Sonntag, 22. Juni 2003

expect jealousy: ygawardlive.leoburnett.com.au





www.buttmagazine.com

NEWS JUNE 2003 THE SPECIAL OVERSIZED NEW YORK ISSUE OF BUTT IS OUT NOW.

FEATURING: MARC JACOBS, DESIGNER TOMMY DELUCA, ACTOR PHIILIIP, POPSTAR KENI VALENTI, ENTREPRENEUR AA BRONSON, ARTIST BUTT WALLPAPER BY ASSUME VIVID ASTRO FOCUS AND MUCH MORE





Sorry I found my position very challenging, for the most part. Especially the folding and licking. I’ve really begun to appreciate the simple nobility of the postage stamp. It’s great to know that those three years of Philosophy weren’t wasted!! I think they have a franking machine at my new job. Sometimes going to the cake shop in the afternoon was fun too!!

P.S. Sorry I didn't address this letter correctly, but I didn't receive the organisational chart for this week.

I.resign.com: Resignation Letters Guarantee a stylish and dignified exit by using one of these template resignation letters. You can now customise each one before printing, to fit your own circumstances.





Samstag, 21. Juni 2003
In England und Amerika wird der Rhabarber als Leckerbissen betrachtet und massenhaft angebaut; er bildet daselbst einen guten Handelsartikel auf den Märkten und wird gut bezahlt. Es werden im Frühjahr in London täglich etwa 30 Waggonladungen und in New Yo Gestatte mir als frisch gebackener Kleinagronom "Hortikultur" als neues Thema einzuführen. Anregungen willkommen: 600 qm Garten wollen mit Gemüsen und Kräutlein bestellt sein.




Freitag, 20. Juni 2003

das leben der lo-fi-boheme





Gestern nachmittags gegen zwei: eine dieser Emails, die einem Tage und sowieso die ganze Existenz vergällen. Alle Arbeit umsonst, wieder von vorne anfangen, noch eine Nachtschicht, noch eine Runde auf der Baumwollplantage. In eben dem Augenblick, in dem ich die Email ausdrucken wollte, starb mein Computer. Nichts mehr zu machen, Zugang verweigert, Unix-Botschaften, die man nicht verstand, aber so gut eben doch, dass man gleich wusste: irgendein Infarkt. Ein Mann, zwei Männer, drei Männer kamen und verzweifelten, sprachen miteinander wie nervöse Kardiologen über einem hoffnungslosen Fall. Schließlich schleppten sie ihn ab, eine Bahre hätte ihnen gut gestanden. Es war dann doch nicht so schlimm. Speicherkarte zerlegt, vermutlich, sagten die Männer, weil es zu heiß ist in meinem Büro. Neue Speicherkarte eingebaut, ging wieder. Aber ein paar warme Empfindungen lang war mir, als hätte die Maschine Empathie für mich aufgebracht. So wie ich, oft, für sie.





lauter entscheidende augenblicke:

Kairos exists in the blink of the photographer's eye, it is the phenomenon of hitting the mark in space and of hitting it at precisely the right time. Up it pops, at the exact dazzling moment when the screen of the world seems to open up, tear apart, yawn or gape before you, only to close up again immediately afterwards. It is, to introduce a semi-religious concept, the propitious moment, the moment when the gods smile upon you.





