Montag, 30. Dezember 2002

An Atlas of the Moon





Und wenn du tot bist, dann lass ich aus dir einen Ring machen, den trag ich immer bei dir, und manchmal reibe ich ihn, und nichts wird passieren, Reibung wird sowieso überschätzt.





Ich will keinen längeren Penis haben Ich will nicht dünner werden Ich will keine Reiserabatte Ich will nicht klicken, um mehr herauszufinden. Und ich will dich nicht treffen, dich nicht, nicht dich.





Sonntag, 29. Dezember 2002

The first image he told me about was of three children on a road in Iceland, in 1965. He said that for him it was the image of happiness and also that he had tried several times to link it to other images, but it never worked. He wrote me: one day I'll have to put it all alone at the beginning of a film with a long piece of black leader; if they don't see happiness in the picture, at least they'll see the black.

He wrote: I'm just back from Hokkaido, the Northern Island. Rich and hurried Japanese take the plane, others take the ferry: waiting, immobility, snatches of sleep. Curiously all of that makes me think of a past or future war: night trains, air raids, fallout shelters, small fragments of war enshrined in everyday life. He liked the fragility of those moments suspended in time. Those memories whose only function it being to leave behind nothing but memories. He wrote: I've been round the world several times and now only banality still interests me. On this trip I've tracked it with the relentlessness of a bounty hunter. At dawn we'll be in Tokyo.

He used to write me from Africa. He contrasted African time to European time, and also to Asian time. He said that in the 19th century mankind had come to terms with space, and that the great question of the 20th was the coexistence of different concepts of time. By the way, did you know that there are emus in the Île de France?

Ah well... after all, history only tastes bitter to those who expected it to be sugar coated. sans soleil.





Samstag, 28. Dezember 2002

A woman of fastidious chic and decidedly recherché tastes, the Princess gazes into the self-consciously plain acid-green window of a Prada boutique and innocently asks, "Is that a discount store." NYT (Registrierung erforderlich): A Tyrant From Milan Leads a Parade of Fashion Novels





Was mich betrifft: Ich sehne mich gerade sehr nach einer fulminanten Rückkehr der Oberflächlichkeit.





Übrigens ist Wilhelm Genazinos Abschaffel-Trilogie endlich wieder aufgelegt worden; bei dtv, in einem Band, lächerliche 12,50 €.





Falls es wahr ist, dass sie einen Menschen geklont haben, würde der gar nicht weiter auffallen, nicht wahr?





Freitag, 27. Dezember 2002

[Vorne]

flugblatt, neumünster, dezember 2002

[Hinten]

Es reicht!!! Montagsdemo

Zu diesen Bundespolitikern fehlen uns mittlerweile die Worte [1]. Deshalb demonstrieren wir schweigend [2], denn wir müssen endlich gegensteuern [3].

Wir haben gewählt, um klare Verhältnisse zu haben [4]. Wir haben nicht gewählt, um gebeutelt, geschröpft oder arbeitslos zu werden [5]. Jedoch [6] 82400 Insolvenzen in 2002 sprechen eine deutliche Sprache [7].

Wir erwarten klare Richtlinien [8] - vor allem vom Kanzler [9]. Wir fordern eine starke Opposition [10], aber keinen wahltaktischen Untersuchungsausschuß [11] - deshalb Schluß mit dem Lamentieren [12].

Wir fordern Klartext [13] und keinen Schlingerkurs [14].

Wir wollen endlich [15] die Wahrheit über den Zustand der Staatsfinanzen [16] und damit verbunden der Sozialsysteme [17]. Wir fordern dauerhaft tragbare Sanierung [18] durch Neubestimmung der Staatsaufgaben (Rückbesinnung auf das Ursprüngliche) [19] und nicht jeden Tag neue schlechte Nachrichten [20] verbunden mit einem immer tieferen Griff in die Taschen der Menschen [21].

Wir wollen sichere Rahmenbedingungen für Investitionen [22], für die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen [23]. Wir wollen vor allem eine gesicherte Zukunft für unsere Kinder [24] in einer freiheitlich demokratischen Grundordnung [25]. Das Erbe unserer Kinder darf nicht schon heute verbraucht werden [26].

Wir wehren uns gegen den Vertrauensmißbrauch [27] durch verantwortungslose [28] und machttaktisch lügende [29] Politiker.

Wir wollen mehr Eigeninitiative [30], wir wollen mehr Verantwortung für den Einzelnen [31], wir wollen mehr Kreativität [32] und wir wollen weniger Staat! [33]

Es muß ein Ruck durch Deutschland gehen!

Wir haben ein Recht darauf [34], denn [35] wir sind das Volk [36].

