damals eben so war und dass sie heute eben so sind, und dass sie nichts zu bereuen haben, und dass die Zeiten andere waren und heute tragen wir Pelz, heute ist das anders und, non, je ne regrette rien.
Man hört solche Geschichten in einem Leben hunderte Male, und hunderte Male denkt man sich nichts dabei, und man erzählt solche Geschichten ja unaufhörlich selbst, und was ist schon dabei? Aber diesmal konnte ich nicht drüber hinweg lesen und es gleich wieder vergessen, wie ich es sonst tue, meine Güte, irgendwie muss man ja eine Zeitschrift füllen, und es macht sich immer gut, wenn sich Leute erinnern und dann ist ja doch was aus ihnen geworden, immerhin haben sie Biographien, wenigstens ein wenig.
Diesmal gelang mir das nicht, und weil es mir nicht gelang, kam der Ekel, dieser dumme Ekel, den man lieber nicht hätte, no fun at all. Wieso Ekel? Ich weiss es, natürlich weiss ich es, aber es zu sagen, ist etwas anderes - sagen heisst argumentieren, der Ekel argumentiert aber nicht, er überschwemmt einen bloß.
Der Ekel hat damit zu tun, dass das alles jetzt bloß eine Anekdote ist, eine Geschichte, eine nette kleine Trophäe in der Biographie, ein kleines Lächeln beim Erzählen, wie man sich an einen netten One-Night-Stand erinnert, schon toll, wie man mal gewesen ist, was man so alles erlebt hat. Es ist Verrat, könnte man also sagen, wenn man pathetisch wäre, und natürlich empfindet man den Ekel nur, wenn man zu Pathos neigt, wie ich, und ich weiss, dass ich es längst besser wissen müsste, und ich weiss es ja auch längst besser. Verrat also. Jetzt tun die großen Brüder und die großen Schwestern so, als hätten sie bloß ein paar Streiche begangen, und komm, wir haben doch längst gelernt draus, jeder macht so ein paar Streiche, was soll's, und irgendwann füllen wir die Zeitschriften, und zwar alle davon, und alle in derselben Woche, mit unseren lustigen Streichen aus unserer wilden Zeit, und schon wieder ist etwas verraten und verramscht und verkauft. Sehr naiv, das Verrat zu nennen, muss ich schon sagen. Ja, genau, naiv, richtig, gut erkannt. Und genau an dieser Stelle müsste ich alles bis zu dieser Stelle markieren und dann die Löschtaste drücken und schön wäre alles wieder weg und niemand würde wissen wie naiv und wie peinlich ich bin. Nein, es soll stehen bleiben.
1968, 1977, GirlsCamp, Rabattgesetz. Es ist alles nur ein und dasselbe: Zeug, das in Zeitungen steht, Fernsehsendungen, Spektakel, Gefasel, Geschwätz. Manchmal hält man das nicht mehr aus.
Als ob es wichtig wäre, dass man das aushält. Als ob es wichtig wäre, zu sagen, dass man das nicht aushält. Es ist eigentlich völlig egal, ob man es aushält oder nicht. Es ist überhaupt nicht wichtig, wichtig ist, dass es weitergeht, wie es immer weitergegangen ist, immer bloß weiter. Das ist der Grund für den Ekel, natürlich, dieses Immerwiederweitergehen, aber das ist natürlich so lächerlich, so hirnverbrannt, als ob man das nicht wüsste, und natürlich weiss man es auch. Es gibt kein Problem. Die Welt geht weiter. Daran ist nichts überraschend. Man muss sich nicht wundern, dass 20, 30, 40 Jahre danach alles nur Anekdote ist, Füllstoff, Erinnerungslächeln, wir waren ja alle jung, wir werden selbst so sein, also gib Ruhe mit deinem blöden dummen kindischen Ekel.
Was können die 68er und die 77er dafür, dass es das GirlsCamp gibt und dass die Leute sich den Kopf darüber zerbrechen sollen, wie sie ab Juli überall ein paar Kreuzer herausholen beim Kaufen. Nichts können sie dafür, nichts, gar nichts. Und wenn dich das nicht interessiert, dann guck doch nicht hin und lies halt ein gutes Buch und niemand zwingt dich dazu, dir das anzutun, schalt halt aus, geh schlafen, schlaf mit deiner Frau, es zwingt dich doch keiner dazu.
Stimmt alles. Nur dass der Ekel das nicht so sieht. Der Ekel sagt: im GirlCamp, das der SpringerVerlag eingerichtet hat, im GirlCamp also sitzen zehn Frauen, deren Job es ist, rumzusitzen und manchmal im Swimmingpool zu schwimmen und manchmal zu duschen, aber bitte so, dass man ihre Titten sieht, und natürlich sollen sie miteinander reden und sich dann nicht vertragen, und dann sollen sie sich streiten, und zwischendurch sollen sie Aerobic machen und einander Aerobic-Befehle erteilen, eins zwei drei, und wenn sie am Pool liegen, sollen sie Stringtangas tragen, damit sich jeder denkt, wie schön es doch wäre, wenn der Stringtanga nicht da wäre und man statt des Stringtangabändchens gleich die Möse sehen könnte, und vergesst ja nicht das Mikrophon, und einmal die Woche kommt ein Typ zu diesen Mädchen, und ihr habt ja alle beim Casting gesagt, dass wenn es der Richtige ist, ihr vielleicht auch mit dem ins Bett geht, und wer weiss.
