Britney versucht es jetzt auch mit dem Sichneuerfindenlassen.
Fotos: Ellen von Unwerth.
Text: Britney Oops!
heute in einer buchhandlung gewesen. die buchhandlung mit den persönlichen lesetips unserer mitarbeiter, die buchhandlung, die im vergangenen jahr ein selbstmörder-schaufenster hatte, ingeborg bachmann, jean amery, die buchhandlung also, in der das buchhandeln noch ernst genommen und in der noch gedacht wird. und wieder war gedacht worden: gleich neben dem judaica-und-antisemitismus-regal (denn das ist auch eine buchhandlung mit judaica-und-antisemitismus-regal, das ist man sich schuldig) hatten sie einen amerika-schwerpunkt zusammengedacht, mit all dem kurrenten dreck, den die deutschen verlage seit 9-11 zusammengefegt haben, ende einer weltmacht, was die geheimdienste wirklich wussten & dass die in wahrheit eh selber schuld sind. und an der kasse lag uli wickerts richter aus paris.
Heinermüllerfragment, gestern nachts: "… den nicht zu vergessenden Klang der Internationale..." Heute morgen wieder der nicht zu vergessende Klang des Spiegels, diesmal für Adorno, es darf ihnen ja keiner davonkommen, der Mensch muss vors Gericht, der Mensch wird durch seine Schrullen interessant, sagt die Hausmitteilung mit dem Foto Saltzwedels, "40, der sich selbst zur Generation eins nach Adorno rechnet, man versucht sich gleich vorzustellen, wie einer beschaffen sein muss, der von sich selbst sagt, er rechne sich zur Generation eins nach Adorno, es gelingt einem nicht, doch zeigt das Dokument immerhin, dass die Menschheit, wenn sie denn in einem Saltzwedel sich zu erkennen gibt, noch retrospektiv erst einmal hinhaut, wenn einer sich zu viel herausnimmt, Adorno ist da nur ein Fall wie Manni, der Sozialhilfeempfänger in Miami, sub specie aeternitatis heißt auch: Mehr als Touristenklasse darf es nie, niemals nicht werden, Herz-Jesu-Marxist aber: gerne doch.
„Doch neben der offiziellen Geschichte zeigen die Dokumente nun auch den privaten Theodor Wiesengrund-Adorno: als Papier-Marxisten, der unentwegt sinniert, "warum die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt", aber nur ungern in der Touristenklasse über den Atlantik fährt;In der Men's Health dagegen die Kehlenkralle, auch das Metapher auf alles mögliche, Extase pur: das ist den zu lieben, dem du dich unterwirfst (sieht aber nur so aus), und vergiss nicht, dich küssen zu lassen, wehrloses dummes Ding.
Sie greifen Ihrer Geliebten mit einer entschlossenen Bewegung an den Hals, Daumen auf der Kehle, Handfläche um den Hals. Nun ziehen Sie das wehrlose Ding bestimmt zu sich, fest, aber vorsichtig, und küssen sie. Was Sie damit erreichen Dieser Griff sieht zunächst nach einem groben Unterwerfungsritual aus, man beherrscht die empfindlichste Stelle des Körpers, wo Atem und Puls fließen. Das Leben liegt in Ihrer Hand. Dramatisch. Auf der anderen Seite entsteht so die absolute Hingabe. Diese Frau vertraut Ihnen ihr Leben an. Die Melange aus Gefahr und Vertrauen, aus Zwang und Hingabe, die so entsteht, hat erotische Auswirkungen zur Folge, vor allem wenn Sie aus dem gefügig machenden Führen ein verfügendes Verführen entwickeln.Das Sedarisstück im New Yorker, Erwachsenwerden nennt man es wohl, wenn man schließlich einsieht, dass man genau die Leute doch scheisse finden soll, von denen Mutti eh immer gesagt hat, dass man sie scheisse finden muss, es gewinnt immer die Denunziation, und am Ende sind es Erinnerungen, in denen die höheren Stände zu sich finden. Ich glaube ja, dass es diese Sorte Literatur, diese Sorte Ironie sind, die gegenwärtig den größten Erfolg haben: Am Ende aller Wege findet man immer nur die eigene Kleinlichkeit wieder. Lauter Echokammern. Auch eine Art Verarmungsprogramm, keine Notausgänge, nicht einmal in der Literatur, du musst immer Benjamin Stuckrad-Barre bleiben.
Das ist wahre Ingenieurskunst. Chapeau!
Wenn Ihr euch schon vornehmt, Euren Leserinnen dabei zu helfen, ihre diversen Begierden nicht länger scheu zu verschweigen, könntet Ihr sie beim nächsten Mal bitte möglicherweise doch dazu ermuntern, ihren dämlichen Liebhabern einfach zu sagen, wenn sie geleckt werden wollen. Statt ihnen zu raten, dass sie dem Liebhaber am besten zuerst einen blasen und anschließend den Liebhaberkopf "Richtung Ziel schieben" sollen, damit der sich dankbar revanchiert. Dankbarkeitssex ist nämlich Scheisssex, als Prinzip jedenfalls. Und für den Ratschlag, Sprühsahne "erst auf den Bauch, dann weiter unten ins Spiel zu bringen", weil "er" so ein "Dessert" gar nicht ablehnen könne, sollt ihr auf der Stelle 1. Pickel, 2. Pilz, 3. ein lebenslängliches Petra-Abonnement kriegen.
weiß jemand meiner leserInnen zufällig, was die englische wendung "old switcheroo" bedeutet? ich wäre sehr dankbar dafür. im oed hab ich aber selbst schon vergebens geguckt.
popkomm 2003: olli p, wolfgang clement, dieter gorny, jeanette biedermann. noch fragen zur krise der musikindustrie?
schon sehr smooth, dieser herr d´angelo.
lummox, ein weblog, neu für mich.
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