lrb / eric hobsbawm > retreat of the male. lange besprechung von göran therborns between sex and power: family in the world 1900 - 2000, an stellen hochinteressant.

[was man aber auch noch bräuchte: eine geschichte der sehnsucht nach family values in den western societies. das beharrungsvermögen dieser irrationalen blueprints. letzte woche erst drei junge, upwardly mobile frauen im raum gehabt, die auf die zermürbungen durch den job mit dem wenn-doch-jemand-käme, um-mich-zu-heiraten-seufzer reagiert haben.]






Jung und "upwardly mobile"? Waren Sie in Singapur?


1 frage, 1 tipp

- was ist irrational an diesen blueprints?

  • find ich im augenblick nicht genau, aber rené königs schriften über die familie, die helfen weiter manchmal

30-Stunden-Woche würde auch manchmal weiterhelfen.


10std woche

und ein sehr hoher std-lohn waeren nicht schlecht, und ein lottogewinn waere noch besser, dann koennte ich den ganzen tag kochen und buecher lesen. einfach nur heiraten befreit einen leider nicht von der arbeiterei und selbst als hausfrau muss man evtl noch klo putzen zuhause etc. buegelwaesche. usw. als hausfrau kann man sich da schlecht vor druekcen, waere also nix fuer mich.


ich möchte hier jetzt irgendwas sagen, aber ich weiß nicht genau was. familie ist ganz bestimmt das am wenigsten irrationale, was es überhaupt so in der welt gibt. fortpflanzung ist fucking rational. ja im tiefsten herzen sind wir doch alle konservative spießer. c'est la vie, my dear. sich dagegen aufbäumen bringt nur noch mehr kummer.


vielleicht ja auch nur: anders leben ist möglich?


familie ist ganz bestimmt das am wenigsten irrationale, was es überhaupt so in der welt gibt.

Entschuldigung, aber fucking BS.

Aus einer individuellen Perspektive (und was zählt schon mehr als das bei unserer kleinen WestlichenHemisphärenParty) ist Gründung und Maintenance einer Familie doch wohl das Irrationalste, was es gibt (<- wodurch es; vorauseilender Disclaimer, kein bisschen schlechter wird; vergleiche Sex, Musik, Literatur etc. etc.).

Ich habe keine Kinder (mir fehlt der entsprechende Impuls, was mich weder stolz noch traurig macht; ist halt so), aber zum Beispiel einen wundervollen Bruder, der wiederum eine wundervolle Frau und zwei noch viel wundervollere Töchter hat. Alles großartig; das sind die bereicherndsten, fröhlichsten, charmantesten Menschen in meinem Leben. Aber wenn ich mir alle zwei Monate die Knochenarbeit anschaue, die dieses Glück bedeutet, die Risiken allerorten, die cost of living/cost of loving-Fragen, dann wird mir schwindelig. Jede New-Economy-Firmengründung ist dagegen ein Spaziergang.

Familie ist - selbst für einen Zaungast wie mich unübersehbar - im frühen 21. Jahrhundert ein Himmelfahrtskommando, weil die-rente-is-sischär-etc. my ass. Wer sich zwei bis vier Menschen ans Bein bindet, mit dem festen Willen, sie zu ernähren, sie froh und klug und stolz zu machen, der braucht Durchhaltewillen ohne "Wenn" und "Aber", allumfassende Liebe und milden, zärtlichen Wahnsinn, denn für einmal gemachte Babys gibt es nun mal keine Undo-Funktion.

Wo ist also, bitte, der "rationale" Vorteil einer Familie? Kleine Glückskaskaden gibt es billiger. Familie ist selbst in kinderfreundlicheren Ländern als dem unseren ein Abenteuer, und wer nicht gerade mit drei Generationen auf dem Dorf lebt, hat die finanzielle Verantwortung für die kommende Gebrechlichkeit sowieso exter- und bis auf die dritte Nachkommastelle rationalisiert.

Kinder zeugt, ernährt und liebt man - soweit ich das überschaue -, weil man der Ratio den Finger zeigen will.

