völlig sinnlose erinnerung an 1995, netscape 1.0, ein login über die bundesdatenautobahn, eine email-adresse, mit dem bestandteil mail.provi.de, ms frage, was ich denn bitte davon hätte, den füllstand einer kaffeemaschine in berkeley (eliteuni!) abrufen zu können, meine antwort ("nichts, aber das verstehst du nicht").






Informatikstudium, gleiches Jahr. Die FH Flensburg nicht nur geografisch abseitig. Stolze Studenten präsentieren am Beamer ihre ersten Internet-Gehversuche. Und natürlich ist sie auch da, die Kaffeemaschine. Ein zuhörender Student mokiert sich: "So ein Unsinn!" Ich rege mich auf: "Natürlich, so etwas kannst du nicht brauchen." Er: "Du auch nicht!" Heute weiß ich, dass er Recht hatte. Und immer noch finde ich ihn blöd.


Er hatte vollkommen Unrecht.

Das erste Auto sah auch ziemlich doof aus. Die Kaffeemaschine hatte in mehrerer Hinsicht Pionierfunktion. Telematik wird immer wichtiger. Und letztlich ist auch die letzte Version von iChat AV ein Urenkel der Trojan-Room-Kaffeemaschine. Mensch, was war das Netz doch damals spannend. Ist es ja heute auch noch.


Das ist unbenommen. Sein Ausspruch war auch eher auf das Konkrete gemünzt. Natürlich nützt es mir nichts, wenn ich den Füllstand einer Kafeemaschine über tausende Kilometer hinweg abfragen kann. Das System an sich kann ich aber schon brauchen. Und wie!


Negative Beimischung

Statt Telematik hätte ich jetzt eher an Fernüberwachung gedacht. Was nichts an dem korrekten Pionierargument ändert.

OT: Warum sieht sah die Schrift in den Kommentaren denn so komisch aus? Problem mit meinem FireFox 0.8?


Das natürlich auch.
FireFox sieht richtig.


Kann mich noch sehr genau daran erinnern, wie H. mir eine vage und grottenfalsche schematische Zeichnung zur Struktur dieses Wundernetzes aufs Papier warf (in einer Sitzecke der Computerfirma, in der wir beide damals, nun ja, arbeiteten). "Und wer bezahlt die Verbindungen zwischen diesen Großcomputern, diesen Servern da?" H. überlegte kurz und sagte dann sehr bestimmt: "IBM". Ich war platt. "Und warum machen die das?" "Weiß ich auch nicht. Is aber so." Zum Glück entdeckte ich erst später, was er mir da für einen Bären aufgebunden hatte. Damals war ich nämlich der Meinung, dass, wo immer H. war, vorne war, und da wollte ich auch sein. Unbedingt. In der Firma durften wir ja surfen. Aber daheim wollte ich auch. Also Modem von Creatix gekauft, Uni-Zugang klargemacht (ich hab die Antragsformulare noch da) und ab dafür. Der Rest ist nicht einmal Geschichte.


mein erstes internet hiess anfang 96 compuserve, zuvor habe ich einen langen tag damit verbracht, ein modem auf win3.1 zum laufen zu bekommen. das triumphgefühl, mich von bochum aus in düsseldorf einwählen zu dürfen, ist mir heute völlig unverständlich. ;) meine ersten gehversuche ins "echte internet" wagte ich dann nach ein paar tagen chatten in compuserveforen (mit hilfsbereiten leuten, von denen ich manche später wiedertraf). diese gefühl, verloren zu sein im internet, bleibt unvergessen, das husten und rauschen des modems auch.


auch die Drehe...

Mailboxen via Norton Commander Plugin durchforstet, ohne einen Schimmer, was ich da eigentlich tue.
Das Knistern bei der Einwahl, diese Fiepgeräusche...
der akustische Handshake
vermisse ich immer noch.


anmerkung zu ibm

ihr kollege lag gar nicht so falsch. ibm-europe finanzierte damals wirklich so einiges: server wie verbindung. nicht nur en austria. warum? es gab wie immer einen streit um standards und es ging um die frage: wer wird den markt beherrschen: yankee-style gegen european style, tcp/ip (usa) gegen osi, open systems interconnection (eben ibm, europa).


auch eine form von distinktionsbedürfnis (dem sex der älteren leute).
manchmal ist es mir schier peinlich wenn das gespräch auf die internetsozialisierung kommt, der geek aus mir durchbricht und ich mich schon beim ersten satz ("damals mit akustikkoppler und so") fühle wie ein rentner der von vor dem krieg erzählt.


