Die 36 D zwischen zwei sehr sehr dicken Frauen, gesandwiched. Lasst
mich Bacon, Lettuce, Tomato sein. Rechts hat schöne
Rapunzelhaare, links trägt Heidizöpfe und eine
froschgrüne Basecap & ist mit einem Halbliterbecher Soda und
einem braunen Plastikteller an Bord gegangen, auf dem zwei
Käsesandwiches dampfen & isst sie auf. Hey, how are you
doing, let me be your topping for this flight. Aber schieres Glück
meinerseits, hätte auch La Dolorosa sein können, die uns
die ganzen Tage in den Ohren gelegen hatte mit der Oberflächlichkeit
der Amis Amis Amerikaner & ihrer nicht ernst gemeinten
Freundlichkeit, La Preziosa, die das Personal muffig haben will, damit
sie sich der Realitätstüchtigkeit der Diener sicher sein kann, oh how
reality sucks. & La Dolorosas Klagen über das harte
Grenzregime der Amis Amis Amerikaner & was sie alles wissen wollten
von ihr (als ob man etwas hätte wissen wollen von ihr) („und es ist so kalt hier, können Sie bitte die Heizung anmachen das Fenster aufmachen die Heizung doch wieder ausmachen nicht so freundlich sein nicht immer so unmotiviert lächeln nicht so oberflächlich sein mich einfach so ins Land lassen mir alles zeigen mich unterhalten mir
sagen wie man die Seen die Orte die Vorfahren buchstabiert) und, hatte La Dolorosa geklagt, dass
es hier in Minneapolis keine italienische Piazza-Kultur gab, Schande über euch, Midwesterner! Der Diner-Besitzer hatte
erzählt, sein Vorgänger hätte sich im Winter besoffen aufs Snowmobile
gesetzt & wäre dann in den See gefahren & ertrunken. So bin ich an dieses Diner gekommen. Was ist
der Zweck Ihres Aufenthaltes? - Meeting 2 of the scribe tribe. – Romance or mystery? – Mystery, I said. Of course. – Oh, there are bloodstains in your passport. So that’s what I call
a mystery.

Down right here. Break blow burn.
Die Lady rechts
schnarcht jetzt. Die Lady links
ruft noch ihren Tribe an & sagt
hey Leute, bye bye, ich fliege jetzt
& und dann fliegen wir
& ich liebe sie beide, bi-amorous me.
Ausgezeichnete Lebewesen, dachte ich,
ausgezeichnete Lebewesen aller Art,
Trapper, Eichhörnchen,
playboys of a certain reputation, hydrogen bomb technicians &
Emily Dickinson, hatte kurz drüber nachgedacht
ob ich Elizabeth Wurzels Bitch!Buch kaufen sollte, in praise of
difficult women
& dann aber gedacht, wie billig das ist,
stattdessen das Lob der amorous non-bitches, ausgezeichnete Lebewesen, almost extinct, Erin Brokovich type of girl, I owe you,
oh I owe you so. Beim Essen jetzt (chicken? vegetarian curry?) geht
das jetzt ruckzuck bei den fetten Ladies, fünf Minuten, nicht länger, der
Salat das Italien Cream Dressing das Brötchen das Stück Butter das Cream Cheese Spreading das Uncle Ben’s Szechuan Chicken das
Käsedreieck in Cellophan verschweißt der kalifornische Weißwein die Dose Sierra Mist der Schokoladekuchen & hinterher
hungrige Blicke auf meine
Cracker meinen Käse meinen Schokoladenkuchen &
soll ich sie füttern ihren Hunger stillen &
was sagt die Etikette in solchen Fällen, seh’ doch,
dass du noch lange nicht genug hast.


[Ihre Anfrage konnte nicht authentifiziert werden.]

"27. VI. 71," for example, records a morning’s thoughts, beginning with the exclamation "sundaysundaysundaysundaysunday," and then observing the essential elements of the day: "empty walks," a "single bird," a "blue sky." The enumeration leads to a crisis, "EMPTY AND ALIVE" repeated three times going down the page. Blackburn notes his simplest acts—fastening his belt, washing, writing in his diary—made difficult by pain. Yet this pain, in an apparent contradiction,makes the present vibrant. He notices "the promise of death" in the daylight spilling across the objects in his room; with the "window open, the day comes in, o fade the carcinoma […]." This blending of diction is remarkable—the contemporaneity of " carcinoma" juxtaposed with the Romantic apostrophe "o fade." Finally there is a bitter turn as he struggles to slip out of death’s trap, when he parodies the song "The Girl on the Flying Trapeze": the cancer "floats thru the blood / with the greatest of ease . the pain goes and comes again […]."