Mittwoch, 18. Juni 2003

Heute darüber nachgedacht, ob die Geschichte von Weblogs sich so ähnlich erzählen (was durchaus mystifizieren heißt) ließe wie die Geschichte von Punk. Ein paar merkwürdige Typen, die bei sich zu Hause auf billigen Instrumenten schnell ein paar dreckige Seiten zusammenhauen. Kurze Sachen, von denen man nicht so genau weiß, was sie sollen. Keine Regeln. Hört sich oft nicht gut an, hört sich aber rauh an, hört sich cool an, hört sich scheißdrauf an. Nicht wie die großen Bands mit ihren ewigen Konzeptalben, die immer größer werden, immer virtuoser, immer selbstverliebter. Nicht wie dieses Posertum der großen Bands, die begonnen haben, Dreifachalben zu machen mit ekeligen Hipgnosis-Covern, eigene Welt sein wollen, Jünger machen, die nicht zu anderen Bands gehen. Nicht wie die großen Bands, die Leadgitarristen haben, die sich fünfzehn Minuten einen abwedeln auf irgendwelchen Sonderanfertigungen, dauernd neue Instrumente erfinden, die viel zu teuer sind für die Kids da draußen und die man eigentlich nur auf High-End-Stereoanlagen hören dürfte mit Goldkabeln zwischen Verstärker und Vorverstärker, klar, die brauchen auch noch einen Equalizer, aber immer kommt nur öder langweilige Müll dabei heraus. Die Garagenkids sind anders. Zum Beispiel deswegen, weil sie einander mögen, weil sie lieber gemeinsam in irgendeiner versifften Klitsche auftreten als im Hammersmith. Das Repertoire würde ja eh nicht reichen für ein eigenes Konzert, gerade mal vier Dreiminutenhämmer im Repertoire, außerdem haben vier Bands zusammen nur drei Snare Drums, da muss man einander aushelfen, und das Wichtigste ist eh das Nichtalleinesein. Dass man viele ist. Nicht vier Millionäre, die einander nicht leiden können, aber alle achtzehn Monate sich für ein doofes Album ein paar Wochen lang in einem dieser Peter Wolf-Studios oder auf Mustique einkasernieren. Sondern viele. Lauter Leute, die AOL-T-Shirts anhaben, und AOL ist durchgestrichen und drüber steht KILL. Und die Abende sind magisch. Es wird viel gesoffen, viel durcheinandergepudert, viel herumgestritten, viel auf der Stelle gesprungen, und es fühlt sich so intensiv an. Wie die Stimme von Johnny Rotten. Zugeschliffene Eckzähne. Geht gut los, das.

Irgendwann kriegen die anderen das mit. Noch mehr Kids da draußen, die sich jetzt auch alle so ein Weblog zulegen wollen, obwohl sie gar nicht kapieren, was das ist und worum es geht. Sie haben es halt mitbekommen, dass dort ein guter Sound ist und die irrsten Leute miteinander können, und wenn man Glück hat, gibt es Gigs, bei denen jeder jeden linkt. Das wollen sie auch haben. Obwohl sie doch bisher immer nur im Proberaum der evangelischen Jugendgemeinde in so einer Covercombo gespielt haben, das Megabandrepertoire rauf und runter, sogar Kuschelrock. Schmeißen sie alles weg jetzt, schneiden sich die Haare, kaufen sich auch so ein wildes T-Shirt (die gibts nämlich jetzt schon zu kaufen) und probieren es mit Punk. Aber man hört das noch, dass die früher Kuschelcovers gemacht haben. Manchmal spielt sogar einer Klampfenelsen-Folk, nur ein bisserl schneller. Klingt dann fast wie Punk.

Die Typen, die das losgetreten haben, können nicht mehr. Guck dir die an, denken sie, ein bißchen Wetgel von Stustustudioline aufn Kopf und sie glauben, das reicht schon. Arschlöcher. Kriegen gleich was in die Fresse. Musst du dir erst verdienen, ein Punk zu sein.

Ein paar Punks sind übrigens bald gestorben. Eines Morgens: nicht mehr da. Einfach weg. Weiß keiner, wo sie geblieben sind. Im Google-Cache spuken sie noch ein wenig, aber irgendwann sind sie vergessen. Nur ein paar Veteranen kennen ihre Namen noch.