Rational – und dadurch wird es nicht besser; s.o. - ist eher dieser slackige, ich-komm-schon-irgendwie-durch-Lebensstil mit wenig Ballast und noch weniger Verantwortung.

"Ratio" siehst Du, wenn Du an einem beliebigen Samstag durchs Stilwerk schlenderst und kinderlosen Singles/Pärchen beim Ausstaffieren ihrer Ich-und-mein-Magnum-Biografien zuschaust. Wenn Du Wahnsinn at work gucken willst, besuchst Du eine Familie.

Ich mag übrigens beides.


Stark wie Windhunde

"Durchhaltewillen"... Junge, Familie sollte echt kein Krieg sein. Immer diese Kampfmaschinenmentalität. Dazu dann der Soundtrack von Laibach: Alle gegen alle. Das ist dann der echte "Wahnsinn". Nur gut, dass die Realität noch ganz anders aussieht.


"Stark wie Windhunde", "Krieg", "Kampfmaschinenmentalität", "Laibach" ... bisschen billig, mit der Nazikarte zu kommen, nur weil jemand äußert, dass das Unternehmen Familie es heute schwer hat. Nein?


Nein.


Gibt so Momente, da lese ich hier die Einträge und Kommentare, dann kuck ich hoch zur URL und denke: Ja, passt.


anne tyler schreibt solcher art geschichten. deeply depressing, though.


Vielleicht wollten die Drei nur ein wenig mit Klischees kokettieren, viele Männer fahren ja drauf ab (Blogeinträge über Schuhkauf kommen auch gut an.)

Männer ohne Sehnsucht: Eine DIW Studie ergab, dass im Jahr 2002 etwa 57,5 Prozent aller Männer im Alter zwischen 30 und 34 Jahren kinderlos waren (Frauen: 37,8). Bei den 35 bis 39-Jährigen waren noch 33,6 Prozent Männer und 17,4 Prozent Frauen kinderlos. - aus einer Rezension des Buches "Der Zeugungsstreik" von Brigitte-Redakteurin Meike Dinklage

(Ich mag Brigitte-Redakteurinnen. Die schaffen es immer wieder, realistisch zu sein, ohne den Glauben an Partnerschaften mit Männern zu verlieren.)


Nachtrag

das buch von meike dinklage ist gut. aber der satz "aus einer rezension" ist nicht einer, der allzuviel beweiskraft hätte. männer können länger kinder zeugen als frauen kinder gebären, jedenfalls bilden sich alle welt ein, dass männer länger zeit als frauen hätten. ja, ich weiß schon, die fortschritte der reproduktiven medizin... jedenfalls, für ihre these (den zeugungsstreik) hat dinklage mehr und bessere indizien als ein wenig alterskohorten-demoskopie. (Praschl, s.u.)

Mich haben die Zahlen einfach überrascht. Dass in meinem Alter doppelt so viele Frauen Mutter sind wie Männer Vater sind. Das ist halt ein deutlicher Hinweis darauf, dass Frauen in diesem Alter eher zur Familiengründung bereit sind als Männer. Jedenfalls legen solche Zahlen nahe, sich mit den Gründen zu beschäftigen. Dass Männer auch später noch Vater werden können, reicht ja nicht aus.

Dann werde ich das Buch wohl lesen.


