übrigens kommt mir die da und dort geäußerte frage "warum nicht nordkorea?", die die double standards der US-außenpolitik denunzieren soll, gelegentlich doch sehr wie eine aufforderung zur gewalt vor.






the answer is oily, honey:

kleiner nachklapp

jaja, das bild ist lustig, aber eine antwort ist das nicht. auf welche frage noch gleich. ach ja, stimmt, eine rhetorische. mir jedenfalls kommen fragen nach dem muster "warum führen die usa denn eigentlich keinen krieg gegen nordkorea?" obszön vor.


zusatz: he better be prepared for our jets. full service. gunny.


das hängt davon ab, wie die antwort beginnt.


gescheite antworten machen blöde fragen doch nicht weniger blöd.


Die Frage geht an der politischen Realität vorbei, aber sie bezieht sich auf ein politisches Konstrukt der US-Regierung, das schon ernsthaft von gestandenen Kommentatoren des Economist sang- und klanglos geschluckt worden ist: "Saddam muss weg, weil er ein böser Diktator ist."

Nun ist aber Kim Jong Il anscheinend ein noch böserer Diktator als Saddam Hussein. Es ist in diesem Kontext also sehr wohl erlaubt, diese Frage zu stellen. Man weiss, dass sie an der Realität vorbeigeht, aber sie greift das Konstrukt an. Dass sie selbst wiederum eine dumme Aufforderung zur Gewalt beinhaltet, stimmt allerdings auch. Und allein das verbietet es, die Frage in ernsthaften Diskursen zu stellen.


Ich bin mir nicht sicher, ob dieses politische Konstrukt, das es zweifelsohne gibt, tatsächlich eines der US-Regierung ist (und nicht vielmehr eines der Kommentatoren, Leitartikler, Nachdenker etc.). Ohne, dass ich alle Äußerungen der zuständigen Herrschaften verfolgt hätte, ist mir es mir immer so vorgekommen, als würden sie einen Krieg gegen Hussein damit rechtfertigen, dass er (a) gefährlich ist ("Krieg gegen den Terror") oder (b) die nach dem Ende des letzten Kriegs verhängten UN-Auflagen/Sanktionen wiederholt ignoriert hat. Beides lässt sich nicht glaubhaft belegen - zumindest muss man sich schon sehr verrenken dabei, ein paar geschmuggelten Stahlröhren, chemikalischen Apparaturen und dergleichen die Potenz von Massenvernichtungswaffen nachzusagen. "Böse" ist dagegen eine moralische Kategorie (und natürlich auch eine propagandistische), und den US-Regierungen nachzusagen, sie würden Kriege führen, weil sie gegen (in ihren Augen) böse Diktatoren wären, beruht auf einer Wahrnehmung, die der Propaganda, die attackiert werden soll, selbst schon auf den Leim geht.


die frage ist nicht per se blöd. sie kann auf verschiedene weisen verstanden werden. der ansatz der antwort zeigt dann, ob sie blöd oder weniger blöd verstanden wurde. daher, also.

Fürs "Konstrukt" hier ein Zitat aus einem Portrait von Condoleezza Rice, verfaßt von Wolfgang Koydl, erschienen am 11.1 in der SZ:

"... Aus dieser Weltanschauung lässt sich erklären, warum die Außenpolitikerin Rice das Konzept des nation building so lange abgelehnt hat. Amerika könnte und sollte nicht für andere Völker tun, was diese nicht für sich selbst tun könnten, hatte sie im Januar 2000 in einem Grundsatzartikel für die Zeitschrift Foreign Affairs geschrieben, mit dem sie über Nacht internationale Berühmtheit errang.

Aus jenem Beitrag, den sie gewohnt genial in lediglich zwei Tagen abgefasst hatte, sprach noch die Realpolitikerin Rice. Doch seit dem 11. September ist auch sie ins Lager der Moralisten übergewechselt, die Amerikas Mission darin sehen, „nicht nur eine sichere, sondern auch eine bessere Welt zu hinterlassen“, wie sie es jüngst formulierte. „Menschen auf der ganzen Welt wollen menschliche Würde“, sagte sie, und aus ihren Worten sprach ebenso wie bei George Bush tiefe Religiosität. „Wenn man Menschen die Wahl gibt zwischen Freiheit und Tyrannei, werden sie die Freiheit wählen.“ "

In der US-Außenpolitik laufen wohl mehrere Stränge zusammen. Einer davon ist wohl der moralische, das scheint mir schwer bestreitbar. Ihn ausschließlich als Propagandaeffekt zu betrachten, halte ich für zu simplistisch.


Dazu, von hier: "Die demokratische Öffentlichkeit kann angesichts all dessen allerdings nur den Kopf schütteln: Wie kann sich der amerikanische Präsident nur in eine solche ‚Glaubwürdigkeitsfalle' begeben, ausgerechnet jetzt den Irak fertig machen zu wollen, obwohl er für dessen Besitz von Massenvernichtungswaffen überhaupt keine schlüssigen Beweise hat, während doch im Fall Nordkoreas eindeutig erwiesen und sogar zugegeben ist... Müsste ein glaubwürdiges Amerika da nicht viel eher und als erstes gewaltsam gegen Nordkorea einschreiten?! Man weiß gar nicht, was man mehr würdigen soll an diesen kritischen Geistern: Wie selbstverständlich sie den USA den Maßstab erfolgreicher Weltordnungspolitik ‚Prompte Erledigung der Schurkenstaaten!' ablauschen und darüber glatt entdecken, dass sich die USA gegenüber Nordkorea übertriebener Zurückhaltung schuldig machen; oder wie nationalistisch besserwisserisch sie Amerika diesen Maßstab vorhalten, wenn sie wegen deutscher Irak-Vorbehalte auf ‚Konsequenz' in der Reihenfolge dringen. Dabei wissen sie sogar schon, dass es bei diesem Stadium der Kriegsdiplomatie auf Dauer garantiert nicht bleiben kann. Die Spekulation, wie Amerika mit diesem weit schwierigeren ‚Fall' als der Irak wohl weiterhin verfahren und fertig werden will, ist längst eröffnet."


Ja, eben. Spekulation. Kreml-Astrologie's not dead.


Das ist doch Blödsinn. Die Frage ist doch nicht, wenn schon Irak warum dann nicht Nordkorea? Sondern wenn schon nicht Nordkorea, warum denn dann Irak?