Nicht nur schöne Namen, sondern auch interessante Geisteszustände: das "tip of the tongue phenomenon" und das "feeling of knowing"-Phänomen (die Links sind Google-Requests und führen zu recht spannenden psycholinguistischen Arbeiten).
ZDF, gerade eben, Dreiminüter darüber, dass irgendein Vollkoffer, der Chef des Englischen Gartens sein soll, darüber klagt, dass sich dort angeblich immer weniger Leute nackt in die Sonne legen. NICHT vermisst habe ich im Moderationstext die Wendungen: "nackte Tatsachen", "Hüllen fallen lassen", "mit den Reizen geizen", "weibliche Schönheit", "oben ohne", "liberal". Vermisst habe ich "bestes Stück" und "zeigefreudig".
Gestern bei Erykah Badu gewesen. Ganz okay bis sehr okay. Abgesehen von den zehn sehr langen Minuten, in denen Frau Badu vermutlich irgendein Kindheitstrauma - hochbegabt, aber kein Geld im Haus; Konservatoriums-Aufnahmeprüfung versiebt; kunstfeindliche Eltern; Waldorf-Schule... - bewältigte: Ausdruckstanz. Und zwar die allerschlimmste Sorte. Stiefel weggeschmissen, barfuß. Auf die Spitze. Linkes Bein hoch, rechts Bein hoch, Pirouetten. Armrudern. Dazu Querflöten-Klischees, die prächtig in jede Rettet-den-Regenwald-Kampagne gepasst hätten. Und die kleinen Mädchens mit den Hüfthosen und den Turbans (auf den Frau Badu glücklicherweise verzichtet hatte) waren begeistert. Ohmeegod. Ging gar nicht. Sofort von Isadora-Duncan-Schalen fantasiert.
Auch nicht mehr gehen: rosa gelbe blaue Sonnenbrillen; Rüschentops (hättet besser mal die Kaufanweisungen Frühjahr/Sommer 2001 ignoriert, sieht immer scheisse aus); T-Shirts mit Rotkreuzkreuz; Zicke- und Zickenalarm-T-Shirts. Slam-Poetry-Tiefsinn-alle-anderen-verachten-Geschaue (hey, ihr seid ja doch nur das Revival der Blankeneser 80s-Popper).
Noch nie gegangen: Entfesselt tanzen und alle 3 Sekunden gucken, ob die anderen es mitkriegen/es peinlich finden.
Beobachtung: Wenn zwei Frauen zum Konzert gehen, will nicht selten die eine der anderen vorführen, dass sie viel cooler ist. Cooler ist aber immer die, die nicht tanzt.
jetzt ::: ist der montag nicht mehr so lebenswert.
Manfred Kurz/Rezzo Schlauch: Die neue Ess-Klasse, erschienen im Swiridoff Verlag. Kreativ kochen, bewusst genießen. Als ob man bewußtlos genösse. Na egal. In besagtem Buch ein Geleitwort von Gerhard Schröder, 2 Seiten.
Daraus zitiere ich hier alle Sätze, in denen Anführungszeichen vorkommen; er will uns sicher etwas sagen:
Rezzo Schlauch, dessen Qualifikation als "überlegter Genussmensch" ich bezeugen kann, hat mit Manfred Kurz ein Koch- und Lebensmittelbuch geschrieben. Ebenso erfreulich finde ich, dass sich einmal mehr zwei Männer an das Thema "Küche" wagen. Die These, es seien Frauen, die "an den Herd" gehörten, ist genauso überholt wie die Vorstellung, es seien allenfalls die Gattinnen von Politikern, die sich mit Kochbüchern hervorwagen sollten. Wenn Politiker sich so offen zum Genuss bekennen, geraten sie schnell in den berühmten "Hedonismus-Verdacht" - siehe "Toskana-Fraktion". Wahrscheinlich sind am Esstisch mehr wegweisende politische Beschlüsse gefasst worden als auf internationalen Konferenzen; in manchen Zusammenhängen spricht man sogar von "Küchenkabinetten". Das richtige "Timing" ist in der Küche wie in der Politik das Entscheidende. Eine hoch tönende Speisekarte, die Grünzeug "auf Balsamicobett an Traubenkernöldressing" verspricht, täuscht nicht darüber hinweg, dass der Salat vielleicht welk und in Sauce ersoffen ist. Und ein "Aktionsprogramm zur Förderung von Familie und Gesellschaft", das viele schöne Sätze und unbezahlbare Forderungen enthält, ersetzt nicht die reale Schaffung von Bedingungen für eine kinderfreundliche Gesellschaft. Beim Essen wie in der Politik gilt die Regel: Wo "knusprig gebraten" draufsteht, muss noch lange nicht "knusprig gebraten" drin sein. Misstraue denen, die "perfekte" Rezepte zu haben behaupten, ist zwar ein schlechtes Motto für ein Kochbuch, aber es ist trotzdem richtig. Ein gutes Kochbuch, und so eins ist dieses, regt zum "Weiterentwickeln" an. Auch politische Idden müssen manchmal eine Zeit lang "ziehen" wie ein guter Rotkohl - den Rezzo Schlauch vermutlich "Rotkraut" nennt, allenfalls noch "Blaukraut". Ein "Schwarzkraut" wird nie daraus. Und das gilt keineswegs nur für das so genannte "feine Essen". Es war deshalb entscheidend, dass wir weggekommen sind von einer Politik, die nur akzeptiert, was große Lobbys den Verbrauchern anbieten - hin zu einer einer Agrar- und Verbraucherpolitik, die "von der Ladentheke her" denkt. Sie soll, von den Zutaten bis zur Zubereitung, das Beste nehmen, um für ihre "Kundschaft" das Beste zu erreichen.Was mich betrifft, mir ist es sehr recht, wenn "knusprig gebraten" nicht "innen drin" ist. Aber jeder muss selbst wissen, was er frisst.
Was genau meint eigentlich Michael Jackson, wenn er Sony Rassismus vorwirft? Dass Sony weiße Künstler ungenügend fördert?
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