so missverständlich bin ich doch nicht, oder etwa doch? dass familien irrational seien: habe ich das etwa geschrieben? es steht da nicht, also werde ich es wohl nicht geschrieben haben. familien sind nicht rational oder irrational, es gibt sie halt, man kann sie sich ansehen, studieren, analysieren etc. pp. irrational ist, denke ich & dabei würde die empirie mir gewiss zur seite springen, die sehnsucht nach, das vertrauen auf, der glauben an familien. familien sind nur eine bestimmte form, frauen/männer/kinder-verhältnisse zu organisieren. eine von vielen. dass es mittlerweile viele sind, ist mir immer als fortschritt erschienen (an dieser stelle, obwohl es albern ist, sich bei historischen bewegungen zu bedanken: danke, feminismus. danke, schwulen- und lesbenbewegung. danke, subkultur. danke, 68. danke, wer auch immer. von herzen.) ziemlich viele fortschritte der letzten 40 oder 50 jahre, kommt mir vor, sind fortschritte gegen die familie, den family values abgetrotzt, abfälle vom glauben, familien wären die ultima ratio des zusammenlebens. ziemlich viel von dem, was sich innerhalb von familien in den letzten 40, 50 jahren zum besseren hin verändert hat, hat sich verändert, kommt mir vor, weil es die schöne option gibt, dass man familien auch verlassen kann. oh, und ich weiß ja nicht, ob die welt, in der ich mich bewege und umsehe, eine so andere welt ist als die anderer menschen, aber in der welt, in der ich mich bewege und umsehe, sind familien nicht immer das effektivste, freundlichste, unterstützendste, emanzipierendste, glückbefördernste modell des zusammenlebens gewesen. nicht, dass andere modelle toller gewesen wären. aber weniger toll waren sie auch nicht. im schnitt, über all die jahre beobachtet. also kann einen schon die verwunderung darüber angehen, dass jenseits der empirischen familien die heilige platonische ideale familie immer noch so einen guten ruf hat, auch bei menschen, von denen man das nicht vermutet hätte.

das buch von meike dinklage ist gut. aber der satz "aus einer rezension" ist nicht einer, der allzuviel beweiskraft hätte. männer können länger kinder zeugen als frauen kinder gebären, jedenfalls bilden sich alle welt ein, dass männer länger zeit als frauen hätten. ja, ich weiß schon, die fortschritte der reproduktiven medizin... jedenfalls, für ihre these (den zeugungsstreik) hat dinklage mehr und bessere indizien als ein wenig alterskohorten-demoskopie.

schuhkaufweblogeinträge? viele männer? wir alle im herzen konservative spießer? fortpflanzung fucking rational? worüber sprecht ihr alle bloß? und warum? und was habe ich damit zu tun?


Mich interessiert in diesem Zusammenhang, wie der Familien-Idealtyp von Wirtschaft und Politik als Ersatz für den absichtlich gegen die Wand gefahrenen Sozialstaat in Stellung gebracht wird. Hartz 4 führt ja quasi die Sippenhaft wieder ein. Etc. pp. ad inf. Gutnacht.


Mich interessiert in diesem Zusammenhang, wie der Familien-Idealtyp von Wirtschaft und Politik als Ersatz für den absichtlich gegen die Wand gefahrenen Sozialstaat in Stellung gebracht wird.

Mich interessiert in diesem Zusammenhang, wie man in dieser Sozialwissenschaften/1. Semester-Diktion - ohne rot zu werden - in einer perversen Variation von "I want my money back" immer wieder "das Soziale" von einer politischen Klasse fordern kann, die in ihrer Gesamtheit für das steht, was unsere kollektive Jagd nach dem besten Deal unter allen Umständen gebracht hat: Das sich-aus der-Verantwortung-verpissen, wegdelegieren, auf später vertagen, einen Ausschuss-einsetzen.

Diese Klischees; dieses billige Umrubeln aus enttäuschter Liebe: Schröder, der Halunke, hat dem Familienvater ein "Kick me" auf den Rücken geklebt und sich verdrückt.

Und nun? Klar: "Haltet den Dieb; wir wollen die Siebziger zurück!"

Um ein trauriges kleines Lied aus eben jener Epoche anzustimmen: "We have met the enemy... and he is us."

Insofern würde ich mir obige Frage vielleicht noch mal vor dem Spiegel stellen.

Hartz 4 führt ja quasi die Sippenhaft wieder ein.

Mensch, wäre schon besser gewesen, wenn Stoiber uns den Stuhl weggezogen hätte, oder? Da hätte man wenigstens schon vorher gewusst, wo der Feind steht.

Na, wird schon.


herrje, warum denn diese wütende bitternis? was könnte man mit ihr denn erreichen? "das soziale" kann man immer von einer politischen klasse fordern, ich wüsste nicht einmal, was man sonst von ihr fordern sollte, nicht wahr? was genau ist jetzt der einwand: dass man kohl abgewählt hat in der illusion, sein nachfolger wäre eine verbesserung? dass man sich illusionen gemacht hat? oh, come on. und die wir-sätze mit der ganz großen geste ("unsere kollektive jagd nach dem großen deal" usw. ....), aus denen dann aber doch irgendwie nur das wir sind alle mies folgt, können einen, glaube ich, auch nur unter souveräner missachtung der empirie - zum beispiel des bruders mit der familie - einfallen.