Selber Arschlöcher, sagen die Kids. Obwohl sie ein schlechtes Gewissen haben, manchmal. Wir machen jetzt, sagen sie, New Wave. Das hört man auch. Geht gar nicht anders, sie haben ja jahrelang in der evangelischen Jugendgemeinde gespielt. Sind anders drauf. Zu Beispiel nicht so viel Hass. Machen jetzt Spaßpunk. Machen sowieso lauter neue Abteilungen auf. Neue deutsche Welle. New Romantics mit Liebeskummereinträgen und Gedichten und so Zeug. Ein paar davon sind gut, die meisten nicht einmal One-Hit-Wonder. Na ja.

Dann gibt es da noch die Meta-Punks. Die die Gesten dekonstruieren, irgendwie rumspielen mit den Images, sich permanent tarnen und enttarnen. Typische Kunsthochschüler eben, aber nicht uninteressant. Leute mit französischen Namen oder so Fremdwörtern, Anspielungen. Funktionale Gruppe, Le Sofa, Amor Oscuro Flagship Store, Camp Catatonia. Komisches Zeug, was die machen, Sonderlinge, kann nicht jeder mit, auch die Altpunks nicht, aber man weiß voneinander, irgendwie sind wir doch Geschwister.

Irgendwann kommen auch die Organisierer. Bauen alternative Vertriebswege, Vernetzung, Szene Szene. Lauter neue Indie-Labels. Alles selbstgemacht. Klingt gut. Manchmal. Und manchmal klingt es auch so öde nach Arbeitsplatzbeschaffungsmaßnahme. Und wir wollten doch den ganzen Scheiß nicht haben, Arbeit, Beschaffung, Maßnahme, Lion´s Club, Old Boys Netzwerk, Geschäftsmodelle. Und wer hat hier eigentlich den Glam - die Typen, die auf der Bühne stehen oder die Typen, die das Programmheft für den Club schreiben? Ein paar davon sind übrigens schwer in Ordnung. Man liebt sie. Kaum zu glauben, wie sie den Ratinger Hof immer noch am Leben halten. Haben wir eigentlich gar nicht verdient, so oft, wie wir den Laden zerdeppert haben.

Schließlich: die Corporate Rock Bosse. Guckt euch da mal um, sagen sie zu ihren Scout-Knechten. Da gibt´s ein paar Leute in den Unterstadtclubs, die sollten wir nicht verpassen. Heuert mal ein paar von denen an. Wenns klappt, kommen wir groß raus, wenn nicht, auch kein Verlust. Die Dieter Gornys also. Hey, bei uns könnt ihr machen, was ihr wollt. Euer Video wird übrigens von Dolezal & Rossacher gedreht. Die haben schon die Videos von den Stones gemacht, ganz dufte knorke Kumpel, sieht vielleicht ein wenig komisch aus auf den ersten Blick für euch, aber daran gewöhnt ihr euch schon. Ja, da läuft unser Senderlogo immer mit bei euren Videos, mittelbündiges Banner oben, aber dafür kümmern wir uns um alles. Und jetzt macht mal. Das Copyright liegt übrigens bei uns.

Ganz am Ende: ein paar ältliche Zausel in der Fußgängerzone. Zu fertig, um es noch zu bringen. Alte abgewetzte Lederjacken, irgendeine Misttöle, ein paar Dosen Bier. Aber immer noch ein schöner Iro. Echt Kernseife, kein Gel. Du gehst vorbei und kannst es kaum glauben, dass es die Typen immer noch gibt. Glotz nicht so, zischt dir einer nach, wenn du fotografieren willst, musst du löhnen.





Dienstag, 17. Juni 2003

The 50 Best Magazines in der Chicago Tribune. "People" ist extrem überbewertet, aber sonst eine recht gut begründete Liste. Aus der man unter anderem auch ablesen kann, um wie vieles dürftiger der deutsche Publikumszeitschriftenmarkt ist.





Gerade zu Ende gegangen: The Pedant in the Kitchen, eine Serie von Julian Barnes über Kochbücher im Guardian.





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