Montag, 6. Mai 2002
Nie habe ich so gut gegessen wie in den acht Tagen, in denen ich in Sidney war, ist schon einige Jahre her. Nirgendwo habe ich bessere Kochbücher aufgetrieben, fanatischere Foodies an Nebentischen belauscht, in besseren Restaurants gesessen. Warum dort so viele Köche so unfassbar gut kochen, lässt sich nicht sehr schwer erklären. Sidney ist eine Einwandererstadt mit dem ein wenig ungewöhnlichen Charakteristikum, dass die Einwandererung in mehreren recht distinkten Wellen stattgefunden hat (italienisch, griechisch, asiatisch), zwischen denen jeweils jahrelange Pausen lagen, in denen die verschiedenen ethnic cuisines Zeit hatten, ihre Anhängerschaft zu finden, sich zu verfeinern, vor sich hin zu experimentieren; in Sidney gibt es viele Lesben und Schwule, in Städten mit vielen Lesben und Schwulen gibt es meistens mehr gute Restaurants als in Heten-Städten, die Leute gehen mehr aus, haben mehr Geld (weil kinderlose Doppelverdiener-Paare) für Genuss und mehr Geschmack; es gab keine gute originäre australische Küche, die man erst aus dem Feld hätte schlagen müssen (in Italien und Frankreich haben Neuerer es ziemlich schwer, weil dort schon die Volksküchen so verdammt gut sind); in Australien gedeiht das meiste Zeug, das man für eine gute Küche braucht, prächtig; und es gibt dort viele Leute mit Unternehmungsgeist, die ohne große Bedenken einfach mal experimentieren. Aus irgendeinem Grund gibt es in Sidney auch einen ziemlich guten Food-Journalismus, eher neugierig als auf Urteilsfindung aus, eher an Entdeckungen interessiert als daran, dem Leser zu sagen, ob er für sein Geld auch einen reellen Gegenwert bekommt. Die beste Food-Zeitschrift, die ich kenne, ist nach wie vor die - auch hierzulande an gut sortierten Bahnhofskiosken erhältliche - Australian Vogue Entertaining, die in jeder Ausgabe genügend irre Fusion-Rezepte enthält, um mich, der ich in meiner Oralfixiertheit keiner Seegurke, keinem Froschschenkel, keinem Pony-Steak, keinem Hühnerfuß und keinem Fünf-Chili-Gericht je ausgewichen bin, immer noch aufs Allerschönste zu verblüffen.

Schon gut, ich verliere mich gerade in sinnloser Schwärmerei. Worauf ich eigentlich hinweisen wollte, ist die ganz wunderbare Website Miettas. Dort findet man nicht nur Biografien der & Interviews mit australischen Kochgenies, sondern vor allem eine Unmenge von Rezepten, die für die eine oder andere Epiphanie sorgen. Ich empfehle besonders die Rezepte von David Thompson, in dessen Sailor´s Thai Canteen ich dreimal sehr glücklich gewesen bin; ein ziemlich geniales Ananas-Basilikum-Risotto von Antony Scholtmeyer, Kuni Ichikawas Hähnchen in Shiso-Blättern oder das rote Känguruh-Erdnuss-Curry mit Kokosreis von Andrew Blake. Falls sich das zu asiatisch anhört, liegt das an meinen Vorlieben, man findet am angegebenen Ort auch anderes.

Und die long distance dedication ist für Dich, Cat.




Damit das nicht in den Tiefen der Kommentare verschwindet: Das Camp Catatonia forscht nach einem die Arbeit erleichternden Werkzeug.
ich hab jetzt auf windows treepad, cuecards und keepinmind ausprobiert. für meine bedürfnisse haben die alle einen gewaltigen haken: keine unicode-unterstützung. daher nochmal ne frage: kennt jemand outliner, die in win2k laufen UND unicode unterstützen?
Zweckdienliche Hinweise am besten an diese Adresse.




warum die Amerikaner sklavisch jeden Scheiß nachmachen, den die Deutschen sich ausdenken? Und kann mir mal bittebitte endlich jemand sagen, wozu diese ganzen Retros gut sein sollen? Wie wäre es denn mal zur Abwechslung mit ein bißchen 2002?




Die NYT über den Trend zum Retro-Dating, bzw. Boyfriend-Recycling. Irritierend ist der letzte Satz, demzufolge man sich bei aufgewärmten Liebhabern den background check ersparen könne. Das kommt mir nun doch ein wenig selbstgefällig vor, nicht wahr?




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