in der fas die matti nykänen-geschichte gelesen, matti nykänen gleich wieder bewundert.
In der Szene rief er mit seiner abweisenden Schweigsamkeit Ablehnung hervor, allen Leistungen und Erfolgen zum Trotz gab es unter den Kollegen wenig Anerkennung. "Er hat Schwierigkeiten, seinen eigenen Namen zu buchstabieren", höhnten amerikanische Springer während der Olympischen Winterspiele 1984 in Sarajevo. Interviewwünsche ausländischer Medienvertreter lehnte Nykänen fast kategorisch ab, womit sein Trainer und Betreuer Matti Pulli zum Sprachrohr des Ausnahmekönners wurde. Ließ er sich zu Filmaufnahmen herab, konnte es passieren, daß Nykänen später als vereinbart erschien, das Kamerateam mit Beschimpfungen bedachte - und dann wieder verschwand.
seit wochen nur noch dodo mètro boulot dodo, immer hart am sebastian deisler-syndrom. die weißen flaggen, die man hissen möchte, hisst man nur dewegen nicht, weil es zu jedem sankt sebastian einen uli hoeness gibt, der kommuniques durchgibt, aus deren großzügigkeit doch nur die harte hand des plantagenbesitzers droht. die paar ausgänge zwischendurch: als würde man in eine dieser castingshows gestoßen. ohnehin ähnelt die eigene innere stimme zunehmend dem geblöke eines thomas steins. das reicht nicht, sagt sie, das könnte besser sein, du versuchst dich schon wieder am falschen, das ist nicht genug. beim samstagritual, ah! das habe ich jetzt dringend wieder einmal gebraucht, milchkaffee osaft blaubeermüsli lachsbagel taz jüdischeallgemeine bildzeitung hamburgermorgenpost britischevogue im it's fresh, zehn versunkene minuten darüber nachgedacht, wann denn endlich diese hamburg new york tokio moskau-uhren abgenommen werden. zum hunderttausendsten male innerlich ganz fest beschlossen, dieses drecksblatt taz nicht mehr zu lesen (diesmal eine ganzseitige reportage über die schmallippige keine reue verratende regungslosigkeit der kindermörder im gerichtssaal, mickriger kleinbürgerfaschismus, der dem kriminellen in der gerichtsverhandlung immer mitabverlangt, eine zerknirschte visage vorzuführen...), mich zum hunderttausendsten mal dafür geschämt, immer noch sätze wie "jetzt les ich die taz aber wirklich nicht mehr" zu denken, danach im stilwerk weihnachtsschmuck angeschaut, dabei bemerkt, dass es jetzt dirty talking-kühlschrankmagneten gibt. den rest des samstags: gegen das einschlafen gekämpft, den kampf gegen das einschlafen verloren, bundesliga, seared tuna, badewanne, weblogs gelesen, sex, danach den bachelor gesehen, mein lieblingssatz daraus: "ich habe mich mit ihm toll unterhalten können, er hat ja auch BWL studiert", danach wieder geschlafen, heute findet nemo mit den kindern, die billigen affirmative action/ethnic diversity-tricks da drin, "ach lass doch, praschl", sagt die thomas stein-stimme in einem, "hauptsache, es knallt", zur kinokarte gibt es ein buch geschenkt, von dem man erst später herausfindet, dass es sich dabei um ein findet nemo-sammelkarten-sammelbuch handelt, die großzügigkeit von plantagenbesitzern eben, danach ein wenig büro-beratung der exfrau, 2 partien north london (arsenal) vs. westfalen (dortmund) auf der playstation, die typen waren zu geizig, um die namensrechtetm zu kaufen, deswegen heißen mannschaften westfalen und north london, 4 rote karten, sehr fein, im bus nach hause bill laswell gehört, geistererinnerungen an das hotel in leipzig samstag vor einer woche, wie günther emmerlich neben mir an der bar saß, sich an seinem bier und seiner zigarette festklammerte, merkwürdige männergeräusche machte (ahm, mhm, krchz), sonst aber wie tot wirkte, die drei monitore im messehotel, die permanent nur die börsenkurse, die ankünfte und die abflüge zeigten, endlich begriffen, dass es sich in foucaults ordnung der dinge bei dem inkriminierten satz, dem zufolge der mensch nur eine fußspur im sand sei, um so etwas wie die endlich korrekte reformulierung des kategorischen imperativs handelt. morgen wieder dodo mètro boulot dodo.