Ich finde es mittlerweile eher peinlich wenn ich es peinlich finde, dass jemand seine Erfahrungen mit mir teilen möchte. Das Alter.


nope, bei mir eher die verwunderung, dass das alles sozusagen erst vorgestern erfunden wurde, und: was habe ich eigentlich die 34 jahre vorher gemacht, und: tiefe dankbarkeit gegenüber den kaffeemaschinen-ins-netz-stellern, denn sind es nicht sie gewesen. und: mein bruder damals, immer schon der earlier adaptor gewesen, mit seinem akustikkoppler in der telefonzelle, münzentürme hochgestapelt. und: wie thomas b., damals als er mir endlich alles eingerichtet hatte, beim losfiepsen des modems sagte: jetzt, jetzt bist du in kalifornien. und wir beide: aber so was von ergriffen. die erhabenheit, ende des 20. jahrhunderts: modemfiepsen. größer als ich.

ach, und: damals das gefühl gehabt, schon viel zu spät zu sein, es wieder einmal verpasst zu haben, keine ahnung, warum, ich kannte ja kaum leute, die das schon kannten, erst viel später bemerkt, hey, das war netscape 1.0...


Ergriffenheit, genau. Ich hab die erste E-Mail, die ich jemals verschickt habe, ausgedruckt. Hab ich immer noch. Irgendwann werden meine Kinder sie wegschmeißen, verständnislos, wieso ich so einen Blödsinn aufgehoben habe.


Ja

94 neue Telefonbuchse von Telekom be.com und rein ins Netz, noch über lokalen Provider "Individual Network eV".
[Unhandled macro: param.text] (wav, 213 KB)


Gleiches Jahr, Herbst muss es gewesen sein da Nebel. Uni-Rechenzentrum, rumgespielt, URLs auf Diskette gesammelt weil Bookmarking nicht verstanden. Gegen 2100 Netscape installiert (mit Hängen und Würgen), gesurft. Kein Gopher, Wais und wie die Tierchen alle hiessen mehr ... ein Browser mit Bildchen. Websites in Newsgroups gesucht (da wurden die damals announced, was anderes las niemand), daheim über Maus-Netz nochmal, Lynx installiert, Zyxel-Modem auf 14KBd aufgebohrt. Computerfuzziism. Keine Sekunde bereut, kommt alles wieder.


Gleiches Jahr, anderer Schauplatz: Erfurt - Ost-Einsatz in der Uni-Zahnklinik. Was Veronika versprach, hat das www gehalten. Übrigens waren Seiten mit Schmuddelbildern schon damals schnell zu finden.


stimmt, wenn auch soft.
(ich jetzt auch) im selben jahr eine hilfskraftstelle angeboten bekommen. aufgabe: computer konfigurieren, anderen den umgang mit ihm erklären. aber ich wusste nichts, hatte keine ahnung und nur einmal an einem rechner gesessen. nachts dann nachholunterricht mit der hochgeschwindigkeitsleitung der uni, immerhin gelernt, das betriebssystem zu nutzen und sehr bald und sehr mitte-90er-jahre-mäßig zu den galleries von cindynaomichristy geklickt. der monitor hatte 256 farben, zeigte konturen, raster; der rest blieb zu erahnen.


Darf ich auch? NCSA Mosaic im Rechenzentrum. Weißes Haus, Kondolenzseite für Rabin (also war es 1995), italienische PDS, trotzkistische Sekten, die Kaffemaschine. Suchmaschinen kannte ich ewig nicht, ich bin immer von der Homepage der Humboldt-Uni aus losgewetzt, deren Verzeichnis schien mir die Welt zu erschließen. Blau auf Grau, Times. Rheingold-Buch ausgeliehen, nicht verstanden.


