Without question, the craziest aspect of the Holly-Valens-Bopper death memorial is that nobody could ever find it by accident; it's just a tiny metal cross in the middle of deep nothingness, decorated with Bud Light beer cans and empty cigarette lighters and somebody's Blockbuster card. It's sort of like getting to the summit of K2 and realising it's littered with dozens of empty oxygen tanks. I stand in front of the metal cross for maybe 10 minutes (probably nine minutes more than necessary), and then I walk the half-mile back to the Ford.
guardian > chuck klosterman: the day the music died ("Chuck Klosterman drove for 6,557 miles touring America's most famous rock'n'roll death sites")




gestern nachts ist mir zum ersten mal aufgefallen, dass raymond carver tatsächlich carver heißt





halberhahn.





unangenehm, zu bemerken, wie pingelig, wie vermessen, wie kleinlich man geworden ist. the complete new yorker gekauft. jede einzelne seite jedes einzelnen new yorkers seit dem 21.februar 1925. für ein wenig mehr als 90 euro. 80 jahrgänge, komplett. in cold blood, eichmann in jerusalem, pauline kael, all die updikes. dieses glück. wenn mir jemand vor einem jahr gesagt hätte, ich könnte alle ausgaben des new yorker für 90 euro bekommen, hätte ich ganz sicher gedacht: irrtum, um zwei nullen verhört, 9000 kann ich mir leider nicht leisten, 900 hätte ich jederzeit ausgegeben und dabei "großartiges geschäft" gedacht. und jetzt? oh mann, sind ja bloß gescannte seiten. oh mann, kein copy and paste. oh mann, die haben bloß die seiten gescannt. wie erbärmlich man doch manchmal ist. also: der vollständige new yorker. beschämend günstig. was für ein schatz.





auch so ein merkwürdiges ritual: sich bei plazes zu verorten. als wollte ich mir sagen, ich hätte noch orte, an denen ich bin, statt immerzu nur passagen.

heute morgen um sechs: das gespräch mit der frühstückskellnerin im olympic, die mich diesmal mit namen begrüßt hatte, wissen wollte, ob das bett in nummer acht nicht viel zu klein sei für mich, "ich schlafe sowieso embryonal", "wenn ich überhaupt schlafen kann".

die anderen rollkoffermänner und ich.

"und wieder haben wir es nicht geschafft, miteinander auszugehen."

"du weißt, du bist immer willkommen."

der abend im running sushi: "ich weiß nicht, ob es das richtige leben ist." "ich weiß es doch auch nicht."

der satz auf platz eins meiner sätze-charts: "ich weiß es doch auch nicht."

ah, the nomadic lifestyle.

schalten sie jetzt bitte alle ihre elektronischen geräte aus.





"hat finger wie vinzenz murr"

[describe local produce]





painsong





was ich gerne hätte: pantone-fächer mit den typischen farbpaletten von städten. wie man sie an den farben erkennen kann, an ausbleichungen, verwaschenheiten.





brinkmanns briefe an hartmut gelesen, unangenehm, frauenpanik (die angst vor der frau in der deutschsprachigen literatur der 70er jahre)

wäre jetzt 65 einer von denen, die sich ein kissen aufs fensterbrett legen von oben kinder anblaffen falschparker aufschreiben frauen hinterherdenken, dass sie bhs tragen sollen, vielleicht wäre er auch kolumnist geworden (kulturkritik, sensibility vs industrialism) augenpolizist

selbststimulation durch wut und ärger, sagt m. im nachwort

genau, so wird das gewesen sein, wie er in der wohnung herumgetigert ist und auf ein gedicht kommen wollte und dachte ich stimulier mich mal durch wut & ärger

mein nachmittag damals mit m. (vor 17, 18 jahren, es gab westdeutschland noch), der ich geschrieben hatte dass ich gerne mit ihr reden würde weil es mich beschäftigt hatte dass sie den nachlass herausgab in dem er über sie herzog (auch sie vermutlich: titten.fotze.möse, part of the brinkmann style of NewSensibility) nach wochen eine antwort & ich nach köln schon nicht mehr wissend was ich gewollt hatte mit diesem brief so eine kleine wohnung, gardinen, darin sie die popdichterwitwe und ich der popdichterwitweninterviewer der keine ahnung mehr hatte, warum er sie sprechen hatte wollen kann mich kaum noch erinnern nur dass sie erzählte wie er robert dem sohn fellspielzeug gebastelt hatte