"Diese Schmach, unter der Fuchtel eines Abstraktums wie »Konjunktur« zu stehen, ganz egal, ob man seine gottverdammte Pflicht tut oder nicht: Das tastet die Würde des Menschen ganz erheblich an." Parka Lewis bei Erratika
"tâchez de devenir un œil!" (flaubert, 1861)
"mein wochenendgefühl für metropolen"
gestern nachmittag auf dem fiesen uelzener hundertwasser-bahnhof. auf einen um 15 minuten verspäteten anschlußzug gewartet und dabei mit einem bahnangestellten ins gespräch gekommen. der meinte dann irgendwann, ich müsste doch aber zugeben, dass die "gefühlte zugverspätung praktisch null" wäre. ganz schlaues marketinginstrument gegen steigende kundenunzufriedenheit: subjektivismus! der zug dann voll, natürlich keinen sitzplatz reserviert, also bordbistro. an den stehtischen heimfahrende angestellte und schon angesoffener mittelstand. conspicuous consumption der bankrotteure, als hätte man nicht längst das insolvenzverfahren am hals! "zwanglos mit niveau": bei den nachzüglern dauert der übergang von verkniffener biederkeit zum bewußtsein der eigenen unwiderstehlichkeit ungefähr fünf flaschen bier à 0,33 liter. jeder hat den längsten. homophobe frotzeleien gegen den neuen trainee aus dem technischen vertrieb. verklemmte anzüglichkeiten eines zotigen abteilungsleiters, stierer blick ins dekolleté der kleinen aus der buchhaltung, dabei ein gelallter monolog über wertschöpfungsrelevante personalentwicklungsstrategie. (in einer bar in havanna habe ich mal zugehört, wie ein deutscher mitfünfziger einer minderjährigen prostituierten, die kein wort verstand und immer wieder einschlief, erzählte, wie er sich beim kampf um die abteilungsleitung erst gegen unkelbach, später auch gegen niewöhner hätte durchsetzen können. er war so ergriffen von seiner erzählung, dass ihm selbst die tränen kamen. präejakulativer ausfluß irgendwie, die heldenhafte selbstbeschreibung war sein vorspiel gewesen.) behagliche regression in die eigene ideologische stubenwärme, pöbeleien gegen den zentralrat der juden, das übliche ressentiment. alle bleiben in unbequem dichter drängung im bistro stehen, um sich nicht daran erinnern zu müssen, dass sie sich nur plätze in der zweiten klasse haben leisten können. unterdessen verbuchen sich drei laute hipster-studenten ihre lästereien über die boulevardpresse als distinktionsgewinn. eine unfassbar schöne frau, typ lauren bacall um 1950, liest erst auto bild, später proust. die lautsprecherdurchsagen in manchen bahnhöfen sind wie gesungen. beim lesen der speisekarte erstaunt mich, dass das putengeschnetzelte zu €12,50- noch nicht wenigstens nach dietrich bonhoeffer benannt worden ist. der zugbegleiter blickt fahrig und schwermütig am fahrschein vorbei, den ich ihm hinhalte. wahrscheinlich ist überhaupt noch nie jemand in wolfsburg ausgestiegen. passend zur konjunkturlage mehrfach molokos downsized hören, den soundtrack fürs operative controlling von heute. in zeitlupe nicken, sich fingertrommelnd eingrooven auf das falsche leben, das man führt. dem zähfluß der eigenen auffassung hingegeben: sogar die natur sieht hier aus, als wäre sie gerade abgewickelt worden. kalkweißer himmel über verblichenen fließräumen. ein paar hundert meter lange siedlungen aus heruntergekommenen fickzellenkuben, teils mit waschbeton verschalt, dessen grobe körnung fast aufreizend wirkt. kaum zu glauben, dass da menschen drin leben! en passant geschätzter wohnungsleerstand circa 75%. realsozialistische reverien, alles akribisch auf linie gefluchtet. schließlich in einem miefenden großraumabteil doch noch ein freier fensterplatz. der sitznachbar sieht exakt wie botho strauß aus und ist gerade dabei, das kreuzworträtsel der frau aktuell zu lösen. dass er mich später "hauptstadt von frankreich mit fünf buchstaben?" fragt, entkräftet aber meinen celebrity-verdacht auf der stelle. der meister selbst hätte sicherlich "hauptstadt frankreichs" gesagt. jähe helle vor berlin.
The profile never sleeps. It keeps vigil day and night, dutifully holding your place in the queue of romantic prospects drummed up by the thousands of searches all over the world whose criteria you happen to meet.
nyt magazine > love in the time of no time.
Nächste Seite