Ziemlich hübsch ist das broken image project
Aus: Helmut und Johanna Kandl, Your Way to the Top.
Du bist mir viel zu schön, du interessierst mich nicht.
Die Saaltöchter scheuchen, einen Bierwärmer bitte, an den Nebentischen junge gutgewachsene Paare, Gnade der späten Gebu…, ah nein, ist ja scheusslich, der Satz schon wieder. Warum nicht ich, denkt er, warum die, warum nicht ich? Die Augen zugewachsen, da oben, kam nicht drauf an, vor der Einführung des Fernsehen, sehr schön, Idylle. Dann denkt es gleich wieder los in ihm. Ich möchte, bitte schön, losdenken dürfen, denkt es los, warum immer nur die, warum nicht ich. War doch nur, weil der Rückstau sich gebildet hat, die ganze Zeit über, Denkverbote, Gedankenpolizei, ah, danke schön, Fräulein. Hatte mal eine Reputation wie nur was, sogar bei den Kommunisten gewesen, wie jeder anständige Mensch, kein Grund, sich davon loszusagen, ich bin Dichter, ich soll nicht losdenken dürfen, ja bitte, wer denn dann? Jetzt, seitdem sie das Fernsehen eingeführt haben, gleich immer, alles den Bach hinunter, Gerede, nervt, Unwohlsein immer. Einmal möcht ich reden dürfen, einmal nur, ohne dass ein anderer zurückredet. Gehn´s Fräulein... Noch einen Wunsch? Ich würde gerne zurückschlagen. Wie bitte? Ab Null Uhr. Zurückschlagen. Genau. Ist ihnen schlecht? Ja, immer. Nicht wirklich schlecht, unwohl halt. Sind Sie so nett und sagen mir: Ist das jetzt falsch, wenn ich sage dass ich da herumsitzen möchte, ohne dass jeder gleich sagt, dass ich mich schämen sollte? Soll ich vielleicht einen Arzt holen? Ich hab den doch gar nicht umgebracht, ich bin doch ein Dichter, ich bin doch kein Wahnsinniger. Dürfte ich jetzt abkassieren, wir haben Schichtwechsel jetzt. Sagen´s doch Fräulein... 4 Euro 70. Das Geld nehmens uns auch weg, Fräulein. Stört Sie das gar nicht, also mich stört das sehr.
Er ging mit Frauen im Bett und kam nicht hinein in sie. Ich glaube, sagte er, ich müsste ihnen zeigen, dass ich das will, aber ich will mich nicht aufdrängen. Für sie war es eine Erlösung, einmal mit einem nur so im Bett zu liegen, das gab ihnen den Glauben zurück, dass Männer nicht so wären. Du bist in Ordnung, sagen sie, und ich liege neben ihnen und hasse sie dafür, weil sie mir meine Gier nicht ablesen möchten. Sie konnte sich das gar nicht vorstellen. Das gibt es doch gar nicht, sagte sie, Frauen mögen dich doch. So hielt er sich an das Klavier statt an eine Frau. Stundenlang saß er vor den Tasten und spielte sich in Liebkosungen hinein, die niemandem und allen galten. Er war, sagte er, im Lauf der Jahre, immer lauter geworden dabei, jedenfalls kam es ihm so vor. Vielleicht, damit ihn irgendwann einmal jemand erhörte. Du darfst ihnen nicht das Gefühl geben, daß du sie drängst, sagte sie, sie müssen es selbst wollen. Seine Konzerte wurden gut besucht, es sprach sich herum, dass da einer spielte, bei dem das Spielen noch aufs Ganze ging. Die Frauen saßen da, rauchten, aber keine hatte Lust, ihn sich anzutun, seine Musik war ihnen genug, er war fürs Leben überqualifiziert. Einmal hatte er versucht, das Spielen aufzugeben, aber es war ihm nicht gelungen. Nach zwei Monaten hatte er sich ertappt, wie er auf seinem Esstisch eine Tastatur aufgemalt hatte und darauf spielte, er konnte es hören, er trat imaginäre Pedale, es war völlig egal, ob er ein Klavier hatte oder nicht, also schaffte er sich wieder eines an. Er legte sich mächtig in die Fortes, seine Hände liefen übers Klavier, als würde es ihn jucken. Schau ihn dir an, sagte Kippen, uns macht er immer den Sensiblen vor. Dabei ist er der Weltmeister im Hassen.
Czeslaw Jaszczynski, geboren 1913 in Bochnia, im August 1940 wegen Widerstands gegen die neue Ordnung verhaftet. Um sie zu überleben, musste er ihre Bewacher zum Lachen bringen. Sie mochten das. Lachen hielt sie gesund, vor allem in den Situationen, die den ganzen Mann forderten. Jaszczynski, den die Deutschen Bumbo nannten, es war aussprechbarer und klang witzig, durfte keine Fehler machen. Ans Tor gestellt, dessen Aufschrift FREIHEIT DURCH ARBEIT verhieß, musste er jeden Tag neu an sich arbeiten, um sich die Freiheit nicht zu verbauen. Einmal die Deutschen zu griesgrämig gemacht, und er oder ein anderer, man wusste nie, wen die Griesgrämigkeit traf, wäre ins Gas gegangen. Der Grieche, der einige Zeit lang mit Czeslaw das Türhüter-Duo bildete, war bei weitem kein so guter Spaßmacher. Ganz abgesehen davon, daß er mit seinen 2 Meter 19 viel zu groß war. Große verreckten schneller im Lager, zu viele Angriffsflächen. Czeslaw schien das verstanden zu haben, er hielt sich klein, die Deutschen lachten gerne über ihn. So konnten sie sich glatt für Menschen halten. Czeslaws Mithäftlinge hielten ihn für einen Kollaborateur, wer einen Deutschen zum Lachen bringt, ist ein Verräter. So hätten sie ihn nach dem Krieg beinahe verraten an ein falsches Gedächtnis, du sollst nicht falsches Zeugnis ablegen wider Deinen Nächsten. Nur einige wussten, dass Czeslaw, indem er die Deutschen zum Lachen brachte, daran arbeitete, sie von ihrer Mordlust zu zerstreuen. Man weiß aber nicht, ob durch das Lachen, das Czeslaw in den Deutschen auslöste, irgendjemand überlebt hat. Wie sollte man das auch berechnen können?
Ich will, dass Google endlich auch das Wort "flechtenschön" kennenlernt. Wenn es doch schon in der Odyssee auftaucht.
dass ich, dank der Kommentare, Platz 1 bei Prokrustesbett halte.
Es muss Ärzte langweilen, nichts gegen die Körper ausrichten zu können.
Kleingartenkolonien, Flaggen im Garten, Schutzzone, jedem sein eigener Staat. Es ging hoch her, Putengriller, gib bloß acht aufs Cholesterin.
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