Ohja, der Mosaic. Auch 94/95, Matheturm an der Uni Münster. Links immer dieses Yeti-artige Wesen, bewehrt mit der Tagesration an Cola light – 3 - 4 Liter. Er konnte alles, wusste alles, nur ansprechen mochte man ihn nicht. Urls wurden noch handschriftlich notiert, damit man die Dateien für die Frakturschrift in TeX beim nächsten Mal alleine findet. Dann, beim nächsten mal, hatte man aber den Befehl vergessen, um das Diskettenlaufwerk in einer dieser Pizzaschachteln zu mounten.


ah. flüssigkeitstagesrationen. hier die kolleginnen, die mit ihrem mineralwasservorrat, still natürlich, die flure entlanglaufen. man fühlt sich dann immer ein wenig wie in einem hospital.


@ak: "Er konnte alles, wusste alles, nur ansprechen mochte man ihn nicht." So waren die Sparcisten, so und nicht anders. Die hatten mehr Fenster auf als Finger an der Hand. Blieb mir auf ewig verschlossen, was die durchlaufenden Zeichenkolonnen tatsächlich taten. Tiefste Hochachtung nach wie vor, auch im totalen Unverständnis. Ha! Ein Diskettenlaufwerk mounten ... das hatte ich wirklich komplett vergessen ... und dabei beim Aufräumen letzthin eine dieser eindrucksvollen nicht 5 1/4-Zoll sondern diese Riesenscheiben in LP-Formfaktor. Wüsste zu gerne, was da Wichtiges drauf ist.


Abenteuer des interessierten Umzugsgehilfen

Hab ich zum ersten (und letzten) Mal gesehen beim Ausräumen einer obsoleten Rechneranlage in der Nachbarstadt (1993). Das Ding hatte vier Festplatten, jede so groß wie ein Schuhschrank (große Schuhgrößen), jede 40 MB. Neupreis die ganze Anlage: 30.000 DM. Als ich mich für den Elektromüll interssierte, sagte mir der Geschäftsführer im Spaß: "Können sie alles haben." Ich war einen Moment lang versucht, konnte mir aber dann nicht vorstellen, wo das extra Umspannwerk hin sollte.


In Ihr unterirdisches Laboratorium vielleicht? Gleich neben den Z1 und die Paletten mit den handgetöpferten Lochkarten.


Raus mit der Sprache!

Woher wissen Sie von meinem Ultraretro-Projekt, das dereinst von der ersten eigenen Erfahrung bis zu den Anfängen des Rechnens zurückreichen wird?


Glauben Sie, wir haben die Pressemitteilung von Madame Tussaud's über die Einrichtung der grusligen Hammerschmitt Dungeon & 8 Bit Club nicht gelesen?


Gesichte! Pressemitteilungen

Über das fantastische Wort »Matheturm« komme ich übrigens nicht hinweg. Matheturm, Matheschloss, Mathe-Xanadu!


@gHack

"Hammerschmitt-Dungeon". Fast so finster wie der Kessler-Standard mit DDR2-Speicher.


Unter 20-jährige werden jetzt endgültig denken: Das ist ein Altenheim-blog.


es gibt 20-jährige, die haben bis vor einem jahr noch via telnet oder modem zu bbs connected. ginge auch heute noch, nur die zeit ist zu knapp.


what do you mean when you say "endgültig"?


Die hier gelebte Art der feuilletonistischen Kulturkritik ist bei der Generation XP sicher nicht mehrheitsfähig.


in einem baucontainer im hof des alten akh in wien, es muss 1993 oder 1994 gewesen sein, hielt herbert hrachovec eine lehrveranstaltung über internet ab. philosophie und command-line access. neben ihm sass gebückt ein bebarteter geek am terminal und beantwortete mit freundlicher lakonie gelegentlich technikfragen. eine gruppe von hingefläzten studenten vor terminals.
plötzlich tauchten da so merkwürdige charaktere wieder auf, da im internetzanlernen und -denken, die man früher immer sonntags beim speakeasy im u4 getroffen hatte. dieser krishna-typ, der dauernd kybernetik daherknarzte und sich später in netzkunstloungekidkreisen festpflanzte. sah ihn einmal sich mit einem elektromusiker unterhalten, der ihn ernst nahm. unverständnis, dass den jemand ernst nehmen konnte. ernstgenommenwerden durch internetz.