[1] Dass uns nichts Gescheites einfällt, halten wir für ein gutes Argument gegen jene, zu denen uns nichts Gescheites einfällt. [2] Wir sind beleidigte Leberwürste und sagen jetzt gar nichts mehr. Und schreiben ein Flugblatt, in dem wir sagen, was wir nicht sagen. [3] So viel Vertrauen in die gegensteuernde Kraft von Demos kann nur noch die Lumpenbourgeoisie aufbringen. Novizen eben. Rührend irgendwie. [4] Wer so abgrundtief blöde ist, wählen zu gehen, um klare Verhältnisse zu haben, der verdient eigentlich lebenslänglich Chaos. Oder mindestens Magengeschwüre. [5] Ach. [6] Jedoch ist ein gutes Wort. Schmallippiger Mittelstand. [7] Pleiten, Pech und Pannen, und wir zählen mit. Insolvenz für Insolvenz. In 2002 und auch im nächsten Jahr. Der Kapitalismus according to the German entrepreneur: Wir machen Pleite, ihr seid schuld. [8] Es soll uns endlich einer sagen, was wir tun sollen. [9] Führer muss auch sein. [10] Auch nicht schlecht: Eine starke Opposition fordern. Auf Schweigemärschen. Von wem eigentlich? Von der Regierung? [11] Das alte Lied: In Deutschland will man nicht taktisch behandelt werden. Sondern ehrlich. Oder so. [12] Die deshalbs in diesem Text: lauter non sequiturs. [13] Möllemann-Programm. Walser-Programm. CDU-Programm. Die größte German Angst 2002: Niemand sagt, was er meint, jeder verstellt sich. [14] Gesagt bekommen, wo das hingeht. Nicht jeden Tag was anderes gesagt bekommen. Muss doch einer eine Linie reinbringen. Geht doch nicht, mal so, mal so. Kapiert doch keiner mehr. [15] Das staut sich so, in uns. So lange schon. Das wächst und wächst in uns. Das nagt und frisst. Diese Lügen. Weiß genau, dass ich betrogen werde. Macht ein hübsches Gesicht, aber ich fühls doch. Lauter Lügen. [16] Steht jeden Tag in der Zeitung, wird jedes Jahr in der Budgetdebatte vorgetragen, kann man alles nachlesen. Es sei denn, man ist zu blöd dafür. [17] Hier ist die Botschaft. Wir wollen nicht mehr für die Armen blechen. Die Armen sollen sehen, wo sie bleiben. [18] Ballast abwerfen. Können wir uns nicht mehr leisten. Sind doch auch keine Geldscheisser. Machen sich einen Lenz auf unsere Kosten. Und wir. Geht doch nicht. [19] War doch mal anders. Haben doch früher auch nicht alle durchgefüttert. [20] Und was haben wir denn davon? Von diesen ganzen Flausen? Okay, war ja eine schöne Idee, aber die Menschen sind halt nicht so. Gibst denen den kleinen Finger, und die legen sich gleich jahrelang in die Hängematte. Und wir zahlen immer mehr, immer mehr, immer mehr. Und wird immer schlimmer dabei. [21] Und wer denkt an uns? Wir sind ja so blöd. Wir, die schweigende Mehrheit. Wir machen ja das Maul nie auf. Und deswegen nehmen sie uns unser Geld immer weiter weg. Weil wir keine Lobby haben. Wir haben ja auch keine Zeit dafür, uns eine Lobby zuzulegen. Müssen raus um drei Uhr früh. Damit die Brötchen auf den Frühstückstisch kommen. Kümmert sich doch keiner um uns. Sind ja nicht interessant genug. Aber in Wahrheit sind wir die Menschen. Ja, wir. Die anderen nicht. Die anderen nutzen uns nur aus. [22] Wir wollen, dass unser Geld Geld bringt. [23] Wir wollen, dass es sich auszahlt, Leuten zu wenig zu bezahlen. Sonst müssen wir sie raussschmeißen. Glaubt denn jemand, dass uns das leicht fällt? [24] Ist doch nicht so, dass wir das für uns tun, hey, wir wüssten schon, wo wir mehr Spaß hätten, wir machen das doch nur für die Kinder, und dann kommen sie nicht einmal an Weihnachten, und ach, weiß auch nicht [25] Wir könnten nämlich auch anders. Und daran wärt ihr Schuld. Ihr wisst ja nicht, was in uns so tobt. [26] Wollten bloß immer, dass es denen besser geht als uns. [27] Lügner, [28] Halunken, [29] Taktik, Taktik, alles, was ihr könnt. [30] Arschtritt, und die Sache hat sich, [31] sollen doch sehen, wo sie abbleiben, [32] sollen doch Putzen gehen, uns doch egal, ist doch nichts Unehrenhaftes, wir schuften uns doch auch kaputt den ganzen Tag, und wann haben wir denn je Urlaub gemacht. [33] Uns Bauvorschriften machen, aber das Gesocks nicht rausschmeißen. Na ja, mit uns kann mans ja machen. Aber irgendwann werdet ihr die Quittung dafür schon noch kriegen. [34] Wer sonst, wenn nicht wir. Denn wir sagen das jetzt. [35] Das Volk, lauter Genossen. Wer Witze macht, wird totgeschwiegen. Montags sechs bis sieben, es reicht.






Seit der Lektüre dieses Buches bereue ich, nicht Typograf geworden zu sein.





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