irgendwann ging sie ins nebenzimmer und holte manuskripte die Erkundungen für die Präzisierung des Gefühls für einen Aufstand aus denen wir abdrucken sollten (um interesse zu schaffen, der verlag ließ sich zeit, irgendeine zugzwang-strategie) meine aufgeregtheit einen fotokarton mit brinkmann-collagen zu haben & meine angst das zu verbaseln (dass mir im flugzeug jemand tomatensaft darüber schüttet, dass mir das gestohlen wird) & die illustriertenausrisse, die er auf die seiten geklebt hatte an den ecken der kleber schon nicht mehr klebend & später kam ein mann in die wohnung freund oder mann, jeansjacke, glaube ich, forsch, ob sie schon wieder über den dichter reden müsse, (in meiner erinnerung sagt er dichter, jedenfalls etwas abschätziges)

ich bin dann schnell gegangen, in die dämmerung hinein (als hätte ich sie bestellt)





Saal II. - Es ist kälter geworden, die Leute haben immer noch tapfer T-Shirts an, Trotz gegen das Sommerende. Sonntagnachmittag, die Zeit, in der wir in Cafés sitzen und der Samstagnacht hinterherdenken, in Freundschaftspaaren, manchmal sind es vier, Pulks sind es an Sonntagnachmittagen nie. Ich sitze draußen auf der Straße, als einziger, mir ist danach. Autos fahren vorbei, Fußgänger vorbei, alles geht weiter. Es gibt ein Frühstück Olli, ein Frühstück Nik, ein Frühstück Schorsch, ein Frühstück Schorsch Käse. Vielleicht sind es Liebhaber gewesen, denke ich, die jetzt anderer Leute Liebhaber sind, aber immer noch in wohliger Erinnerung, ich möchte auch einmal ein Frühstück werden, ohne Käse. Bald kommt der Herbst, dann kommt der Winter, dann zieht es sich noch monatelang hin, bis die Sonne wieder stabil und massiv ist, drei vier fünf Tage lang. Ich müsste in Spanien leben, es entspräche meinem Biorhythmus so viel mehr als Deutschland. Erst abends essen, hinterher ausgehen, in die Nacht hinein. Mein Traum wäre es, jemand würde mich dafür bezahlen, dass ich mein Leben aufschreibe, Tag für Tag, Nacht um Nacht, manchmal würde ich mich aufregender geben als ich bin, manchmal etwas verschweigen. Und immer noch finde ich es so erstaunlich, dass ein Satz wie "ich sitze auf der Straße vor dem Saal II und trinke Kaffee" jahrhundertelang herumleben kann, hat man ihn erst einmal aufgeschrieben. Die Buchstaben, eine Antiverflüchtigungsmaschine, man denkt zu selten darüber nach. Heute morgens wusste ich nicht mehr, in welchem Jahr der 11. September stattgefunden hat, 2000 oder 2001 oder 2003, ich musste warten, bis M. vom Rudern zurückgekommen war. Ich hab mir beim Kaffeetrinken und Frösteln ein Liebespaar vorgestellt, heute nacht, sie liegen im Bett und er hat seine Hand auf ihrem Bauch und plötzlich fällt ihr ein, dass der elfte September ist und er, der in jener Zeit seine Hand auf ihren Bauch gelegt hat, nicht mehr zurückkommen wird, nie mehr, tut mir leid, sagt sie, und er, der seine Hand jetzt auf ihren Bauch legt, sagt irgendetwas Freundliches, dass es okay ist oder dass sie sich nicht entschuldigen muss oder so etwas in der Art, und vielleicht gehen sie noch einmal hinaus und trinken etwas. Dass alles immerzu verschwinden muss, der Sommer, die Menschen, ich jetzt auch, Buchstaben, ach was.





Madam, said I, (she and the century were in their teens together,) all men are bores, except when we want them.
Oliver Wendell Holmes: The Autocrat of the Breakfast-Table. (Every man his own Boswell )




Gowing and Cummings had dropped in during the evening, and I suddenly remembered an extraordinary dream I had a few nights ago, and I thought I would tell them about it. I dreamt I saw some huge blocks of ice in a shop with a bright glare behind them. I walked into the shop and the heat was overpowering. I found that the blocks of ice were on fire. The whole thing was so real and yet so supernatural I woke up in a cold perspiration. Lupin in a most contemptuous manner, said: “What utter rot.”