ein paar monate später 1994 im edv-raum der universität hiroshima, neuer campus in der ländlichen wüste, abends mit schlüssel vom portier rein und mosaic an. ich, neonlichter, zwanzig stille terminals und, ahem, die welt. später dann mit dem compaq concerto im studentenheim über das 9600er modem ins usenet. das winzige zimmer war im 9. stock und draussen war dunkle ländliche wüste.


da auch noch einen: GEM hiess die Oberfläche in den "CIP-Pools" (was CIP bedeutete weiss auch keiner mehr). War so schlecht nicht, das GEM. Habs nur nie geschafft, das so zu hacken, dass es auf meinem 086er mit 2(!) auswechselbaren COMPAQ-Festplattenbricks zum Laufen zu kriegen war. Hach, die Bricks: zwei mal 10 MB. Absolute Weltklasse.


und erst damals, bevor man das wort "netzwerk" buchstabieren konnte und vornehmlich damit beschäftigt war, 5 1/4"-Disketten in den beiden Laufwerken des festplattenlosen XT zu tauschen.


... als jemand mit 2 roten Novell-Kartons und einigen Metern Antennenkabel zu uns rein kam, und erklärte, er könne unsere PCs verbinden. Wir waren skeptisch bis ungläubig...


90

historischem Institut in Greifswald erzähln wolln, was man mit Computern in Geschichtswissenschaft anfangen kann, war sehr sportlich


November '99 mit der AOL 4.0-CD-ROM von der Plus-Kasse, weil sogar die Germanistikprofs anfingen, in der Teilnehmerliste eine Spalte für Emailadressen freizulassen. Kurze Zeit später der erste interessante Download über SmileWarez, 105 MB Photoshop aufgeteilt in 735k grosse ZIPs, von 23 verschiedenen gefaketen Yahoo-Accounts in aller Welt in nur zwei Nächten runtergeladen. Und immer die Angst, ob die letzten Files noch da sein würden, wenn sie im Downloadmanager an die Reihe kämen. Die erste Telefonrechnung über 100 Mark. Schon aufregend damals.


wo wir schon beim Posen sind:
Im Zivildienst ein Wochenende lang in der damaligen Unterkunft (eine ehemalige Haushaltswarenfabrik in München-Pasing, Dampfheizung entweder an [dann alle Fenster auf] oder aus [dann Eiskristalle an den Fenstern]) einen weissen Acrylsocken tragenden Extremnerd aus Hannover beherbergt. Er war zu Gast bei einer obskuren Konferenz. Kollege Hacker lieh sich das Telefon aus und installierte - noch bevor er den Mantel auszog - einen Akustikkoppler. Die Telefonrechnung dieses Monats war das all-time-high. Später erfahren, dass es sich um jenen Menschen handelte, der erfolgreich via BTX den Sparkassenverband hackte und alle Beträge nach der dritten Kommastelle auf ein anderes Konto transferierte. Als proof of concept hiess es damals. Wurde verknackt, zu Bewährung, wenn ich mich richtig entsinne. Legendär.


a propos ultranerd. kennt einer hier dieses universum vielleicht NOCH NICHT?


ok, dann ich auch halt.
1993 oder 1994, mit original VT100 (die Dinger, die immer noch gerne emuliert werden, in echt sind die auch etwas groß, allein die Tastatur hat C64-Ausmaße) in der Uni. Email durften wir nicht, cholerischer Sys-Admin fand das zu gefährlich. Hätten eh niemanden gekannt zum anmailen. Wir durften gophern und use-netten (soviel zum Thema gefährlich). Dann Ende 1994 eigener Zugang, auch via Individual Network E.V. (das waren die Helden damals).

  1. Auflage Internet with Macintosh, von dem Typen, der jetzt Tidbits macht.
    Siehe auch hier.
    Mann, das ist 10 Jahre her!

OK.
VT100 toppt alles.
Jemand mit einer Micro-VAX am Start gewesen?


An einer Vax

sassen wir 1983. Aber nur am Terminal. Den Rechner irgendwo im Rechenzentrum habe ich nie gesehen. ... und an einem Siemens BS 2000 System. Mit Zeileneditor! Die Terminals hatten eigene Lüfter, die im Rechnerraum das Gefühl aufkamen lassen, man sei mitten auf dem Rollfeld eines Flughafens.

Aber nun ist Schluss mit Stories aus dem Krieg!


