Mit seniorengymnastischen Hüpf- und Klatschübungen, die dazu noch live über den Äther gehen, ist kein Quadratzentimeter öffentlichen Raumes zurückzuerobern.

Die Jungle World über Flash Mobs





flashmob bei gil ist ungefähr so wie wraps in der aldi-tiefkühltruhe





hipster bingo





hortkind





die verhaeltnisse zum tanzen bringen: auch hier in ecuador allenfalls noch teilnahme am superstar-casting.





Ein alter Zausel beziehungsweise erwachsen geworden zu sein, such dir aus, was dir lieber ist, merkt man unter anderem daran, dass man sich nicht mehr dabei ertappt, sich zu fragen, ob die Musik, die man mag, nun eigentlich peinlich oder nicht ist, sondern nur noch dabei ertappt, dass einem Peinlichkeiten nicht mehr peinlich sind. Und sich sofort wieder sehnt nach den Jahren, in denen man vor Scham nicht aus, nicht ein wusste.





Ihr werft uns mit einem Worte vor, dass wir euer Eigentum aufheben wollen. Allerdings, das wollen wir.





Im Alter von 40 bis 50 Jahren pflegen Menschen eine seltsame Erfahrung zu machen. Sie entdecken, daß die meisten derer, mit denen sie aufgewachsen sind und Kontakt behielten, Störungen der Gewohnheiten und des Bewußtseins zeigen. Einer läßt in der Arbeit so nach, daß sein Geschäft verkommt, einer zerstört die Ehe, ohne daß die Schuld bei der Frau läge, einer begeht Unterschlagungen. Aber auch die, bei denen einschneidende Ereignisse nicht eintreten, tragen Anzeichen von Dekomposition. Die Unterhaltung mit ihnen wird schal, bramarbisierend, faselig. Während der Alternde früher auch von den anderen geistigen Elan empfing, erfährt er sich jetzt als den einzigen fast, der freiwillig ein sachliches Interesse zeigt.

Zu Beginn ist er geneigt, die Entwicklung seiner Altersgenossen als widrigen Zufall anzusehen. Gerade sie haben sich zum Schlechteren verändert. Vielleicht liegt es an der Generation und ihrem besonderen Schicksal. Schließlich entdeckt er, daß die Erfahrung ihm vertraut ist, nur aus einem anderen Aspekt: dem der Jugend gegenüber den Erwachsenen. War er damals nicht überzeugt, daß bei diesem und jenem Lehrer, den Onkeln und Tanten, Freunden der Eltern, später bei den Professoren oder dem Chef des Lehrlings etwas nicht stimmte! Sei es, daß sie einen lächerlichen verrückten Zug aufwiesen, sei es, daß ihre Gegenwart besonders öde, lästig, enttäuschend war.

Damals machte er sich keine Gedanken, nahm die Inferiorität der Erwachsenen einfach als Naturtatsache hin. Jetzt wird ihm bestätigt: unter den gegebenen Verhältnissen führt der Vollzug der bloßen Existenz bei Erhaltung einzelner Fertigkeiten, technischer oder intellektueller, schon im Mannesalter zum Kretinismus. Auch die Weltmännischen sind nicht ausgenommen. Es ist, als ob die Menschen zur Strafe dafür, daß sie die Hoffnungen ihrer Jugend verraten und sich in der Welt einleben, mit frühzeitigem Verfall geschlagen würden. [Horkheimer/Adorno, DA]





Das einzige, was ich seit Jahren über den noch zu schreibenden Roman weiß, ist, dass das letzte Kapitel eine Abendgesellschaft beschreiben muss.





Eben habe ich mich gefragt, ob meine vagen Vorstellungen von vage gesagt richtiger Einrichtung der Gesellschaft eher von Filmen oder eher von Musik inspiriert sind. Obwohl das vermutlich keine sinnvolle Frage ist.





Eben habe ich mich gefragt, ob irgendjemand noch Hoffnungen hat. Politische, um die Frage zu einer sinnvollen werden zu lassen.





Gerade über folgende Passage gestolpert [aus: "Der Kapitalismus ist senil geworden". Ein Gespräch mit Samir Amin und Michael Hardt.]