Before I could reply, Gowing said there was nothing so completely uninteresting as other people’s dreams.

I appealed to Cummings, but he said he was bound to agree with the others and my dream was especially nonsensical. I said: “It seemed so real to me.” Gowing replied: “Yes, to YOU perhaps, but not to US.” Whereupon they all roared.

Carrie, who had hitherto been quiet, said: “He tells me his stupid dreams every morning nearly.” I replied: “Very well, dear, I promise you I will never tell you or anybody else another dream of mine the longest day I live.” Lupin said: “Hear! hear!” and helped himself to another glass of beer. The subject was fortunately changed, and Cummings read a most interesting article on the superiority of the bicycle to the horse.

George and Weedon Grossmith: The Diary of a Nobody [Authorama]





den otter fühlen. ganz tief [via popbitch]





Stifter, Aus der Mappe meines Urgroßvaters: "Es ist dies die Dichtung des Plunders", das große Programm einer kleinen Literatur, den Dingen, die herumstehen, eine Geschichtsschreibung der Liebe abzuhören und abzulesen, gegen eine Geschichtsschreibung des Hasses. "Es ist etwas Rührendes in diesen stummen, unklaren Erzählern der unbekannten Geschichte eines solchen Hauses. Welches Wehe und welche Freude liegt doch in dieser ungelesenen Geschichte begraben, und bleibt begraben. Das blondgelockte Kind und die neugeborne Fliege, die daneben im Sonnengolde spielt, [unfassbar, dass ihm an dieser Stelle "die Fliege" einfällt…] sind die letzten Glieder einer unbekannten, aber auch die ersten einer vielleicht noch längern, noch unbekannteren; und doch ist diese Reihe eine der Verwandtschaft und Liebe, und wie einsam steht der einzelne mitten in dieser Reihe! Wenn ihm also ein blassend Bild, eine Trümmer, ein Stäubchen von denen erzählt, die vor ihm gewesen, dann ist er um viel weniger einsam. Und wie bedeutungslos ist diese Geschichte; sie geht nur zum Großvater oder Urgroßvater zurück, und erzählt oft nichts als Kindtaufen, Hochzeiten, Begräbnisse, Versorgung der Nachkommen - aber welch unfaßbares Maß von Liebe und Schmerz liegt in dieser Bedeutungslosigkeit! In der andern, großen Geschichte vermag auch nicht mehr zu liegen, ja sie ist sogar nur das entfärbte Gesamtbild dieser kleinen, in welchem man die Liebe ausgelassen, und das Blutvergießen aufgezeichnet hat. Allein der große, goldene Strom der Liebe, der in den Jahrtausenden bis zu uns herab geronnen, durch die unzählbaren Mutterherzen, durch Bräute, Väter, Geschwister, Freunde, ist die Regel, und seine Aufmerkung ward vergessen; das andere, der Haß, ist die Ausnahme, und ist in tausend Büchern aufgeschrieben worden." Müsste immer noch gehen, ohne dieses Herrgottswinkelhafte, die Bauernhausidyllik, die Familienverengungen.





Bildbeschreibung: "Der ist doch der Mann weggelaufen. Die hat doch ihre Kreditkarte ausgereizt."





Klingt interessant: Elisabeth A. Lloyd, The Case of the Female Orgasm überprüft 21 wissenschaftliche Theorien darüber, warum Frauen Orgasmen haben und erklärt alle für unzureichend.

(Bis auf eine, die allerdings softer daherkommt.)

[Dass eine Evolution etwas um der Lust willen macht, kann sich ein Evolutionsforscher nicht vorstellen.]