Sehr geehrter Herr Saunabiber, würdiger kann man den alte-Herren-erzählen-Computergeschichten-Thread kaum abschliessen.

sagt:
sknecht, T-1000 RIP


Ich schreibe immer noch mit T1000ern. Habe sogar mehrere davon: einen T1200XE und einen 1000LE und einen 1000 ohne Festplatte und einen 1000LE mit kaputter Festplatte.

Windows 2.0 drauf, Word 1.0 (.doc-Files voll kompatibel zu aktuellen Office-Versionen). Mit einem kleinen Bleiakku (12V, Conrad Electronic) bietet das Ding 12 Stunden extrem komfortables Schreiben für Gesamtkosten von 25 Euro. Da bekommt man sonst gerade mal einen Auto-Adapter ohne Laptop.
Unerlässliche Ausrüstung für einen Halbnomaden wie mich.


Gewicht: 5 Kilo, harhar :)


Ende Gelände.


@gHack, da täuscht Du Dich. Der T1000LE ist mit seinen 3 kg inkl. Originalakku erheblich leichter und kleiner als gängige Notebooks.
Naja, mit Bleiakku kommst auf etwa 5 Kilo. Aber - welcher Laptop läuft schon 12 Stunden?


Hast Du schon getestet, wie lange er am Atomdiesel-Generator Deines Gefährts läuft? :)))


Bis der 270-Liter-Tank alle ist ;-)

Lustig wär, wenn das Atmodieselmobil von einem T1000 gesteuert werden würde.


Blueboxing und CubeNet

Also, dann muss ich auch mal:
Ende der 80er Jahre mit einem Amiga in einer Mailbox in Köln angerufen ("atdp nummer"), das war die einzige Nummer die ich hatte. Unglaubliches Staunen, als sich Inhalte auf dem Bildschirm aufbauten, die nicht wie sonst über Diskette in den Rechner gefunden hatten.

Später, 1992, Cube.net in München, eine richtig große Mailbox für Profis, mit echter Internetanbindung, Email und Usenet, aber vor allem Chat. Mädchen kennen gelernt, Blind Date, war aber selbst für einen 16jährigen unerträglich unattraktiv. 6 Jahre später waren die Zeitungen voll von diesen Geschichten, hehe. Damals musste ich immer sagen "Mein Computer telefoniert mit einem anderen Computer".

Und dann Blueb*xing, eine ganz abgefahrene Sache, man klinkte sich in irgendwelchen Vermittlungsstationen ein, über die man per 0130 Nummern gekommen war, und dann kickte man die Verbindung, blieb aber in der Vermittlungsstation. Teilweise hat man sich auch in die Gespräche von Calling Cards eingeklinkt, das mithören war dabei oft so lustig, dass man sich erst später weiterwählte. Und dann Amiga-Warez aus den USA geholt, woanders z.B. in spanische Mailboxen reingeladen, Ratio 1:3. War aber ein ganz kleiner, manchmal hab ich 3-Day-Warez geschafft, mehr nicht. Wie auch schneller, mit 2400er Modem.

1994 hat mich dann ein Freund aus den USA angerufen und gefragt, ob ich Lust habe mit ihm Doom zu spielen. Das war unglaublich wie wir da zu zweit durch die Gänge rannten und Monster erledigten, dazwischen stehenblieben und über nineinchnails redeten. Er in den USA und ich hier. Wahnsinn.

WWW hat mich interessanterweise erst sehr spät interessiert, Mitte 1995. Die Einrichtung auf einem Windows-PC war derart kompliziert, die Mailbox-Szene dagegen sehr lebendig.


Ich war ja auch schon im Internet, als es das Internet noch gar nicht gab. Muss 87/88 gewesen sein, als ein Freund einen Rechner und einen Koppler hatte, mit dem man dann BBS in Deutschland angerufen hat.
Richtig Internet dann ab 96 mit T-Online, damals noch über den BTX Zugang. Man mußte erst bei Win 3.11 übers Terminalfenster mit dem 14.4er Modem rein, dann die T-Online Software starten, dann BTX anwählen, dann bestätigen, dass man wirklich ins Internet wollte, dann den IE ewig lange laden lasse. Dann war man drin. Kostete Unsummen. Ich glaube, 7 DM pro Stunde für alles zusammen. AOL war in Köln damals leider nicht zu bekommen. Kein Einwahlknoten.