L &W: Michael, Du scheinst eher geneigt, die Qualitäten des Anti-Nationalismus zu betonen.

MH: Absolut. Benedict Anderson hat dieses Schlagwort von der Nation als imaginierter Gemeinschaft geprägt. Leider ist die Nation mitunter die einzige Gemeinschaft, die die Menschen sich vorstellen können, wohingegen ich denke, daß es andere Möglichkeiten gibt, Kollektivitäten zu konstruieren. Der Einwurf, man möchte ja einerseits gegen alle Arten von Nationalismus kämpfen, die einzigen Alternativen seien jedoch ein islamistischer Internationalismus oder ein Internationalismus des neoliberalen Kapitals, dann halte ich dagegen, daß die Nation dennoch nicht der einzige andere Lokus der Identität ist und eine andere Alternative gefunden werden kann.

SA: Klasse ist eine andere.

MH: Klasse ist sicherlich eine.

SA: Und hoffentlich einflußreicher als Nation. Anderson hat recht, wenn er sagt, die Nation ist eine imaginierte Gemeinschaft, aber einmal imaginiert, wird aus ihr eine reale Gemeinschaft.

MH: Zeugt es nicht von einer Armut der Phantasie, wenn das die einzige Gemeinschaft ist, die wir uns vorstellen können?

Mich gleich gefragt, ob es nicht der Denkfehler von, sagen wir mal: Sozialisten ist (deren Gemeinschaft ich mich als zugehörig imaginiere, auch wenn sie meistens eher einem Narrenhaus oder einem Distinktions-Wettbewerb oder einer Mensa, in der es immer nur Stammessen 3 gibt, gleicht als dem, was ich mir gerne nach Hause einlade), genau das zu wollen: sich eine Gemeinschaft vorzustellen, für deren Glücksvermehrung der Sozialismus in Gang gesetzt wird? Kann man denn nicht auch aus rein egoistischen Gründen Sozialist sein? Ich bilde mir ein, dass das erstens ginge, dass es zweitens entspannter und drittens vernünftiger wäre, aber ich habe noch nicht sehr gründlich darüber nachgedacht.





Manchmal führe ich Praktikantinnengespräche. Was sie wollen, warum sie hier sind, welche Geschichten sie gerne schreiben würden undsoweiter. Heute wieder.

  • Warum machst du denn ein Praktikum?
  • Man sagt uns, Praktika wären gut.
  • Wer ist "man"?
  • Na, die Uni.
  • Wieso?
  • Wir sollen Erfahrungen sammeln. Wird gern gesehen.
  • Warum willst du Journalistin werden?
  • Weil ich nicht dauernd im Büro herumsitzen mag. Und weil ich gerne Leute kennenlerne.
  • Ähm, da könntest du doch auch Animateurin im Club Robinson werden wollen. Oder Polizistin und auf Streife gehen....
  • Ja klar, schreiben will ich natürlich auch. So mit Sprache und so.
  • Und wo würdest du denn gerne am liebsten arbeiten?
  • Regional. In einer Tageszeitung.
  • Wieso das denn?
  • Weil ich dort das Gefühl habe, dass ich gebraucht werde.
  • Das ist dir also wichtig.
  • Ja schon. Warum denn nicht?
  • Na ja, du hättest ja auch sagen können, dass du Journalistin werden willst, weil du gerne die Welt verändern würdest. Oder weil du gerne gute Geschichten erzählen möchtest. Oder etwas aufdecken.
  • Die Welt verändern kann man doch alleine nicht.
  • Ja schon, aber. Du bist doch knapp über 20. Da darfst du das doch nicht glauben.
  • Ihr wollt immer, dass wir anders sind, bloß weil wir jung sind. Wir sind aber gar nicht anders.
  • Wie was wünschst du dir denn von von deinem Leben, sagen wir in zehn Jahren.
  • Na ja. Dass ich vielleicht einen festen Job habe.
  • Wie? Das ist alles.
  • Ja, das ist nicht mehr so leicht.
  • Das ist doch ein ziemlich kümmerlicher Traum.
  • Ja.




