Dienstag, 9. März 2004

Am Sonntag zuerst Jean Renoirs "Bestie Mensch" von 1938 und gleich danach zwanzig Minuten aus der neuen Staffel von "Big Brother" gesehen. Jaques, der, ohne Anlauf zu nehmen, zu Simone sagte: "Verlassen Sie Ihren Mann, gehen Sie doch mit mir weg. Denn ich liebe Sie." - Simone: "Sie lieben mich?" - Jaques: "Ja." - Simone: "Das dürfen Sie nicht, denn ich liebe Sie nicht, ich kann Sie nicht wiederlieben, ich hatte eine grauenhafte Kindheit, ich bin verdorben für die Liebe. Ich suche Kameradschaft und Zärtlichkeit, beides könnte ich auch wiedergeben, aber nicht Liebe." (Später wird sie es dennoch tun, ebenso anlauflos, "ich liebe Sie, Jaques" sagen, von ihm wollen, dass er ihren Mann tötet, der seinerseits jemanden tötete und sie den Mord ansehen hat lassen, er aber, Jaques, tötet nicht ihren Mann, sondern sie, die Frau, die er liebt, um sich dann, bei voller Geschwindigkeit, von seiner Lokomotive, in den Tod zu stürzen; aber das ist eine ganz andere Geschichte, über die man auch einmal zu reden hätte: die erzwungenen Zeugenschaften der Frauen bei den Gewalttaten der Männer). - Bei "Big Brother" saßen ein Mann und eine Frau, Kapuzenjacken, heruntergedimmte Stimmen, im Vorgarten. "Ich will dich", sagte der Mann. Sie: "Du meinst sexuell?" Nein, sagte er, so hätte er es nicht gemeint, und dann noch einmal: "Ich will dich." Die Frau sagte irgendetwas, an das ich mich nicht mehr erinnern kann, darauf wieder er: "Ich weiß nicht, ob ich mich in dich verlieben könnte. Aber ich will dich." - Lange habe ich danach noch nachgedacht über die Zeitenfolgen und die Hierarchien der Gefühle und Geständnisse. Dass man immer noch nicht weiß und wahrscheinlich nie wissen wird, wie man es in diesen Schachpartien halten soll, in denen man Züge nicht nur gegeneinander, sondern auch gegen sich selbst führt. Zuerst die Liebe gestehen, um sich ihr dann hinterherwerfen? Oder schweigen und heimlich lieben, in der Hoffnung, es werde irgendwann einmal erwidert, und man könnte dann, vorausgesetzt, man verstünde die Zeichen der Erwiderung, die Liebe als ein fait accompli behandeln, zu dem der Eigenname "Liebe" nur noch eine Zutat, wie Zierat ist. Das Bestürzende, das dem Nominalismus innewohnt: Man muss etwas nur taufen, schon lehnt sich alles an den Eigennamen an. "Denn ich liebe Sie": wie eine Stimme, ein Körper, ein Reden, ein Spazierengehen, ein Tempo plötzlich ganz anders werden können, bloß weil einer ein bestimmtes Wort gebraucht hat ("jetzt sehe ich alles mit anderen Augen"). Und, umgekehrt, was alles nicht geschieht & doch geschehen könnte, bloß weil einer diesen einen Satz nicht gesagt hat, sondern erst noch abwarten wollte. Akte, die in einer Versicherung bestehen, von der jeder schon weiß, dass sie nichts versichert. Wie so ein lächerliches Bekenntnis (denn was ist schon dabei, "ich liebe dich" zu sagen, drei Wörter, kaum der Rede wert), sofort neue Konstellationen schafft. Allesverwandlerwörter. Man müsste über das alles einmal schreiben, erzählen, die Leute befragen, aber man bekommt es ja nicht einmal aus sich selbst heraus, so, wie man sich immer vor sich selbst verschanzt.

Ich glaube, ich habe, wieder mal, nicht rüberbekommen, was ich sagen mochte.

(Die Geschichten, die ich mir ausdenke manchmal. Wie es wäre, aufs Geratewohl zu Unbekannten "denn ich liebe Sie" zu sagen ["bin ich gemeint?"; "wer denn sonst?"; '"aber Sie kennen mich gar nicht"; "sei's drum"]. Wie es wäre, neben anderen zu leben, aufzustehen, einzuschlafen. Wie man sich, nennte man es bloß für sich selbst Liebe, an all das gewöhnen könnte, ergeben. Die Rasereien des Benennens, das Einrasten der Gefühle in die von den Benennungen bereitgestellten{wie heißt das bloß, in das etwas einrastet; zu faul, das "Duden Bildwörterbuch" und "Wie funktioniert das?" zu konsultieren}. Jähe Erinnerung an die eine Online-Affäre, in die ich vor Jahren guten Gewissens (denn sie war doch "nicht echt") getaumelt war: als sie mich plötzlich anrief und mich, gleich als allererstes fragte: ob ich denn gute Zähne hätte. Schließlich noch, gegen Abend, die Empfindung von Ausweglosigkeit bei der Passage, in der Proust Marcels Großmutter mit den Worten beschreibt, auf ihren malvenfarbenen Wangen oder ihrem Schleier [je nachdem, wie man die Stelle liest], wäre "immer eine unbewußte Träne gerade im Trocknen begriffen". "Was ist das Grausame an Proust?" wollte M. gestern wissen, als ich ihr, wieder einmal, zu erklären versuchte, dass er genau für Sie geschrieben hätte, das müsste genau dir gefallen, hatte ich gesagt [wie Paare immer einander anstiften wollen, auch die Bestürzungen zu teilen, als hätte man Furcht, plötzlich wieder alleine zu sein, falls man nicht alles teilte]. "Je empfindsamer einer ist, desto grausamer beschreibt er natürlich die Welt; nur uns, mit unserer Elefantenhaut, aus Selbstschutz, aus Nachlässigkeit, fällt das nie auf...'")

Völlig vergeigt, dieser Eintrag.





Montag, 8. März 2004

"top-pocket relationship"





Not right away, but increasingly, Freud could be referred to only by work, not by name or specific recognizable terms, and more as work of therapy than as that of theory. But while Freud's books were the toast of the 1933 book warmings, at the institute the same works were available to members right to the finish line. Freud's portrait, however, was removed in 1938 from the spot it was in across the hall from the Hitler portrait, which then stared on out into space without other until 1945.

Nazi Psychoanalysis





todd hido





sachlich





"je suis un homme pour qui le monde visible existe."





Mit 74 Watt Sinusleistung schafft das Creative Inspire T5400 eine realistische und beeindruckende Klangatmosphäre für Musil, Spiele und Filme.

auch verschreibungen sind manchmal ausdruck von genialität.





Bei Centrededoc: 671 PDF-Dokumente zu (vor allem) Filmklassikern & Independents, jeweils mit Synopsis, filmhistorischer Bedeutung des Films, Filmografie, Biografie des Regisseurs. Schöne kleine Basisbibliothek. (Sprache: französisch)





Sonntag, 7. März 2004




Samstag, 6. März 2004

"abseits ist mir scheißegal." (ailton)





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