Ich weiß nicht, warum einem das Wühlen in Erinnerung peinlich sein sollte. Immerhin hat man welche. Ist dieses Gefühl, dass man sich an was erinnern kann, so peinlich, weil es daraufhinweist, dass man älter wird und somit nicht mehr die coolness hat, was Neues zu erleben?


Das Wühlen in Erinnerungen ist nur peinlich, wenn man ausser an die in der bbs durchgemachten Nächte keine anderen Erinnerungen hat.

Endich schluss jetzt. Wir sind doch nicht nur Nerds!


1995, Dresden. Wollte auch mal dieses geheimnisvolle Internet sehen. Die PDS hatte im Rosa-Luxemburg-Haus als erste ein öffentliches Computerkabinett eingerichtet, wo man ins Usenet reinkam (einen Abend in der Woche), die verschiedenen Mailboxen, das war auch schon ganz schön, wenn auch nicht bunt. Sehr nette Leute halfen einem und es war kostenlos (nochmal danke). Das erste "richtige" (und richtig teure) Internetcafé war dann im Karstadt. Kaffeemaschine angucken.


Wie aber

ließen sich solche Glückserfahrungen, Initiationserlebnisse (oder wie immer man es nennen soll) beispielsweise in biografischen Texten unterbringen - was ja durchaus vorkommen könnte? Sagen wir, jemand würde in 20 Jahren eine Biografie über Frau Katatonik oder Herrn Hammerschmitt verfassen und bei der Recherche nach formativen Erfahrungen auf solche Geschichten stoßen, so wie bei Intellektuellen im 19.Jahrhundert eine Italien-Reise oder die Lektüre eines bestimmten Romans wichtig und folgenreich gewesen sein mag: müsste das dann nicht beschrieben und verhandelt werden? Und wie? Und wie ließe sich das einem Leser eines solchen biografischen Textes vermitteln, wenn die Anschaubarkeit zum Beispiel von Maschinen oder bestimmten Websites völlig verschwunden ist? "1994 war sie zum ersten Mal im Internet" ist ja kein Satz, der 2024 viel Sinn ergäbe.


Das war ja genau mein erstes Diss-Projekt. Nur hat sich leider niemand dafür interessiert. Jetzt habe ich 20 hochinteressante Interviews und kann nichts damit anfangen.


Man merkt doch jetzt schon, wie die eigene Geschichte zusammen mit dem, was wir glauben das die Geschichte der Technik war, verwendet wird, um einen Mythos zu bauen. Das ist doch bei jeder Biographie so.

Man arbeitet doch bewusst mit den aktuellen Konnotationen von Geschichte, wenn man Geschichte erzählt, und nicht mit denen von damals.

Viel schwieriger ist es, wenn jemand in 200 Jahren die Biographien von 2024 liest. Der wird sie anders verstehen (vgl. Gadamer).


die dochs verstehe ich dabei nicht.

weiß nicht: wir haben hier ja anekdoten erzählt. wenn ich aber zum beispiel versuchen würde, meine autobiographie oder deine biographie zu erzählen, würde das dann noch vorkommen oder als nicht wichtig ausgefiltert werden? und sagen wir, es würde vorkommen - aber wie dann? in autoren-biografien kommen ja, wenn jemand das genau betreibt, die lektüren vor, die einen autor formiert haben (und dann kann man in den eigenen versuchen, einen autor besser zu "verstehen", lesen, was er gelesen hat); gängige praxis. bei einem regisseur weiß ich, was er gesehen hat, damals in der cinémateque. aber ich hab selten in porträts gelesen, welche websites der portraitierte gelesen und welche äußerungen er darüber gemacht und welche effekte sie auf ihn gehabt haben. dabei könnte das nach 10 jahren www allmählich ja schon wichtig sein beim einen oder anderen.


Die "dochs" sollten andeuten, dass ich anderer Meinung bin - ich stelle mir zumindest keinen großen Unterschied im Schreiben vor, das Problem gibt es auch in anderen Kreisen und anderen Jahrzehnten.

Man kann doch sagen, dass er durch Kontakt mit anderen Technikfreaks gepägt wurde, dass er mit seinen Freunden von der und der Website eine Idee debattierte und entwickelte.

