Montag, 30. Juni 2003

rezessionssportart: urban outdoor tischtennis





Es kommt ein wenig spät, die Analyse der gescheiterten deutschen Grand Prix-Trulla Lou über die Gründe ihres miserablen Abschneidens, aber ich hab´s halt auch erst Wochen danach gesehen, und es ist ein kleines Juwel:

"Ich habe allen gezeigt, dass man auch ohne kleinen Hintern und Kleidergröße 36 gewinnen kann", hatte Lou nach dem Sieg beim nationalen Vorentscheid noch im März zu BUNTE gesagt. Doch in der Nacht auf vergangenen Sonntag arbeitete sie ihren ersten internationalen Auftritt so auf: "Wenn ich jünger wäre, hätte ich auf der Bühne rumknutschen und mehr Po und Bauch zeigen sollen. Ich hätte das Pferd gern nach Hause geritten. Aber ich bin zu dick, zu alt und zu hässlich", sagte sie zu BUNTE. [...] Nach der After-Show-Party fuhr der Feuerkopf mit seiner "Managerin" zur Bar des Luxushotels "De Rome" und begoss den zwölften Platz mit einigen "Cadillac"-Cocktails. "Ich war gut", betete sie sich immer wieder vor. Wahrscheinlich muss sich bei ihrer 18-jährigen Bierzelterfahrung einiges im Kopf gedreht haben, jedenfalls rückte Lou ihre Grand-Prix-Niederlage in historische Dimensionen: Ihr schlechtes Abschneiden läge an politischen Hintergründen. Die meisten Länder sähen Deutschland immer noch als Naziland, doch nicht alles sei schlecht gewesen am Nationalsozialismus, erklärte sie wankend. Das war gegen fünf Uhr morgens und die meisten hörten schon gar nicht mehr hin, was Lou da für dummes Zeug brabbelte. Vielleicht sollte Lou doch lieber singen als reden.
Aus: Bunte 23/2003, Seite 36





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Sonntag, 29. Juni 2003

Dabei bereiteten einen die Flip-Flops doch in vielen anderen Punkten auf die Mühen und Gefahren des Erwachsenenlebens vor. Man lernte mit ihnen zum Beispiel, dass auch der harmloseste Gegenstand in der Hand eines zu allem entschlossenen Mädchens zur gefährlichen Waffe werden kann – Schläge mit Gummilatschen können ganz gemein weh tun. Und man lernte, dass einen das Tragen zweckmäßiger Kleidung zwar vielleicht vor Erkältungen und gebrochenen Zehen schützen kann, aber gleichzeitig zu einem freudlosen Leben verurteilt. Klappern-Trägerinnen wurden niemals vom begehrtesten Jungen aus der Parallelklasse ins Kino oder zum Eisessen eingeladen, und die Besitzerinnen brauner Ledersandalen blieben zwar den gesamten Sommer hindurch von Schnupfen und Husten frei, konnten sich im Freibad aber im Gegenzug auch nicht aussuchen, mit wem sie ihre Liegedecke teilen wollten. Sie mussten zusammen mit den ganzen anderen Langweilerinnen in geschmacklos geringelten Badeanzügen am Kinderplanschbecken liegen und Pony-Zeitschriften lesen oder Häkelarbeiten machen. Und sich über Sachen wie Reformkost, Konfirmationskleider und die Bay City Rollers unterhalten, während die Flip-Flopper schon wussten, wie Zungenküsse gehen, bereits eine tränenreiche Trennung hinter sich hatten und – ohne zu husten – filterlose Zigaretten rauchen konnten.

Jungle World: Als die Flip-Flops Latschen hießen. Die Schlappen stecken voller Sommererinnerungen. Von Elke Wittich





this is a magazine issue 9: the revolver issue.





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Heinz Schwarzenberger: Bilder aus dem Fernsehsessel





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