Links trägt dieses Basecap, diese Heidizöpfe, dieses Froschgrün, diese
lustige Handtasche, von der Sorte, die sich
mutig anzieht, damit man nicht denkt, es würde ihr etwas ausmachen,
fett zu sein. Oder so ähnlich. Menschen die sich mutig anziehen, das
Goforit, dem du irgendeine Verzweiflung ansiehst (fup ucked, as we used to say) („hör doch endlich auf, mich zu analysieren!“) (möchte mir sagen können dass ich aus anderen Gründen angesehen werde als ich angesehen werde) (ihr Glück dagegen, das darin besteht, nicht wahrgenommen zu werden, wie sie sich in die Ecke gedrängt fühlt, sobald man sie wahrnimmt, auch wenn es nur
Bewundern Bestaunen Tollfinden ist was man empfindet. Coming from a big family, hab genug davon beachtet zu werden…}(denk nicht so viel
nach über mich, stört mich, wenn du das tust). Rechts hat
diese Rapunzelhaare, bis zum Gürtel hinunter lang und dick und voll und saftig und glänzend (& die schönen Haare & gepflegten Hände dicker Frauen & gestärkten Blusen & Beauty Cases mit Feuchtigkeitscreme) & nur beim Essen ist sie ein slob (Orthographisch ähnliche Wörter – Englisch: blob – glob – snob – slab – slub – slow – slot – slop – slog – sloe) & hat sich angesabbert beim Essen (ausgezeichnete Wörter: Batzenlübbel, Tränzbattel) & danach, beim Jim Carey-Film (sort of John Doe) so laut gedreht, dass ich alles hören kann, was in ihrem Kopfhörer gesprochen wird. Hat diesen grobmaschigen Pullover an. Kann mir jetzt vorstellen wie sie in ihrer Wohnung sitzt & Godard-DVDs ansieht oder
Rainer Werner Fasswunder und dazu diese
Schweineborstensnacks isst & glücklich ist
Deux ou trois choses que je sais d’elle
& was magst du lieber, die rechte oder die linke Brust &
magst du meinen Nabel &
magst du meine Anti-Anorexie-Rebellion
(könnte meine Hand in dieser Bauchfalte verstecken zum Verschwinden bringen [quer, nicht längs, so schlimm ist es auch wieder nicht, andererseits habe ich ja große Hände] [PJ, die erzählte, am liebsten hätte sie Chopin gespielt, obwohl Chopin für Menschen mit größeren Händen komponiert hätte]

& dieser Umstand,
dass du über den Körper fetter Frauen nicht nachdenken darfst
weil das Nachdenken schon die Verletzung ist das Wahrnehmen
immer so denken als gäbe es sie nicht
& dass du über Körper anderer Menschen nie nachdenken darfst
schau an meinem Körper vorbei in mich hinein
(als Mitglied der Menschheit habe ich ehrlich gesagt genug davon
wahrgenommen zu werden. Würdest du bitte aufhören mich wahrzunehmen
würdest du bitte nicht über mich nachdenken) &
so sitzen wir, ein BLT-Sandwich, three in a row, & nehmen
einander nicht wahr (& diese seltsame Frage: wo gehen die Atome hin, die
gerade noch da waren, bis man sich gesetzt hat & wo
geht die Luft hin, die ich verdränge, seltsam, so etwas wirklich zu denken: Raum-Zeit-Kontinuum statt disruptive stuff, nie gewusst, wo für einen
Physiker ein Körper aufhört oder anfängt [oder für mich])


& Links schreibt in ihr Moleskine,
das sie aus ihrer originellen Handtasche genommen hat
Now that it’s officially Monday ....
... to Amsterdam ...
do not know ...

(aber wissen wir je?)

& dann landen wir
& bin aus dem Sandwich heraus
&

[die stunden der kleinen empfindung]






Der Grund, aus dem ich mich bedanke: Was du machst, gibt es ja anderswo nicht.


just trains o'thoughts


"nie gewusst, wo für einen Physiker ein Körper aufhört oder anfängt [oder für mich]" –

Siri Hustvedt schreibt in "A Plea for Eros" über ihre Tochter als Säugling: "I often wondered what the world was like from her point of view. She didn't know where she began or ended, didn't know that the toes she found so entertaining belonged to her. But connections come fast for babies. Meanings are made early."

Eine Therapeutin meines Sohnes erklärte mir einmal, als dieser zweieinhalb Jahre alt war, wie sie "Basale Stimulation" und "Sensorische Integration" anwende, weil mein Sohn die Grenzen seines Körpers noch immer nicht erkennen könne – ich erinnere mich, dass ich im Moment ihrer Ausführungen ein ganz komisches Gefühl hatte und mich fragte, ob dieses Vermögen denn mehr etwas mit Wissen oder mit Fühlen zu tun hat. Und wie man das bei anderen denn bewerten kann, wenn man das bei sich selbst ja eigentlich schon kaum zu erklären vermag.


die merkwürdige lacanistische sprachentwicklungtheorie in kristevas revolution der poetischen sprache (an die ich mich nur noch dunkel erinnern kann). wie sprache den permanenten fluss (von allem möglichen) stoppt, in distinkte einheiten zerlegt, namensgebung usw., bis man einen körper hat, der anfängt und aufhört. meine lektüre der vorsokratiker vor 25 jahren oder so, bei der mir ständig vorkam, dass es ständig darum ging, wo etwas anfängt und wo etwas aufhört (alles fließt. alles ist atom. alles ist eins. alles ist unbeweglich. alles ist bewegung.) die hegellogik, was ist eine grenze. und wo das außen zum innen. musik, schwimmen, sex. und wenn man die auflösungsempfindungen hat, müssen die auflösungempfindungen eine materielle basis haben, non? ah, wunderwelt. (wunderwelt hieß in meiner kindheit das österreichische äquivalent des deutschen yps, übrigens, immer noch großer name).


Das ist gut. Ach ja, Text. Und gleich auch nochmal sagen, MH beispringend, beipflichten, dort und aber auch schräg daneben: Danke Internet.

Zwischendurch kurz quer über einen Seitenstrang gestolpert: Wieso sich eigentlich Frauen in der Öffentlichkeit die Hände eincremen, überall, mir neulich wieder aufgefallen, in der U-Bahn, neben mir in der Bibliothek, erstmal hinsetzen und eincremen, was für eine seltsame Geste.

Und schönen Abend noch. Ich glaube, das wird jetzt besser.


übers cremen müsste man auch endlich mal einen langen essay schreiben. selbstliebe, medizinalisierung, die idee der porennahrung, hautversiegelung, nacktheit im dritten jahrtausend, mikroperfektionierung der einzelnen zellen. beipackzettel von kosmetischen produkts sind unfassbar genaue auskünfte über identitäts-phantasmen.