Ob es als "nicht wichtig" ausgefiltert wird, hängt von der aktuellen Wahrnehmung des Vergangenen ab. Nicht aber von der Kenntnis über die Website oder der Technik.

Und: Ich kann mir übrigens nicht vorstellen, dass z.B. in der Biographie von John Carmack nicht über Computerspiele in den 80ern geredet wird, und in der Autobiographie von Berners-Lee wird man sicher auch ein paar verklärte BBS-Erinnerungen finden.


Yes, of course, bei internet- und computernahen leuten ist das schon klar. ich frage mich meine fragen aber eher über leute, bei denen das "nicht so nahe liegt". nehmen wir zum beispiel probehalber an, ich würde jetzt vier romane schreiben, die irgendjemand als wichtig genug einschätzt, um in 50 jahren eine monographie über mich zu schreiben. und es würde sich bei seiner recherche über mich (der ich dann nicht mehr lebe) herausstellen, dass lesen, schreiben, lernen, empfinden in meinem leben oft an websites gekoppelt waren. sagen wir, er würde herausfinden, dass es diese weblog-verbindungen gab, diese ping-pong-konversationen, in denen sich viel angereichert hat. so etwas wie eine art salon, aber mit ein wenig anderen umgangsformen. usw. sicher könnte das alles in dieser monografie auftauchen. aber wie würde es auftauchen, wie das besondere daran erklärt werden können. allsowas. hab ich jedenfalls noch nie gelesen, so etwas in der art.


Ein ähnliche Frage ist die, was aus Biefwechseln im Zeitalter der E-Mails wird, was wäre ein Äquivalent?


"am 20 ging praschl ins gebirg"

@praschl
hoffe doch sehr, dass in 50 jahren keine monographien mehr geschrieben werden, bei denen sich autoren bemuessigt fuehlen das empfinden in frueheren zeiten beschreiben (und somit nachvollziehen) zu wollen.

andererseits...
vielleicht ist das menschliche klonen ja doch rechtzeitig weit genug entwickelt und ein geklonter kittler kann beispielsweise dann die mentalitaetsgeschichte von schreibinstrumenten etc. ewig fortschreiben...


entschuldigender nachtrag in sachen textreue
"Den 20. ... durch's Gebirg."
Soviel dann auch zu hermeneutischen Abseitsfallen


Darf ich auch mal?

Seit 87 oder so der Atari-Fraktion angehörend. Wegen eingebautem Midi-Interface. Atarianer und Amigaisten lieferten sich ja schon damals derartige Glaubenskriege, dass mir heute diese Win/Mac/Linux-Scharmützel vergleichsweise müde erscheinen. Der Atari war ja eher puristisch, monochrom, streng und musikalisch unglaublich tight. Amigas waren von uns belächelte Spiele-Kisten, Daddelkonsolen, um eine Tastatur erweitert. Wozu? Amigaisten knallten eh sofort den Joystick an das Ding und schreiben konnten sie auch nicht ;-)

Irgendwann, nach einem kurzen Bewerbungsgespräch für einen Aushilfsjob im Jahre 89 oder so (selten so gelogen "Ja, DOS, kein Problem, kenn ich mich aus, Windows ääh, ja klar, täglich, BTX? Ach Sie meinen die Geländefahräder? Haha, nein, äh, war nur ein Scherz, öh..) fand ich mich an einem 386er wieder, auf dem Windows lief und mit dessen Hilfe ich BTX-(für die jüngeren: Bildschirmtext)-Grafiken erstellen sollte. Klötzchenbilder bauen. War ein wenig wie Ministeck, falls das noch jemand kennt.

Tatsächlich lieferte mir BTX so auf Firmenkosten die ersten Online-Erlebnisse ("Eden"). Auf Firmenkosten war deshalb wichtig, da beim "Chat", das Versenden einer Nachricht Geld kostete (20 Pfennig, glaub ich). Da kam schnell ein hübsches Sümmchen zusammen, worüber sich damals noch Postminister Schwarz-Schilling freuen durfte.

Mit CEPT-Grafik-Friemeleien hab ich dann noch ein paar Jahre meinen Lebensunterhalt bestritten. Zu Hause online gehen? War meist unmöglich, weil das Telefon oft abgestellt war und der Atari sich im "Studio" (besser: Proberaum) befand.

