heute mit kung shing darüber gesprochen, dass die perfekte zeitschrift eine art mischung aus jungle world und etwas "stylischem" wäre. heute in der jungle world gelesen, dass dummy eine "Art ideelle Fusion von Konkret und Vogue" sei.

In hedonistischen linken Kreisen war es in den achtziger und neunziger Jahren nicht unüblich, sowohl Konkret als auch Vogue zu lesen. Es waren jene Leute, die zwar für die Befreiung und gegen den Kapitalismus waren, die aber dennoch nicht der Ansicht waren, man müsse, um seine politische Haltung stets jedem und jeder anzuzeigen, blaue Overalls und Schiebermütze tragen und ein grässliches Benehmen an den Tag legen. Diese Leute mochten Konkret, weil es hier gut geschriebene Texte und ausführliche Analysen gab, und sie lasen die Vogue, weil das Blatt damals noch Humor hatte.

Unvergessen ist die schlechte Bewertung eines neuen Ferrari-Modells mit der Begründung, dass der Kofferraum einfach zu klein sei. Auch sonst wurde in der Vogue so getan, als ob es auf der Welt keine Probleme gäbe. Solange man Goldringe, Cremes und Catsuits richtig anzuwenden wusste, war die Welt gut eingerichtet und es konnte einem praktisch nichts Böses geschehen. Die Linken blätterten sich durch dieses Blatt, sahen den ganzen Überfluss, vertieften sich vielleicht mal in ein Streitgespräch über den Dritten Weg zwischen der trotzkistischen Schauspielerin Vanessa Redgrave und dem Sozialisten Ekkehard Schall und ließen sich schließlich von den Geschenktipps verwirren

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Allerdings schien in der Vogue zugleich die Möglichkeit auf, dass es vielleicht irgendwann genau so sein könnte und dass die Welt eine schönere wird. Es ging darum, möglichst viele schöne Dinge zu bekommen und durch die Schönheit der Dinge, selbt ein schöner Mensch zu werden. Die Vogue konnte man schlechten Gewissens als eine Art Vorschein dessen wahrnehmen, was nach der Revolution zu fordern sei.

viele richtige sätze und genaue beobachtungen darin. allerdings hätte ich zwei korrekturen. erstens: die vogue girl war deutlich besser als das mutterblatt, clara drechsler drin oder olaf dante marx. zweitens: dummy ist nicht halb so gut, wie jürg sundermeier sagt. es gibt ein paar schöne texte drin, aber come on, das layout kann man in die tonne treten, das sexkolumnisteninterview ist entbehrlich, die artsy fartsy attitude ist so 20th century und die erinnerung an olaf dante marx ist so geschrieben, als hätte olaf dante marx eine gastprofessur in bielefeld oder eine ähnlich öde mission inne gehabt.






aus der vogue ecke

les ich nur l'uomo vogue. gut finde ich, dass ich kaum italienisch verstehe. deshalb passt das


das ist gezz hier das 2.x, herr praschl,

dass ich Sie der vogue girl nachtrauern lese. beim 3.x müssen Sie dann aber anfangen, das blatt wieder auferstehen zu lassen.


unter uns: dazu wäre ich zu unbegabt.


seh ich nich so: und allein via antville gäbs mindestens die hälfte der rest crew dafür


dem durchgestrichenen würde ich eher zustimmen als Ihrer schmeichelei. hab ich schon oft gedacht, dass man mit einigen weblogautoren eine großartige zeitschrift hinbekäme, nervös wie ein gedoptes rennpferd (wie zeitschriften halt sein müssen). malorama zum beispiel wäre ein unfassbar guter chefredakteur eines magazins, für das ich jederzeit ein zwanzigjahresförderbo lösen würde.


die schmeichelei als intro für das dann doch verwegen klingende durchgestrichene. gebenSe doch mal nen tipp, wo man da anbimmeln müsste. da werden dann auch nicht die millionen versenkt, wie z B bei den zig versuchen, der bravo eine konkurrenz zu printen


ich würde den tipp gerne geben, aber ich kann es leider nicht. ich bin unternehmerisch ziemlich unbegabt und uninteressiert und hab mir deshalb nie kontakte gemacht für den fall, dass mich der wunsch nach gründertum überraschenderweise dann doch heimsuchen würde. als zweiter oder dritter mann bin ich nicht schlecht, mit wenig geld einigermaßen gutes zeug machen kann ich, aber alles, was dann mafo, anzeigenwirtschaft und dergleichen tangiert: suboptimal, um es milde auszudrücken.


erröt - malorama sieht an sich selbst natürlich überhaupt keine chefredakteurqualitäten, trotzdem danke für die schmeichelei. ich sehe mich allerdings zur zeit sowieso nirgendwo. und die arbeitswelt sieht mich auch irgendwie nicht. und ich bin mir auch nicht mal sicher, ob ich mich selbst zur zeit sehen kann. dies zum thema rezession und den daraus resultierende persönlichen verunsicherungen. genug geklagt. dummy hab ich mir kürzlich während einer fünfstündigen zugfahrt auch reingezogen. man will ja nicht immer meckern, aber was daran großartig anders oder neu sein soll. layout sehr mittelmäßig. die artikel hätten auch alle im sz-magazin stehen können. themenwahl auch nicht gerade berauschend. und wenn schon im editorial steht, daß sich dummy mit jedem heft "neu erfinden" will. gääääääääääääähn.