Dreißig Minuten "Wetten, das" gesehen. Was sich die DNS so alles ausdenken kann, und das dann alles auf einem einzigen Zellhaufen.
Die Stefan-George-Schrift mit Hochkomma, für 25 € beim Institut für Textkritik.
Wenn hier die Uploads sich verzögern, due to heavy traffic, und ich mir vor meinem Computer denke: "haut doch ab, ihr anderen, jetzt bin ich dran", dann werde ich mir sofort noch ein wenig unsympathischer.
Lassen Sie sich bloß nicht verwirren: Ich archiviere gerade sehr alte Beiträge. Die recently-modified-Liste rechts unten gibt aber statt des Entstehungsdatums der Beiträge den jeweiligen update-Zeitpunkt an und gaukelt falsche Aktualität vor.
Ach kommt, bloß weil ein US-Verteidigungsminister sagt, Frankreich und Deutschland und das Alte Europa wären ein Problem, müsst ihr doch jetzt nicht alle in diese Paneuropa-Beleidigtheit ausbrechen. Rumsfeld hat doch nur gesagt, was man längst wissen könnte: dass die EU ein alternatives imperialistisches Projekt ist. Was sollte daran verwunderlich sein, dass in der Konkurrenz der Nationen jede der anderen ein Hindernis ist, das man nicht leiden kann?
Dann war ich auf dieser Messe. Man muss etwas tun auch wenn es nichts zu tun gibt. Schon um sich nicht aufzugeben und den Schein geregelter Aktivität zu wahren. Wollte frohgemut mit Menschen sprechen, vielleicht mein Kärtchen dalassen, mich ein wenig trollen und die Lage sondieren. Aussteller und ein paar Studentinnen in zu engen push-ups drückten sich gegenseitig Flyer in die Hand. An der nächsten Budenkreuzung in den Müll. Wir bringen Sie ins Internet. Danke. Wir machen Ihr Direct Marketing. Das ist schön. Am Stand des Arbeitsamtes aßen zwei Zombies mit insgesamt gut einhundert Kilo Übergewicht Double-Choc Kekse aus dem Penny-Markt. Im VIP-Bereich gab es warmes Mittagessen. Nicht für mich. Kein VIP. Die Existenzgründungsberater gaben mir zwei Broschüren. Man solle doch einen persönlichen Termin vereinbaren. Gerne wenn ich weiss, was ich gründen will, jederzeit. Ich ging, als der Motivationstrainer im Vortragssaal etwas über Kommunikation und Selbstpräsentation erzählte und sich in seinem Straubinger Idiom mit hochdeutschen Lehnwörtern verhaspelte. Hörte ihn noch rufen "alles ist Kommunikation". Es begann zu regnen. In einem Silvesterglasscherben hauchte mein Hinterrad sein Leben aus. Ich beschloss, dass dies kein schlechter Tag werden dürfe und kaufte einen neuen Schlauch. Der alte wäre zu flicken gewesen.
"Lock the door", she said. He set the bags down and locked the door. He had never been in a drawing room before and he fumbled at the lock for an appreciable time. When he turned she had removed her dress: it lay in a wadded circle about her feet and she stood in the scant feminine underwear of 1937, her hands over her face. Then she removed her hands and he knew it was neither shame nor modesty, he had not expected that, and he saw it was not tears. Then she stepped out of the dress and came and began to unknot his tie, pushing aside his own suddenly clumsy fingers.
Der letzte Absatz des dritten Kapitels von Faulkners "Wild Palms": Ich habe die Passage in den letzten 12 Jahren sicher achtmal, zehnmal gelesen und immer noch keine Ahnung, warum ich sie für so perfekt halte. Sobald ich sie mir nämlich zu erklären versuche, stößt mir an ihr ein ums andere auf. Die Doubletten, die er um der Effekte willen setzt. Lock the door ... and he locked the door. Her hands over her face ... Then she removed her hands. Was für ein oller Trick. Dieser Kolportage-Beat, der einem da auf den Körper gejagt wird. Die "and"-Anschlüsse, die fast wie Schläge kommen. Die Fehler in der Beschreibung: Wenn der Held sich schon mit dem Schloss schwer tut, dann sind seine Finger ein paar Sätze weiter eben nicht suddenly clumsy. Und wenn er weder shame noch modesty erwartet hat, wie soll er dann wissen, dass dem Gesicht der Heldin beides nicht zu ablesen ist. Am merkwürdigsten ist die Wendung von der "Unterwäsche von 1937". Diese Eigenheit von Faulkner, alle Viertelsätze die Erzählperspektive zu wechseln, von der Innensicht seiner Figuren zur Außensicht und wieder retour. Und das dann stehen zu lassen. Ich bilde mir ein, der Text würde sofort schlecht werden, wenn er es nicht stehen ließe. Das "1937" zum Beispiel kann man nicht wegnehmen, etwa indem man es durch eine Wahrnehmung des Helden ersetzt - der, das weiß der Leser des Romans an dieser Stelle, die Lebenserfahrung nicht hat, Unterwäsche historisch wahrnehmen zu können.
Ohnehin eine fixe Idee von mir: dass in den wirklich großen Texten lauter Fehler stecken, wie Fremdkörper mitgeschliffen werden. Und die Größe eines Textes darin besteht, dass er über diesen Fremdkörpern Narben bildet. Einer, der wirklich schreiben kann, wäre demzufolge einer, der die Fehler stehenlässt. Oder die richtigen Fehler macht. Falten, Narben, so etwas in der Art.
Der Fond documentaire Roland Barthes (französisch & englisch) hat sich vorgenommen, alle Vorlesungen von Barthes am Collège de France zu dokumentieren - mit Transkriptionen, Sprach-Aufnahmen und erhaltenen Notizen B's. Für ganz normale internautes sind allerdings nur (nicht uninteressante) Auszüge zugänglich, wie man allerdings Subskribent wird, verrät die Website nicht oder ich habe es übersehen. Vielleicht ja durch Ernennung.
Nebenbei: Sampling Roland Barthes' Voice.
insects are all around us ist jetzt communists like us
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