Die Washington Post berichtet von einem Übersetzungs-PDA namens Phraselator für die US-Armee, der das nötige Vokabular für den Kriegsfall enthält:
The Sept. 11 terrorist attacks placed new urgency in going from crude prototype to fully functioning PDA. That meant working through four prototypes to smooth out the audio system and its power source — it runs on rechargeable or AA batteries — and input a versatile library of phrases like “Hello, may I help you” and “Stop or I’ll shoot,” played in sound files of native speakers.
und schon wieder gibt es neue Schamhaartrends. Der Observer-Artikel von Cath Rapley mit dem genialen Titel Pubic Relations hat mich nebenbei wieder einmal daran erinnert, wie demütigend es ist, sich tagtäglich den Kopf über deutsche Überschriften zermartern zu müssen. Und falls sich wieder einmal jemand fragen sollte, warum ich mich immer mit so nem Scheiß abgebe, will ich gerne eine Antwort geben: Körper sind Schlachtfelder, mich interessieren die Frontverläufe.
Die Nummer 77 der britischen Literaturzeitschrift Granta beschäftigt sich mit der Frage: What we think of America. Essays unter anderem von Ian Buruma, Ivan Klima, Hans Magnus Enzensberger, Ramachandra Guha oder Michael Ignatieff, einige nicht allzu kurze Auszüge auf der Granta-Website.
Darren Sylvester ist einer der interessantesten Fotografen, die ich kenne. Interessant ist ein faules Wort. Ich glaube, bei Sylvester geht es vor allem um das Verhältnis von Bild und Bildunterschrift, Abbildung und Abbildbarkeit und ähnliches. Eine Fotografie, die sich selbst permanent zur Debatte stellt, durchkreuzt, wie immer man es nennen will. Aber schaut selbst.
Das war noch vor Beginn der gegenwärtigen Militäraktion in den Gebieten der palästinensischen Autonomiebehörde, ist aber immer noch interessant zu lesen: Letter from Jerusalem. Caught in the Middle. Der Journalist Steve McNally schildert, wie es ist, über einen alltäglichen Krieg (9-to-5-war) zu berichten. Aus der vorletzten Ausgabe der wie immer vorzüglichen Columbia Journalism Review.
Interactive Museum of News. Wie der Name schon sagt: Ein Museum über die Geschichte der Nachrichten. Die Online-Ausstellungen beschäftigen sich beispielsweise mit afroamerikanischem Journalismus, den Fotografinnen bei National Geography oder Kriegsreportern. Nicht besonders in die Tiefe gehend und natürlich immer mit US-Focus, aber nicht uninteressant.
Der regelmäßige Leser dieses Weblogs wird vermutlich mitbekommen haben, dass ich, was den Nahost-Konflikt betrifft, eine deutliche Aversion gegen Arafat und einen unbelehrbaren Hass gegen alle Selbstmordattentäter und ihre Organisationen (zu denen ich auch die Autonomiebehörden rechne) habe. Das soll mich nicht daran hindern, auf die Fontenelles hinzuweisen, ein Weblog, das eine deutlich pro-palästinensische Position einnimmt, viele Standpunkte vertritt, die ich ablehne, als naiv, verlogen, einseitig usw. empfinde, aber auch immens interessante Artikel sammelt, auf beunruhigende Nachrichten verweist und in jedem Fall lesenswert ist. Hinter der Link-Liste am linken Seitenrand verbergen sich Dutzende von spannenden Artikeln; in die Tiefe gehen empfiehlt sich also hier mehr als bei vielen anderen Weblogs.
Avantville. Abenteuer in den alten Medien. ist eine klasse Presseschau. Vielen Dank dafür.
In der Money Issue des New Yorker: Joyce Carol Oates, Dagobert Gilb, Stephen King, Mary Karr, Lilian Federman und Denis Johnson geben Auskunft über die klammsten Perioden ihrer Leben.
Neulich waren M. und ich mit den Kindern im Kino, Ice Age. Kurz vor Beginn der Vorstellung musste Paul, gerade sieben geworden, M. noch dringend eine Geschichte erzählen, die ich hier hier nur aus zweiter Hand und mit dem Abstand von drei Wochen wiedergeben kann: Man hätte seine Schule umbenannt. Nun heiße sie nach einer ehemaligen Direktorin, die von bösen Männern entführt worden war. Eines Tages seien sie gekommen, in gelben Anzügen, und hätten sie abgeholt. In eine Ubahn gesteckt und abtransportiert. Und dann sei sie gestorben. Nach dieser Frau heiße nun seine Schule.
Soweit Pauls Geschichte. Völlig durchgeknallt, sagte M. damals nach der Kinovorstellung, stell dir vor, was er mir erzählt hat. Und ich musste lachen und sagte, wie so oft vorher, wenn ich Leuten erzähle, wie speziell Paul ist: Er denkt sich dauernd solche Geschichten aus. Keine Ahnung, wie er auf das alles kommt.
Heute nun hatte ich in Pauls Schule zu tun, Besprechung mit einer Lehrerin, und, ach ja, es ging unter anderem auch um die Geschichten, die Paul so erzählt.
Dann, beim Hinausgehen, fiel mir eine Gedenktafel gleich am Ausgang auf. Die Gedenktafel erinnerte an Marie Beschütz, eine Jüdin, bis 1934 Lehrerin an Pauls Schule, nach Riga deportiert.
Plötzlich war alles dort, wo es hingehörte. Die Männer verwandelten sich in Gestapolizisten, die Ubahn in einen Viehwaggon, und die gelben Anzüge, er wird sie verwechselt haben mit dem Stern, den sie tragen musste.
Was für ein Land, in dem man sich davor hüten muss, die Hirngespinste der Kinder für Hirngespinste zu halten statt für die Wirklichkeit. Was habe ich mich geschämt für mein "ach ja, Paul und seine Geschichten"-Lächeln.
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