abends in eine wdr-dokumentation über japanisches bogenschießen geraten. eine passage über einen kaiserlichen bogenbauer und seinen lehrling. der bogenbauer, der eine sehne einspannt, schaut, wie der bambus sich biegt, nachjustiert, wieder schaut, justiert, schaut. der lehrling dabei stehend, alles beobachtend. die ausbildung, hieß es, vollzieht sich fast wortlos, durch genaue beobachtung, den versuch, die geheimnisse des erfahreneren zu erraten. der meister im interview: auch er wäre von seinem vater so unterrichtet worden, keine erklärungen, sondern vormachend, beispiele gebend. sofort überlegt, ob man auf diese weise jemandem das schreiben beibringen könne (oder lernen), schulter an schulter sitzend, einander beobachtend, das nachdenken, die zigaretten, das im raum herumschauen, die sätze hinschreibend, die rückschritttastenschritte, das stocken, das wieder in den fluß hineinkommen.
[gleich hinterdrein wieder die erinnerung an den abend in kyoto beim lackschalenmacher, lebendes nationaldenkmal, sein schrank mit den schalen, an dieser arbeite ich schon acht, an dieser sechs jahre lang, alle paar monate ein neues wissen oder was immer, wie es nun weitergehen müsse, belauern des materials, irgendwann würde es schon sagen, was es wolle, danach das sake- und teetrinken, mein erschrecken, als er unvermutet sagte: die schale, aus der du gerade trinkst, ist übrigens aus dem 11. jahrhundert.]