Heute erscheint das letzte jetzt:Magazin. Es besteht aus 3657 Gründen, warum es sich diese Woche zu leben lohnt.





Perfekt eingespielte, mehrfach preisgekrönte Redaktion zu verkaufen. 9 Jahre Magazinproduktion, exzeptionelle Leserbindung und Authentizität im Paket. Liebesbeziehung nicht ausgeschlossen.

Ernstgemeinte Bewerbungen bitte an dieses Sofa.

Schnell.





jetzt ::: ist der montag nicht mehr so lebenswert.





Wenn ich richtig gezählt habe, wollen sechs, sieben Leute gemeinsam Empire lesen.

Ich schlage vor: Wir beginnen am 1. Juli damit. Ich richte ein Antville-Weblog dafür ein, dessen url ich noch rechtzeitig bekannt gebe. Jeder Teilnehmer wird zum co-Admin gemacht. Wir lesen jeweils ein Kapitel, das sind immer zwischen 20 und 30 Seiten (Negri und Hardt haben ganz offensichtlich im paper-Format produziert...), von vorne nach hinten. Wie lange wir uns Zeit für den jeweiligen Abschnitt nehmen, müssen wir halt von Fall zu Fall besprechen. Jeder Teilnehmer kann jederzeit Auszeiten von beliebiger Länge nehmen.

Textgrundlage ist die englische Version, die im Netz zugänglich ist. Die deutsche Übersetzung kann jederzeit konsultiert werden - ich besitze sie übrigens schon und kann also bei sprachlichen Verständnisproblemen jederzeit Auskunft geben. Bei Bedarf kann ich die einzelnen Abschnitte als einzelne pdfs im Goodiepool des EmpireLogs deponieren - so müsste sich keiner mit einem 400-Seiten-Dokument herumschlagen.

Zusatzvorschlag: wir betreiben die Empire Lektüregruppe nicht öffentlich, sondern als Privatissimum, also als private weblog.

Einverstanden? Zusatzvorschläge?





That´s me:

Economic Left/Right: -2.25 Authoritarian/Libertarian: -7.33
Der Political Compass testet, auf welcher Seite man steht. [via @cetera, ein Weblog mit schönen Links.]





vague

Vague Magazine, London, 80er Jahre, Nachpunk, Nachsitu, Tom Vague, Jamie Reid, Mark Stewart und so Zeugs. 3 Ausgaben liegen irgendwo noch bei mir rum, vielleicht schreib ich sie mal ab.





La vie est plus dure que la litterature. Guy The Bore, die Feuerzangenbowle und der Situationismus des jetzt-Magazins. Stephan Gregory





warum die Amerikaner sklavisch jeden Scheiß nachmachen, den die Deutschen sich ausdenken? Und kann mir mal bittebitte endlich jemand sagen, wozu diese ganzen Retros gut sein sollen? Wie wäre es denn mal zur Abwechslung mit ein bißchen 2002?