The Complete Review / Literary Saloon: Rezension & Links





Von einem Nebentisch im Café Paris weht der Halbsatz "spielt in einer imaginären Stadt" herüber. Und schon hasse ich das Buch, den Film…









jedesmal, wenn ich charlotte rampling sehe, bin ich auf der stelle bestürzend verliebt in sie oder in irgendetwas, das von ihrem gesicht ausgelöst wird. sie müsste bloß komm sagen & ich würde, no matter what, meinem leben davonlaufen, aber dann, zwei, drei stunden danach, habe ich keine erinnerung mehr daran, mich gerade wieder bestürzend in charlotte rampling verliebt zu haben, & jetzt auch nur, weil ich beim letzten mal gleich aufgeschrieben habe: "jedesmal, wenn ich charlotte rampling sehe …"

[man würde zu gerne wissen, wie so ein kleines krankes gehirn funktioniert…]





neuerdings bei den guten romansätzen der nur noch körperliche impuls, loszuschreien, zu applaudieren, zugabe zu verlangen, m. aus dem schlaf zu reißen, hör dir das an. verwandlung von texten in musik (als ob musik etwas wäre, auf das man somatisch zu reagieren hätte…), (damals, als ich branford marsalis zu interviewen hatte, in den fünften stock zu seinem hotelzimmer hochfuhr, er mir selbst öffnete, in einem trainingsanzug, würde es Sie stören, wenn ich mir dieses stück noch anhöre, es stellte sich heraus, dass er frau ohne schatten im cd-player hatte, ich sagte, irgendeiner neugiereingebung folgend, er solle es doch ganz zu ende hören, ich würde ihm gerne dabei zusehen, eine oper anzuhören, er dankbar dafür, lag dann auf dem sofa, manchmal begann er zu schreien, peter! listen to that!, isn't that f***ing brillant!, can't understand why people don't scream all the time, danach noch fünfzehn minuten über lester youngs & billie holidays interplay, aber nicht mehr so wichtig, der wichtige teil war branford marsalis, richard strauss anhörend & ich branford marsalis dabei beobachtend, seltsam in a way: das begeisterung-zeigen-müssen, etwas durchaus anderes, als sie zu erklären…)





früh aufgewacht, in den sonetten an orpheus gelesen, das bedürfnis empfunden, rilke umzuschreiben, um ihn zu retten.





fuh2-show





die weblogs, auf die ich nicht linke, because I love them. and you never will know.





abends in eine wdr-dokumentation über japanisches bogenschießen geraten. eine passage über einen kaiserlichen bogenbauer und seinen lehrling. der bogenbauer, der eine sehne einspannt, schaut, wie der bambus sich biegt, nachjustiert, wieder schaut, justiert, schaut. der lehrling dabei stehend, alles beobachtend. die ausbildung, hieß es, vollzieht sich fast wortlos, durch genaue beobachtung, den versuch, die geheimnisse des erfahreneren zu erraten. der meister im interview: auch er wäre von seinem vater so unterrichtet worden, keine erklärungen, sondern vormachend, beispiele gebend. sofort überlegt, ob man auf diese weise jemandem das schreiben beibringen könne (oder lernen), schulter an schulter sitzend, einander beobachtend, das nachdenken, die zigaretten, das im raum herumschauen, die sätze hinschreibend, die rückschritttastenschritte, das stocken, das wieder in den fluß hineinkommen.

[gleich hinterdrein wieder die erinnerung an den abend in kyoto beim lackschalenmacher, lebendes nationaldenkmal, sein schrank mit den schalen, an dieser arbeite ich schon acht, an dieser sechs jahre lang, alle paar monate ein neues wissen oder was immer, wie es nun weitergehen müsse, belauern des materials, irgendwann würde es schon sagen, was es wolle, danach das sake- und teetrinken, mein erschrecken, als er unvermutet sagte: die schale, aus der du gerade trinkst, ist übrigens aus dem 11. jahrhundert.]





irgendwann, in diesem sommer vielleicht, denn so etwas lässt sich nur im sommer, gegen die hitze, erledigen, will ich einen essay schreiben, in dem ich davon erzählen will, wie erstaunlich es mir vorkommt, das mich jetzt, mit mitte vierzig, immer wieder die empfindung ankommt, in die romane hineinzuwachsen, die ich damals, mit achtzehn, zwanzig, fünfundzwanzig gelesen habe, ihre figuren [die ja nie nur figuren gewesen sind, sondern freunde, die man bloß nie leibhaftig gesehen hatte (wie die weblogfreunde, die man liest, ohne dass sie wüssten, wie sehr sie einem freunde sind)], ihre figuren also beneidend um die tiefen, reifen, verwickeltheiten, um die form des lebens also, die ich beim lesen vage empfand. wie man mr. angstrom wird also, oder eine cheever-figur oder eine saul bellow-figur, so in der art, wie man sich auszulegen beginnt in ein paar echos, von denen man oft nicht einmal denkt, dass sie noch hallen.