Montag, 19. Januar 2004

was ich eigentlich sagen wollte, ("weiß auch nicht, ob das so rauskommt"): man irrt sich bei weblogautoren nicht. die sind im richtigen leben (ha! richtig!) so wie im falschen (ha! adorno!), nämlich: esgibteinrichtigesleben im falschen, also: hackhammemrschmittbjergalbers: großartige menschen, kann man nur weiterempfehlen, hätte ich gerne weitergemacht, abende nächte lang. wollte ich nur durchgegeben haben.





sublime kundenbindungsprogramme





"when I visit you I miss you"





Das erste Mal in Stuttgart bin ich mit Sara Wilson gewesen, wir kamen aus München in einem silbernen Benz-Cabrio, ein warmer Spätfrühlingstag, im Cassettenrecorder Run DMC und die Beastie Boys, auf den Autobahnen zum ersten Mal Verkehrszeichen nur für Panzer gesehen, als wir auf dem Hof der psychiatrischen Klinik vorfuhren, in der wir erwartet wurden, umzingelte uns ein Dutzend Kinder mit Down-Syndrom & einen glucksenden Augenblick lang malten wir uns aus, wir wären ein kalifornisches Millionärsehepaar, gekommen, um der Klapse zwei Kinder abzukaufen, sie in den Benz zu packen und für den Rest unseres Lebens, happily ever after, auf Autobahnen hin und her zu jagen, you gotta fight for your right to party, die Nacht damals auf einer Matratze in einem Gartenhäuschen eines Freundes einer Freundin verbracht, irgendwo in den Hügeln um Stuttgart, es glich dem Gartenhäuschen Cs. in Traun, der ersten, die, aber das geht niemanden was an, später dann ein paar Jahre lang an der Nadel, am Morgen darauf beim Frühstück in einem Studentencafé ("französisch: Milchkaffee, Croissant, Gitanes, Aspirin") ist mir eingefallen, dass das Kind, falls es ein Mädchen sein würde, Stella heißen müsste, das Wichtigste an Namen: dass man sie ebenso gut seufzen, flüstern & brüllen kann, Jahre später dann in der "Elle" ein Bericht über Saras Hochzeit in Bad Ischl,

das zweite Mal in Stuttgart gewesen bin ich gar nicht, nur umgestiegen nach Bietigheim, Hartmut Engler, ein Einfamilienhäusle am Stadtrand, meine Füße ("soll ich mir die Schuhe ausziehen") umzingelt von Legosteinen, er den ganzen Tag bei mir kämpfend für seine credibility: dass er, wenn er wollte, auch ganz anders könne, aber eben nicht wolle, Hotelzimmer auseinandernehmen so gar nicht sein Ding, und ja klar, manchmal die Mädles bei den Konzerten, er aber, jaja, dachte ich den ganzen Tag, jajajajajaja schon gut du blöder Arsch, Mittagessen bei irgendeinem Provinzedelitaliener, bester Macchiato meines Lebens, die damalige Frau mit dem Kind dabei, das Kind quengelig, es ging um Zahnpflege, die Frau und Engler in einem fort: wenn das Kind sich nicht ordentlich die Zähne putze, käme irgendwann der Baxtor, ausgesprochen: Baggschdor und zwar zwanzigmal hintereinander in einer endlosen Schleife, die immer noch in meinem Gedächtnis rumort, abends Pre-Listening-Party der Mastertapes der neuen Pur-CD mit den Jungs und den Freunden, irgendein Tonstudio in einem kleinen Kaff, Kartoffelsalat, Weißbrot, Bier, die Bandmitglieder den ganzen Abend lang so weit wie möglich voneinander postiert, irgendwann alle besoffen, kann man alles nicht schreiben,

