[1] Den Samstagabend mit dem immer noch sehr jungen Ex-Freund verbracht. Gegen 2030 passiv mit dem Vorwurf begonnen, recht kühl zu sein, auf der Palisander-Sitzgruppe entworfen von Grete Jalk, ca. 1958, hergestellt in Dänemark von France & Son, zu Hause. Unmittelbar und zweckmäßig darauf getroffener Entschluß, etwas zu essen. Versucht, ihn in Cookie´s Restaurant umzusetzen. Selbstverständlich gescheitert, da andere Menschen langfristiger planen und auch nichts besseres wissen, als in dieser Halle, die ein Freund mit Kollegen bereits 1999 nicht schaffte, zur Eröffnung fertig zu bauen und die seither im Wesentlichen so blieb wie sie an diesem Nachmittag des 6. Dezember 1999 war, an vorgebuchten Tischen Gerichte mit phantasievollen Namen zu erhabenen, aber nicht unverschämten, Preisen zu bestellen.
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Jens Thiel designt und baut mit 17 als illegal Selbständiger Halogenlampen in der DDR. Mit 19 wird er Geldwechsler für Ost- und Westmark auf dem grauen Markt am Bahnhof Zoo und versucht sich mit den dort erzielten Gewinnen im Gebrauchtwagenhandel und an der Börse. 1997 gründet Thiel mit Freunden die Sandwichkette Jens & Friends, die zwei Jahre später in Konkurs geht. Dann wird er Unternehmensberater für Start ups und sieht im Frühjahr 2000 dem Internetcrash entgegen. (ab Seite X) Drei Jahre später blickt Thiel erneut zurück und voraus.
Ingo Romeo Mocek will die koffeinhaltige Schokolade Scho-ka-kola an Bars und Diskotheken vertreiben. Doch nicht ein einziger gastronomischer Betrieb nimmt die rotweißen Dosen in sein Sortiment. Mocek geht in das älteste Gewerbe der Welt, um seine Schuldenlast zu tilgen.
Norbert B. will Komponist werden, dann Radprofi und wird Schriftsteller. Nach seinem dritten Buch, für das er einen Alfred-Döblin-Preis erhält, dreht er dutzende Pornos, die unser dem Label Sebastian B... weltberühmt werden. Weil er auch seine unter 18jährigen Darsteller für ihre Leistungen bezahlt, wird er zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Kaum im Gefängnis, beginnt B., sein Opus Magnum zu schreiben.
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Auch nicht den Gedanken, in Kapstadt oder Bangkok zu leben.
Wenn nur die verfluchte Kälte in der Fabriketage nicht wäre. Unsere Nebenkosten sind ohnehin schon höher als die Miete.
syberberg schaut sich einen mishimafilm an, merkwürdiges reflexivpronomen übrigens, dass syberberg ein tagebuch im netz hat, hab ich auch erst neulich erfahren.
hier und auch irgendwo in diesem cluster
wenn die, gerade auch erst aus meiner müdigkeit hervorgekrochene these nicht ganz falsch ist, komik bestünde auch darin, dass wir längst ausgestandene qualen vorgeführt bekommen, über die wir, halb erlöst, halb noch vor angstlust zitternd, nun schon lachen können (das vom fabrikssystem zerstört werden bei chaplin, das von der sich noch nicht erklärenden herrschaft zermalmt werden bei kafka usw), dann müsste ein zukünftiger slapstickfilm eigentlich so aussehen wie mein eigenes aktuelles leben: ein mann, der zwölf, vierzehn stunden vor dem computer sitzt und sich das leben ausdenkt, das er nicht hat.
was ich dann doch jetzt schon zum lachen finde.
gestern gesehen, mit den kostümen von yohji yamamoto. – herbst 97, wir hatten gerade das pariser apartment im marais bezogen. in der zweiten nacht klingelte es gegen 3.30 uhr an der wohnungstür. da stand ein japaner mit schulterlangem haar, ruhiges lächeln, stellte sich als nachbar vor. er hätte überraschend noch kaffeegäste bekommen, ihm wäre aber der zucker ausgegangen. ich gab ihm ein ganzes paket, à toute éventualité, er trat mit einer angedeuteten verbeugung ab. am nächsten nachmittag stand er wieder vor der tür. er würde sich bedanken wollen, ob ich einen moment zeit hätte, um mitzukommen, gleich auf der stelle. meinen hausmantel – pinkfarben, ich hatte den ein paar jahre zuvor bei eduscho in der trierer fußgängerzone gekauft – könnte ich ruhig anbehalten, es würde ganz schnell gehen. er führte mich dann durch den hof in eine lagerhalle, das war wohl sein atelier, ein paar junge menschen an schreib- und zeichentischen, lichtes interieur, karg gestyltes fin de siècle. "bitte", er deutete auf einige kleiderständer, die mit anzügen behangen waren, "suchen sie sich in ruhe einen aus, meine assistentin hilft ihnen gern. ich muss jetzt weiter." zum abschied abermals die verbeugung. zehn minuten später, ich hatte mich gerade für einen schwarzen zweireiher entschieden, brachte die assistentin mir eine tasse espresso. ich trank ihn ohne zucker.
wollt ich auch mal durchsagen: etc.pp. mag ich sehr.
sie wollen es wiederhaben, alles, geht ja endlich, eu, internationale staatengemeinschaft, achsen des friedens, rotgrün, keiner ein antisemit mehr, postnationale welt, durchlässige grenzen, amerikaner gesicht und kredit verloren, wir dagegen alle ganz friedlich, von angelika beer bis zum letzten autonomen deppen, who cares, alles wiederhaben, erstmal jeden tag ein antrittsbesuch und noch ein antrittsbesuch, die junker besichtigen ihre ländereien, erstmal umschauen.
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