Netter Versuch, ad hominem zu gehen. Wird ja im Netz neuerdings gern mit Diskutieren verwechselt. Mich würde aber trotzdem interessieren, warum die Konservativen es schaffen, das Familienkonzept, dessen Instabilität von nur allzuvielen Menschen tagtäglich erlebt wird, zum Teil sehr erfolgreich als Alternative zum Sozialstaat zu platzieren. Wahrscheinlich, wie beim American Dream, die Ausnutzung individueller Wunschvorstellungen. Leider kommt dann fast immer nur diese klebrige Wärme von Mafiaclans raus.


Dann taugt die Familie immerhin noch als Drohkulisse: Wenn Du ALG II beantragst, holen wir uns das Geld von Deinem Papa zurück, und das willst Du doch nicht, oder?

(Die Union will offenbar die Eltern bei Hartz IV in die finanzielle Pflicht nehmen. Quelle vergessen.)


welch eine dokumentation unserer upgefuckten states of mind. ich hab das anfangs gar nicht sooo politisch verstanden. und ich kenne nicht nur solche frauen (satc hat's doch nun wirklich allen beigebracht), ich kenne auch solche gedanken. die sehnsucht nach "endlich einem, der kommt und mich heiratet" ist nicht zwangsläufig die nach dem mutterdasein. es ist "being kept and taken care of", being mrs. somebody, die erlaubnis, mich nicht immer nur über meine eigene leistung definieren zu müssen sondern teil einer (paar-)gemeinschaft sein zu dürfen, in der ich auch mal nehmen darf... tausendmal diskutiert, die rückkehr der weibchen - ganz so einfach meine ich's nicht.


warum denn diese wütende bitternis?

Wäre ich bitter, würde ich weder schreiben noch lesen. :)

Mich regt nur mit zunehmendem Alter das reflexartige Fingerzeigen und Wegdelegieren auf; egal aus welchem Lager (was jetzt vermutlich ein meta-mäßiges Eigentor wird, aber egal).

"das soziale" kann man immer von einer politischen klasse fordern, ich wüsste nicht einmal, was man sonst von ihr fordern sollte, nicht wahr?

Mir fällt ganz viel ein, was man von der/einer politischen Klasse fordern könnte. Und ja, selbstverständlich auch "das Soziale".

Was mich nervt, gerade unter diesem eigentlich sehr schönen Aufhänger "geschichte der sehnsucht nach family values": Dass zu viele Menschen es zuerst dort tun beziehungsweise sich keine Alternativen mehr vorstellen können/wollen zu dem, was gerade um uns herum zusammenbricht (<- nicht Sie, Herr Praschl. Denke ich.).

Dieses Raunen und an-die-Wand-pinseln von "Wirtschaft und Politik", die sich aus der Verantwortung wegstehlen, der Familie aufbürden, was sie selber verbockt haben, uns alleine im Wald stehen lassen ... als ginge es hier um irgendwelche sinistren Aliens, die "Indepence Day-"-style einen Planeten voller Altruisten ausgelutscht haben und nun wieder im Dunkel verschwinden.

Sind denn drei Jahre wirklich zu lang, um zu vergessen, dass uns diese Regierung nicht von einer Lotterie beschert wurde? Dass zuletzt wieder ca. 93 % der Wähler (insofern, mea culpa, natürlich nicht "wir alle"; das war polemisch ... :) ihr Kreuzchen bei den üblichen Verdächtigen gemacht haben, die die üblichen Komplettpakete versprachen?

was genau ist jetzt der einwand: dass man sich illusionen gemacht hat?

Der Einwand geht gegen die "Richte es für mich, lieber Staat"-Mentalität, die bei den Wählern der (Noch-)Volksparteien hier zu Lande der letzte verbliebene politische Impuls zu sein scheint (Was jetzt nicht pauschal gegen Anwesende und Mitlesende geht; wie könnte/sollte es auch. Ich mache mir ja auch Illusionen; jeden Tag).

