in der brigitte: "Ich liebe den Mann meiner Freundin". eine verheiratete anonyma gibt ihr schlechtes gewissen darüber zu protokoll, eine affäre mit vincent, dem mann ihrer besten freundin ariana ("kannte zuverlässige handwerker, vermittelte mir eine haushaltshilfe, schleppte mich zum yoga, stellte mich ihren freundinnen vor") zu haben. nichts aufregendes, üblicher illustrierten-konfessionalismus. schön allerdings, wie die verbotene liebe begann:

Und plötzlich war es da, dieses nagende Gefühl, bei allem Glück und bei aller Liebe etwas zu vermissen. Etwas im Leben zu verpassen. Ich spürte einen Hauch von Seelenverwandtschaft zwischen mir und Vincent. Ein vages Gefühl nur, das mit jeder Begegnung stärker wurde. Wie gefährlich das werden könnte, ahnte ich nicht - bis zu jenem Tag im März, als wir bei den beiden zum Brunch eingeladen waren. "Komm, ich zeig dir meinen neuen iMac, ein tolles Gerät", sagte Vincent. Ich folgte ihm ins Arbeitszimmer. Da stand der gerade erst aufgebaute Computer. Ein eleganter, flacher Bildschirm auf dünnem Kugelfuß. Vincent klickte sich in Windeseile durchs Internet. Mein PC, mit dem ich zu Hause als Übersetzerin arbeite, war dagegen eine lahme Schnecke. Auf einmal erschien wie von Zauberhand ein Foto von mir auf dem Bildschirm. "Hey, wo hast du das denn her?", wunderte ich mich. Er grinste, öffnete eine leere Seite und tippte mit zwei Fingern: "ICH DENKE SEHR OFT AN DICH!" Seine Worte in Großbuchstaben krempelten mein Leben um.