In der vergangenen Woche Neal Stephensons "Cryptonomicon" gelesen, von dem Herr Hack hierorts entschieden abgeraten hat, während Herr Knoerer es ebenso entschieden empfahl. Ich für meinen Teil mochte das Buch sehr gerne. Es gibt darin großartige Passagen über die Trance von Code-Knackern, es gibt darin ein umwerfendes Kapitel, in dem jemand während einer Messe darüber nachdenkt, wie er die einzelnen Noten einer Bach-Toccata, jede für sich, so transponieren muss, damit sie sich auf der völlig verstimmten Kirchenorgel richtig anhört, und es gibt darin eine ganz zarte Liebesgeschichte zwischen einem Code-Breaker und einer Taucherin, die sehr anders ist als die Frauen sonst so in der Gegenwartsliteratur: sachlich, nüchtern, unromantisch, gut sortiert, aber auf eine nicht kompromittierende Weise ergeben, fast so, als wäre ihre Liebe das Resultat eines logischen Schlusses (was wiederum, wie Logiker wissen müssten, nicht bedeutet, dass sie nicht leidenschaftlich wäre, eher: im Gegenteil). Merkwürdig, dass es in literarischen Texten sachliche Frauen so selten geben darf, dachte ich.