Das ungefähr ist die Vorstellung, die der SpringerVerlag 2001 von Frauen hat, und wahrscheinlich hat er sogar recht damit, denn es gibt natürlich hunderte und aberhunderte Frauen, die sich für diesen Job beworben haben, denn was kann ein Mädchen heutzutage anderes tun, als genau das. Und meine Güte, vielleicht komme ich groß raus und dann bin ich Popstar oder wenigstens in den Charts, und vielleicht reicht es ja, dass ich einen besseren Job bekomme als den Scheissjob, den ich jetzt habe, und falls nicht, dann habe ich wenigstens eine Erfahrung, und ehrlich gesagt, man kann ja keine Erfahrungen mehr machen. Das sagen sie natürlich nicht, weil sie zu blöde sind, um so etwas zu erkennen, aber wenn sie nicht so blöde wären, wüssten sie: dass das GirlsCamp von all den Erfahrungen, die man als Frau 2001 machen kann, vermutlich sogar noch eine der spannenderen ist. So ungefähr.
Man sieht das alles und man müsste es gar nicht sehen, man könnte es auch lassen, aber gestern konnte ich es nicht, gestern sah ich hin und ließ mich vom Ekel überfluten. Und all den Ekelfragen: Was das kostet. Wer sich das ausgedacht hat. Wieviele daran arbeiten. Wie sie das jetzt zu retten versuchen, weil es doch nicht so geil ist, wie man das den Menschen versprochen hat. Wie alle darüber schreiben, die einen so, die anderen so. Und ich natürlich auch, weiss ich ja.
Und schon wieder haben wir eine Sekunde, Minute, Stunde weniger, in der wir auf die Idee kommen könnten, dass die Welt nicht so sein müsste. Und immer wird es so weitergehen. Und sie werden Popstars werden oder nicht, sie werden nackt duschen oder nicht, sie werden irgendwann mit einem von den Typen, die da reinkommen ficken oder nicht, sie werden in die Talkshow kommen oder nicht, der Spiegel wird es verurteilen, Reinhard Mohr wird darüber schreiben, der Stern wird eine Titelgeschichte bringen, und auf Max Online stehen die schärfsten Fotos von den Girls, und ich werde mich ekeln und morgen wieder nicht mehr.
Genau so wird es sein oder nicht, und es wird egal sein, es wird alles wie immer egal sein, und das ist das einzig Entscheidende daran.
Die Erde wird nicht erzittern, niemand wird Angst haben müssen, nichts wird sich verändern, alles wird immer so sein, wie es immer schon war.
Und wenn es jetzt Leute gäbe, die auf die bescheuerte Idee kämen, man, die Welt, das Leben müssten sich nicht mit Girlscamps und Rabatten begnügen, und wenn diese Leute sich nicht nur mit dieser Idee begnügten, sondern auch dafür kämpften und Krieg führten - denn es steht fest, dass man das alles nur mit einem anständigen Krieg wegbekäme, nur mit einem Aufstand, und keinesfalls mit Umkehr, Neuem Denken und all dem Scheiss, den man den Machtlosen verschreibt, damit sie an der Macht zwar verzweifeln, sie aber nicht abschaffen -, wenn es diese Leute also gäbe, (und ich wünschte, es gäbe sie, denn wenn es sie gäbe, würde ich wissen, was ich tun könnte anstatt pathetisch und naiv und lächerlich zu sein), wenn es diese Leute also gäbe: würden sie doch nur verlieren. Und sie wären auch bloß nur Nachrichtenmaterial und Titelgeschichtenstoff und Talkshowgäste, und in 20 Jahren würden sie erzählen, wie sie 2001 auf die Idee kamen, die Erde zum Zittern zu bringen, und man müsste das aus der damaligen Zeit verstehen, aber dann hätten sie doch eingesehen, dass der Aufstand die falsche Strategie wäre.
Und alles wäre wie immer dasselbe. Das habe ich gestern begriffen. Man könnte auch sagen: Diese Welt ist es nicht wert, Revolutionär zu sein. Deswegen habe ich mich geekelt. Nicht zuletzt auch vor mir.
Dieser <a href="rtfm.digital.hdk-berlin.de"">Link, provided by Zirbel, macht uns endlich zu den arschcoolen Musikern, die wir viel lieber wären als doofe HTML-Tag-Nerds. Endlich wird es Source Code Hits geben, endlich werden wir Groupies haben, endlich. Danke. Das Leben hat wieder einen Sinn.
Hier hat jemand die Sprache von Atlantis rekonstruiert, "Aid = ingret, aim = ratem, air = ergot, aircraft = libente, airfield = gotalat, airiness = masimes, air-pump = marnipest, aisle = parepal" und Eintrag für Eintrag so weiter.- Nur wenig im Netz macht mir solches Vergnügen wie die unzähligen Websites mit den constructed languages. Ich versuche, mir die Menschen vorzustellen, die eines Tages den Drang verspüren, sich eine Sprache auszudenken, die ausser ihnen keiner spricht - wenn man sich doch viel bequemer aus der Kommunikation katapultieren könnte, indem man einfach schwiege.
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