das dritte Mal in Stuttgart gestern mit Hammerschmitt, Hack, Albers, Bjerg, ins Dunkel hineinlesen, im Rücken fuhren Vektor-Trolleybusse durch Eisensteinstraßen, davor in einer Cigar Lounge, zwei Monitore, auf denen n.tv lief, das Homeshopping-Fenster, Spionagekameras in Mützen, Gummibaumblättern, Wohnzimmerwandfugen, darunter der Nachrichtenticker, die Welt sieht dich überall, am Nebentisch, in meinem Rücken meinem Ohr: ein Paar in den Fünfzigern, er: nur hörend, sie eineineinhalb Stunden lang über den Amerikaner säuselnd, der Krieg, die Nichtregierungsorganisation, das Öl, der Nahe Osten, dann die Theodor Heuss-Strasse hoch, harte Kästen, Deutsche Bundesbank Filiale Stuttgart, gleich daneben die barcode bar, das Kulturzentrum: ein Glaskasten, der Saal: ein Robert Bosch Saal, die Software: nicht die Pro Version, das Kabel: ein Kabelbruch, das Restaurant: hieß Punktum, die Flure: Fotosammlung, die Spielregel: jeder liest, bis er raus ist, die Mahnung: wenn du liest, stampfst du immer mit dem Fuß auf, das Publikum: im Dunkel, die Idee: man müsste das so in den Saal hineinflüstern hineinhauchen hineinplaudern, fade in fade out, noch immer keine Ahnung: was wir da eigentlich tun, irgendwann: fließt es, danach: Applaus, aber schütter, was sollen wir sagen, wieviele da waren: zehnmal so viel, das war jetzt: der erste Schritt zur Weltherrschaft, dann: Bier trinken, Schulter an Schulter, reden, Pilzpfännli, fotografieren: den Reliquienschrein, herübergewehte Wörter: das kann ich nicht schreiben auf meinen 70 Zeilen, Fragmente davor: gelber grüner roter Mars, Ich bin der Untergang der Bundesrepublik Deutschland, Bastian sagt: die Idee eines stillen Abends mit fünf Männern, einem Kasten Bier & kein einziger darf ein einziges Wort sagen, MH: zum letzten Zug, wir dann: Tex-Mex, Bier Bier Cola Gintonic, Bett, das war's: worum es ging: vier andere, trinken, Fragmente, reden, Fragmente, & eigentlich hätten wir gleich schreiben müssen darüber, Schlussatz Bov: "Das muss eh alles viel kryptischer werden. Viel hermetischer. Immer dieser Meinungsquatsch. Wir sind doch nicht beim Kabarett."





Sonntag, 18. Januar 2004

"In a recent interview she joked that she wanted to be given liposuction after her death so that friends could say: "She never looked better".





später nachts, an eine theke gelehnt, dann bemerkt, dass marcels wahrnehmungsimpressionismus am strand von balbec keine historisch überholte form ist, sondern ganz einfach eine präzise beschreibung dessen, was dem eigenen hinsehen widerfährt, sobald man eine gruppe aus mehr als zwei menschen bemerkt, die verdammt sexy sind.





gestern godards passion gesehen. das eingangsbild:

(an einem januarnachmittag des jahres 1985 gegen 15.30 uhr durch zufall den himmel entdeckt. in meinem jugendzimmer gesessen, kiefernhölzerne enge mit dachschräge und schrankwand und fensterblick auf das panzermuseum munster im schneetreiben. in einer ausgabe des transworld skateboarding magazine geblättert, hatte das per nachnahme bestellt für ein halbes monatstaschengeld, reportage über die kalifornische szene. auf einem ganzseitigen hochglanzfarbfoto dann: der parkplatz eines safeway-supermarktes, ein skater, der über eine mauer springt, weitwinkelaufnahme von halb unten, schräg einfallendes spätnachmittagslicht, im hintergrund, über dem backsteinroten flachdachgebäude des supermarktes, der riesenhaft in die höhe gezogene himmel, wolkenlose wölbung, königsblau, an den rändern etwas blasser, bildunterschrift "jimmy martinez (huntington beach, ca)". das blau löste sofortiges körperliches wohlbefinden aus, es war nicht bloß eine verheißung, sondern die betrachtung dieses himmels auf dem bild war selbst schon das ganze glück. jahre später eigens einen tag lang da hingefahren, um den supermarkt zu suchen. es gab drei, die sahen so ähnlich aus, der aber, den ich meinte, war nicht mehr zu finden. dafür an jenem tage 71 verschiedene arten von licht gezählt. und das blau und den himmel wiedergesehen.)





privatgeschichte des begriffsgebrauches: wie die erwähnung von lichtung überhaupt keine philosophiegeschichtlichen assoziationen mehr auslöst, sondern bloß noch den peniblen impuls, sofort vorm spiegel die allmähliche ausweitung der eigenen geheimratsecken zu überprüfen.





eine eigene seinskategorie: cary grant im anzug





Samstag, 17. Januar 2004

Aufgabengebiet

via supatyp





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