Ich glaube es war bei mir auch 1995, als ich mir notgedrungen auch eine Windows-Kiste anschaffte (welche Not mich damals drängte sei hier unterschlagen, das würde zu weit führen). Direktemang mit einem sündhaft teuren 9.600er Modem. Irgendwelche Freunde schwallerten mich damals vom "Usenet" voll. Und so war meine erste Begegnung mit dem Internet auch Newsgroup-geprägt. Die Einwahl geschah über irgendeinen Freak, der ISDN besaß und dessen Rechner - nachdem man sich in Kanal 1 mit einem Modem eingewählt hatte, mit Kanal 2 automatisch ins Netz ging. Wahrscheinlich über einen Uni-Account. Bis heute keine Ahnung. War auch oft genug besetzt. Geduld ist eine Tugend.

Das Usenet war für mich die weite Welt. Wieso für mich? Es war die weite Welt! Ungläubig schaute ich mir die einzelnen Bretter an, auf denen erwachsene Menschen aus aller Welt darüber diskutierten, ob denn nun McDonalsds oder Burger King der bessere Fast-Food-Laden wäre. Direkt nebenan (alt.angst) legten ebenso erwachsene Menschen das Innerste iher Seele frei. Wo war ich hier? Oder: War ich noch?

Der Modemsound hatte etwas Entstofflichendes. In etwa so wie das Beam-Geräusch des Raumschiff Enterprise. Danach stand man nicht mehr wirklich auf der Transporter-Plattform. Auch wenn die Hände noch in die Tastatur hackten, der Geist war längst woanders. Wo? Mit wem? Was? Keine Ahnung, aber es war neu, unglaublich, faszinierend, inspirierend und - nicht zu vermitteln. Offline-Freunde müssen mich damals für gestört gehalten haben, wenn sie meinem unzusammenhängenden Schwärmerei-Gestammel zugehört haben.

Irgendwann kam dann Compuserve auf meinen Rechner und ich lernte den Wert des Dollars kennen (monatlich auf dem Kontoauszug) Mosaic-Browser, Netscape, monatlich den ISP gewechselt, da bei dem alten oft genug horrende Summen offen waren. Das Gefühl gehabt, bei etwas Großem dabei zu sein, aber ebenfalls - wie weiter oben schon der eine oder andere geäußert hat - unterschwellig empfunden, zu spät gekommen zu sein. Zu viele haben damals schon von der guten alten Zeit geschwärmt.

Heute: 1,5 Mbit DSL. Flatrate. Allways on. Manchmal vermisse ich das Geräusch, das durch die Entstofflichung verursacht wird.

Aber alles Gute kommt zurück: Wenn ich mich heute mittels Feedreader durch Newssite- und Blog-Teaser klicke, ist das ein wenig so, wie früher im Usenet. Text. Schön.


der zauber gelungener kommunikation

ist nie verloren gegangen, das erfolgreiche einloggen auf irgendeinem bbs, toelleturm, link-hh, bionic, aaah, und dann diese mit 300zeichen pro sekunde einlaufenden buchstaben...
posen? weiß nicht. das war einfach wunderbar, mit dem selbergelöteten modem (elektrolurch halt) das illegal angezapfte netz zu beträllern, und auf dem casio fp200 auf dem 20 zeichen, 4 zeilen display den text zu verfolgen (der rechner da ist übrigens tatsächlich meiner gewesen, hier sieht man sogar den stecker zum interface (da kommt dann erst noch ein UART - chip, und dann das modem, aber ich verliere mich :-)...

erste mailadresse dürfte, glaube ich *@asco.zer gewesen sein, im z-netz ...


ich zum Schluß?

Ich glaube es war 1992(?) Als mein C64 mit BTX anfing das ganze über Amiga (gebraucht, billig, C für die Umschulung gelernt) und dann irgendwann gearbeitet. Dann so Mitt 1994 von BTX nach Internetz vom 9600 zum 14400 Modem gewechselt.
Die erste BTX "Mail" nach Nürnberg ich war sooo begeistert fühlte auch mich allerdings zu spät obwohl kaum einer wusste wovon ich sprach. IE war Version 2.0.
Mein 486 33 Mhz und 160MB Platte. So ein Teil gabs nicht mal in der Firma!