Aber dieser Staat wird es eben nicht richten; soweit zumindest meine Erwartung an die nächsten dreißig Jahre. Er wird vermutlich nie wieder in der Lage sein, uns so weich zu polstern, wie er es in den Sechzigern und Siebzigern getan/versucht hat. Allein die obszöne Pro-Kopf-Verschuldung spricht dagegen, es auch nur zu versuchen.

Aber - und das ist mein unmaßgebliches Fazit aus zwanzig Jahren Kreuzchen machen - wenn unsere gewählten Vertreter aufhören würde, uns vorzulügen, sie könnten es, und wenn sie aufhören würde, uns (<- die arbeitenden Menschen) bei dem hoffnungslosen Versuch auszuplündern ... Dann hätten Familien und alternative Lebensgemeinschaften jedweder Couleur und Kleinunternehmen und überhaupt alle, die inzwischen vor Angst nicht mehr denken können, wieder etwas mehr Kohle in der Tasche, etwas mehr Luft, etwas mehr Raum, den sie gestalten könnten (<- Und müssten; klar.)

(Fräulein wenn-doch-jemand-käme-um-mich-zu-heiraten macht damit ja auch erst mal einer ökonomischen Sorge Luft; sonst käme der Stoßseufzer wohl kaum vor dem Hintergrund des Jobs.)

Worauf ich raus will? Sicher auf kein Patentrezept.

Ich hätte einfach nur gerne, dass wieder mehr vor der eigenen Tür gekehrt wird.

Diese wundervolle Speisekarte von Lebensentwürfen, die uns heute offen stehen und die ich alle großartig finde, hat eine Fußnote, die keiner zu lesen scheint: "Proceed at your own risk". Wenn sich zum Beispiel Millionen Menschen in den Neunzigern die Freiheit nehmen, Aktien zu kaufen, in schicke Singlewohnungen zu ziehen und auch sonst zu tun, was ihnen einfällt und möglich ist (<- nichts dagegen), wäre es doch naiv anzunehmen, dass dies ohne Auswirkung auf das Gefüge des politisch und wirtschaftlich Machbaren bleibt.

Reality check, bitte. Eine Wahlurne ist doch keine Gepäckaufgabe für Verstand und Verantwortungsgefühl. Weder Maggie Merkel noch Schröders zerbröselnde Band of Brothers (für die ich auch zwei Mal zähneknirschend gestimmt habe) werden uns rausreißen. Sie können und wollen nichts anderes, als uns einzureden, dass wir in einem sturmumtosten Kindergarten mit 80 Millionen Insassen sitzen und sie es besser wissen. Tun sie nicht.

(Erinnert sich noch jemand, wie Schröder "Das ist mein Aufschwung!" delirierte? Wie kann man jemandem das Ruder in die Hand geben, der seine eigene Bedeutung so maßlos überschätzt?)

Ich glaube, je eher wir (<- Wähler) aufhören, diesen Clowns Blankoschecks auszustellen, umso schneller können wir wieder mehr aus unserem Leben machen, anstatt Ängste und Feindbilder zu pflegen.

Ich glaube, dass es genug Platz gibt für die Kommunitaristen, für den Kleinunternehmer, Fräulein Ach-käme-doch-einer, für die Großfamilie, für den einsamen Wolf; für jede denkbare Value-Sehnsucht. Wir (als Gesellschaft, meine ich) füllen diesen Platz bloß nicht aus - beziehungsweise lassen zu, dass sich dort ein wasserköpfiger, selbstherrlicher Popanz breit macht.

(Das ist übrigens meine kleine Verschwörungstheorie: Dass die politische Klasse der westlichen Welt - gerade jetzt, wo es ökonomisch ans Eingemachte geht - alles tun wird, um zu verhindern, dass wir aus ihrer deutlicher werdenden Machtlosigkeit ernsthafte Konsequenzen ziehen. Und ich kann mir ehrlich gesagt kein Mittel vorstellen, vor dem sie dabei zurückschrecken würde. Paranoiamodus aus.)

