vor jahren einmal nachts durch eine stadt gelaufen, von der straße aus in einen erleuchteten wintergarten schauen können, da saßen eine frau und ein mann an einem schreibtisch nebeneinander, sie trug ein abendkleid, er einen smoking, einfach so, wochentags, und da lag ein buch vor ihnen, sie lasen sich offenbar mit verteilten rollen etwas daraus vor, gemessene oberkörperbewegungen dazu, das sah ich mir fünf minuten lang an, dann ging ich weiter. seither der gedanke, die liebe würde doch ganz sicher auch darin bestehen, miteinander zu lesen, sich gemeinsam in das zu versenken, was sonst eben vereinzelt. und auch musils rede von den liebenden als "vieräugig verflochtenen" hatte ich nicht so verstanden, dass die verflechtung aus einem direkten austausch von blicken erwachsen würde - sondern so, dass ihre blicke sich beim lesen der worte auf der buchseite überlagern und vereinen würden. (ich kann mich nicht daran erinnern, ob agathe und ulrich zusammen gelesen haben.)