Warum es einem so erbärmlich wichtig ist, dass andere so ähnliche Gedanken haben wie man selbst. So in etwa. Da steht das ja auch, na siehst du wohl, du bist nicht allein. Die haben es auch geschrieben. Dieses Wiederkennen, diese Erleichterung. Wie wenn sich Porschefahrer einander mit der Lichthupe grüßen. Kurz angetippt. Muss aber nicht Porsche sein. Wenn man zum Beispiel in der S-Bahn jemanden sieht, der ein Buch liest, von dem man viel hält. Als ob man dann mehr Sicherheit hätte beim Denken. Als ob das Denken davon richtiger würde. Immer diese Hordenbedürfnisse. Mehr als einer sein. Teil einer Horde sein. Die nicht wissen will, dass sie auch nur eine Horde ist. Eine Horde mit aparten Regeln. Hochmütig. Lauter Einzelne, natürlich sprechen wir uns nicht ab, und natürlich können wir uns gegenseitig nicht leiden. Eine solche Horde eben. Eine Nichthorden-Horde. Eine Bruderschaft, deren Mitglieder einander nicht über den Weg trauen, nicht miteinander sprechen. Nur grüßen, zwischen den Zähnen gezischt. Unsere Lichthupen. Als ob einer allein nicht genügte. Man will sich nicht für völlig wahnsinnig halten müssen. Deswegen das. Wenn du mir schon nicht zuhören willst, da sind aber noch ein paar andere, die dasselbe sagen. So falsch kann das also nicht sein. Und dabei genau wissen, dass es nicht drauf ankommt, ob es falsch ist oder richtig. Jedenfalls nicht so sehr. Man kriegt ja eh keine Noten mehr. Niemand da, der sie verteilt. Nur man selbst. Das war aber jetzt ein schöner Gedanke, dafür kriegst du jetzt von dir selbst einen Einser. Und für den musst du noch einmal nachsitzen. So ähnlich. Armselig, das. Aber es ist so. Wie es einen sofort beruhigt, wenn man dann irgendwo etwas liest, das so ähnlich ist. Als ob man Teil wäre von einer Gedankenarmee. Die gegen eine andere Gedankenarmee Kriege führt. Obwohl alle nicht wissen, dass sie Soldaten in Armeen sind und obwohl die beiden Armeen einander nie irgendwo treffen. Nationbuilding. Dabei sitzt man immer nur vor Papier, vor Computern, beim Kaffee, vor dem Fernseher. Vielleicht ist das ja auch nur, damit man beschäftigt ist. Oder nicht beschäftigt ist, je nachdem. Beschäftigungstherapie. Toberäume. Die eine fiktive Horde, die gegen die andere fiktive Horde tobt. Und die andere, die zurücktobt. Man kommt ja kaum noch zu etwas anderem. Als ob man der Welt lauter Leserbriefe schreiben würde. Die man dann in der Hälfte selbst nicht mehr leiden kann. Und sowieso nicht abschickt. Weil man darauf wieder nur andere Leserbriefe bekäme. Oder eben nicht bekäme. Man wüsste aber, dass es da halbe, mitten in einem Satz abgebrochene Leserbriefe gäbe. Die niemandem gälten. Wie die eigenen. Nur, damit man etwas zu tun hat.





der Revolution, und das, Genossen, ist allen Ernstes die einzige Perspektive, die wir haben für die nächsten paar hundert Jahre. Nicht, dass ich das guthieße (ich meine jetzt die Perspektive, was man einwirft, ist mir so was von egal, Hauptsache, es knallt), aber wollen wir mal realistisch sein, mehr Kommunismus haben wir uns nicht verdient. Mit Bruchrille.





Als das Netz noch Spaß machte, gab es Kaffeemaschinen, Telegarten, Fishcams. Heute geht niemand mehr hin. Wehklage in der NYT.





The hippie’s dissatisfaction, his dissociation from the old stereotypes, has resulted in his fabrication and adoption of new ones. Hip life creates and consumes new roles — guru, craftsman, rock star; new abstract values — universal love, naturalness, openness; and new mystifications for consolation — pacifism, Buddhism, astrology, the cultural debris of the past put back on the counter for consumption. The fragmentary innovations that the hippie did make — and lived as if they were total — have only given new life to the spectacle. . . .

Records, posters, bellbottoms: a few commodities make you hip. When “hip capitalism” is blamed for “ripping off our culture” it is forgotten that the early cultural heroes (Leary, Ginsberg, Watts, etc.) promoted the new lifestyle in the emporium of cultural consumption. These advertising men for a new style, by combining their own cultural fetishism with the false promise of an authentic life, engendered a quasi-messianic attachment to the cause. They “turned on” youth simultaneously to a new family of values and a corresponding family of goods. . . . The difference between the “real” and the “plastic” hippie is that the former has deeper illusions; he acquired his mystifications in their pure, organic form, while the latter buys them packaged: astrology in a poster, natural freedom in his bellbottoms, Taoism from the Beatles. While the real hippie may have read and helped develop hip ideology, the plastic hippie buys commodities that embody that ideology. . .  [Kenn Knabb / Bureau of Public Secrets, On the Poverty of Hip Life]