Es ist mir egal, ob ein Herr Stoiber die Familie oder das schwule Pärchen als Keimzelle eines gottgefälligen Lebens lobt. Es geht ihn nichts an. Was muss mich diese Phrasendrescherei interessieren?

Weder sind "wir" - und das wollte ich auch nicht implizieren - "alle mies", noch Melkvieh oder Schutzbefohlene einer es besser wissenden politischen Klasse.

Denke ich.

(Und was die Sache mit dem Feind angeht: Hier. Es ist nicht so schwer, von den Dosen im Wald eine Brücke ins Jahr 2005 zu schlagen.)


Tschulligung für die Wortkaskade eben, aber zum Runterspülen würde ich dann gerne noch Nachschlag aus SPOn liefern: "Ungedeckte Schecks".

Die Unfähigkeit, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen, das ist eine Sache. Aber sich beim ohnehin konfusen Wahlvolk Stimmen zu kaufen mit dem Geld kommender Generationen; das ist möglicherweise das Verkommenste, was die politische Klasse sich leistet.

Wer Kinder hat, wird vermutlich in zwanzig Jahren viel zu erklären haben. Ob ein einfaches "Ich hab die nicht gewählt" da ausreichen wird?


fingerzeigen, wegdelegieren, nicht vor der eigenen türe kehren: ach, ich weiß nicht, ist das nicht auch fingerzeigen? wenn leute von politikern wollen, dass die eine politik machen, die ihre interessen befördert, ist das doch nichts verwerfliches oder auch nur gedankenmüdes. ist das nicht der sinn von delegation? ich habe diese und jene interessen, hier sind so und so viele, die mir weismachen, dass meine interessen bei ihnen gut aufgehoben sind, ich gucke sie mir alle an und hinterher mache ich meine wahl bei dem einem von ihnen, von dem ich denke, er würde es am wenigsten von allen vergeigen, die sich zur interessensvertretung andienen. dass die welt oder auch nur das eigene leben davon sehr viel toller wird, glaubt niemand wirklich, aber andererseits ist es auch nicht wirklich schlimm oder dumm oder verwerflich. sicher, man könnte - aus viel erfahrung - zum schluss kommen, dass die alle, die einen wie die anderen, es nicht bringen mit einer vernünftigeren einrichtung der welt, und man könnte das wählen auch lassen oder versuchen, eine politik anzufangen, die richtig macht, was die politische klasse nicht richtig macht. aber wie ginge man das an - eine politik machen? ratlosigkeit, zermürbtheit, eine realistische einschätzung der eigenen chancenlosigkeit: all so was würde jedenfalls ich in meinen gedankenkaskaden auch vorkommen lassen.


aber wie ginge man das an - eine politik machen?

Oh. The Big One. :)

Ich weiß, das ist nun alles viel zu weit vom eigentlich schönen wie interessanten Aufhänger (Therborns Buch ist jetzt auf meiner Wunschliste) weggestromert, aber wie gesagt: Ich denke (inzwischen), Politik, die zu viel schultert, verhindert durch Reglementierungswut und Geldgier, dass Menschen/Familien/Unternehme[n|r] machen, was sie wollen/können/sollen. Ihren wie auch immer gearteten Value-Sehnsüchten folgen, zum Beispiel.

Ich würde mein Kreuzchen dort machen, wo man mir genau das verspricht: ein Land, das seinen Bürgern zunächst mal eine erstklassige Schulbildung (die extreme Korrelation sozialer Verhältnisse und Bildungsbiografien hierzulande ist obszön), Infrastruktur und ein gewisses Maß an Sicherheit bietet und sie ansonsten in Ruhe leben (und wirtschaften) lässt.

Klar, naiv. Wüsste auch nicht, wer so was im Angebot hat, was nun wiederum nicht ins Nicht- oder FDP-wählen münden sollte.

(Mag aber auch nur meine derzeitige minimalistische Obsession sein, die da spricht, in fünf Jahren bin ich dann wieder für den visionären, voranschreitenden Staat. Don’t know.)