Dienstag, 27. April 2004

Ich wäre gerne Yuppie, wenigstens für einen Tag. Sonntags schlafen bis 11, saunieren, zweite Frühstücke auf Eckplätzen, dicke Zeitungen in einem Rutsch lesen, den Morgen vor einer Bar begrüßen. Ins Gebirge fahren. Zusehen, wie die Zeit vergeht. Wir booten um 6:30 und alles später "Heute Journal" ist substanzgefährdend.





ob manche weblogs auf junge menschen vielleicht so wirken wie damals diese auf wachsmatrizen zusammengehauenen zeitungen, vervielfältigte typoskripte, flattersatz, rochen noch ein wenig nach diesem alkohol oder was das war, titel wie "springinkal. dieses chaos frisiert sich nicht", berichte von leuten, die radio alice gehört hatten, so zeug eben, nebennebenströme, aber warm? und ob die sich später einmal an den eindruck erinnern werden, den sie von den weblogs hatten, ein wenig undeutlich, aber immer noch nicht abgeschüttelt?





das parzivaleske an mir glaubt mir ja keiner.





beim nachhausefahren gedacht, dass es eigentlich bald wieder einen freundlichen linksradikalismus und einen freundlichen feminismus geben sollte. wie: als ich klein war und mir genosse zimmerlin das pferdesteak, das schloss versailles, die petite bourgeoisie und die beethovenlieder erklärte. wie: als ich klein war und es keine verehrteren menschen gab als erstens den doktor k. mit seiner liebe zur arbeiterklasse, die spanienkämpfer beim wiener tagblatt, wie sie die broschüren für die GE zusammentrugen, lieder singend, und die suppenküche in der besetzten arena, für alle, für alle, gulasch und großes palaver über den lauf der welt. vielleicht: höflicher linksradikalismus, höflicher feminismus. hat mich ja immer schon begeistert, dass genosse knapp sich in seinen memoiren einen "mild mannered enemy of state" nennt.





Vincent Kaufmanns Buch über Guy Debord, wollte ich nur kurz durchgeben (bin ja auch erst im ersten Drittel), ist sehr schön, weil es erkennt, wie sehr die Melancholie, der Alkohol, das Verlorengegangensein, die Schmach des Älterwerdens, das Herumlieben und das Herumstreunen und das Nichtdazugehörenwollen eine Theorie affizieren & in einem ein wenig emphatischen Sinn wahrhaftig machen können. Ist mir heute eingefallen, während ich auf dem Standfahrrad im Elixia den Berg No. 6 ("Mont Ventoux") hochkletterte. Schön wäre es übrigens, wenn es auf Standfahrrädern auch Ätnas gäbe, in die man empedoklesmäßig hinabstürzen könnte. Gesellschaft des Tentakels eben (Kalauer nach Art des Kunkels).





mein körper: zum holzfällen gemacht, mein geist: nicht. weiß aber nicht, was glücklicher macht.





falls jemand eine neue schulter braucht: ich schick meine gern vorbei. tut aber beschissen weh.





diese schübe im gym. nach neujahr, montags, kekse und fleischhunger abarbeiten. jetzt gerade: sommerpanik vermutlich, lauter stepperinnen, schuften für den strand, gegen den pareo. vor zwei wochen: "bikini kannst du nicht aufs cover schreiben, bikini ist ein trauma". bei maggi jetzt die kohlsuppen-kollektion. mcdonalds: hat einen mr. rocket als chefkoch angeheuert, überall rauke rein, terence conran-style in london, ultrawhite-fotos von sex&thecity-mimikry-frauen in den schaufenstern, albern. fanta: mid calorie range. übrigens: blutorange, bitter. frage mich, ob das etwas medizinales hat.





just a kiss away kiss away, kiss away





Sonntag, 25. April 2004

“Like lost children we live our unfinished adventures.”





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