schokolade streichen, bonbons streichen, zigaretten streichen, geld vernichtende handys streichen, tätowierungen streichen, naschwerk streichen, müllabfuhr streichen, weitläufige rasenflächen streichen, rutschen und schaukeln streichen, satelliten streichen, gardinen streichen, sonnenstudios streichen, high heels streichen, beton abtragen, handtäschchen einsammeln, breite reifen zerstechen, bmws, audi tts, tiefergelegte golfs wegnehmen, hausmeister feuern, 1550 euro halbieren, 1840 euro viel zu viel, wohnungen verkleinern, einbauküche zerdeppern, mikrowelle, waschmaschine, spülmaschine, handy, mehrere fernseher, videorecorder konfiszieren, schlafanzug wegnehmen, zeichentrickfilme verbieten, nebenzimmer abschaffen, duplo weg, schüssel mit süßigkeiten weg, 1300 euro überprüfen, logik den boden unter den füßen wegziehen, alltagswissen ha!, marlboro weg, hund weg, tabletten weg, schwangerschaftstest weg, übergewicht weg, piercing weg, arbeitslosenhilfe weg, dvd-brenner weg leistungsfähigen computer einziehen, süßigkeiten weg, weingummis weg, alkohol weg, fastfood weg, exklusives fitness-studio statt rauchen, selbstgepresster obstsaft statt alkohol, presse kann er haben, beim demonstrativen konsum geht noch was, bei den angesagtesten klamotten geht noch was, beim neuesten handy geht noch was, beim auto mit dem fettesten auspuffrohr geht noch was, bei der unterhaltungselektronik geht noch was, bei den spielhöllen geht noch was, fernseher, dvd, video, pc, playstation, einfach alles, weg.

die armen haben immer noch zu viel.






Haltet den Neoliberalen!

Ich kann den "Alles streichen"-Kurzschluss nicht verstehen. Der Artikel impliziert ja nicht, dass den Armen (<- der Begriff wird natürlich stark relativiert) etwas weggenommen werden soll, sondern dass die geschilderte, Generationen überwuchernde Stasis die Folge unzureichender Bildung ist - und nicht etwa des ökonomischen Status quo. Ist es jetzt schlimm, wenn der STERN darauf hinweist, dass Eltern sich an ihren Kindern versündigen, wenn sie ihnen keinen Ausweg aus dem RTL2/XBox-/Trinkhallen-Ghetto bieten? "Investitionen in die Köpfe der Menschen, nicht in den Bauch." - das ist doch eine tragbare und nicht an irgendwelche Gesellschaftsschichtmodelle gekettete Forderung. Nein?

(Ich gehöre im übrigen laut Steuererklärung und Statistik ins obere Drittel, weitab vom Meerkamp. Ich sehe nicht fern, aber die beschriebene Lethargie kenne ich trotzdem, das nichtausdembettwollen etc. Zeit vernichten kann man auch im Internetz. Der STERN-Autor müsste sich allenfalls vorwerfen lassen, ein Phänomen sozial verortet zu haben, das eigentlich in den Genen steckt, oder in der deutschen Begeisterung für Jammertäler oder wasweißich.)


Unterschichtskinder. Da steht wirklich Unterschichtskinder in dem Artikel.


Horx findet's auch gut. Seit wann läuft denn der Stern als Das deutsche Magazin? Meine Güte.


Horx

gilt nicht


Deutscher Journalistenpreis. Sofort! Man kann richtig riechen, wie die Prolls vor Faulheit stinken.


gilt nur insofern natürlich, als man wissen muss, dass Horx mit Broder identisch ist.


ja haben die denn alle vergessen, daß arbeit frei macht?


Unterschichtskinder. Da steht wirklich Unterschichtskinder in dem Artikel.

Wie wäre es denn besser? Und vor allem: Was wäre dann besser?

Egal: Hätte sich der Autor mit irgendwelchen Euphemismen um dieses Wort herumgeschlichen, wäre ihm von jemand anders wiederum das angekrittelt worden.

Man kann sich "mitfühlender Konservativer" nennen und trotzdem die Ärmsten mitleidlos in den Arsch ficken. Man kann aber auch konstatieren, dass es inzwischen (wieder) eine Unterschicht gibt, ohne das gut zu finden - insbesondere den Aspekt, dass es immer mehr Kinder trifft, und diese Tatsache ist viel unerträglicher als die Wortwahl.


Les choses

Infotech-Ikea-Proletariat gegen Proletariat-Proletariat: Die züchten von meinen Steuergeldern Horden Duplo-fressender Vollidioten heran und ich kann mir die Wandleuchte "Yvar" nicht leisten!


die frauen vonner uni sind in schuld:

Akademikerinnen bleiben bereits heute zu über 44 Prozent kinderlos.


keine finnischen Verhältnisse bitte

Es ist doch viel billiger, die Armen mit Schokolade und Fernsehen ruhig zu stellen, als kostenlose Kindergärten mit kostenlosem gesundem Mittagessen und kostenlose Sportvereine, Musikschulen, Theaterkurse usw. für die "Unterschichtkinder" anzubieten.


frage

ich verstehs (auch) nicht ganz. geht es nicht immer vor allem darum, entscheidungen zu treffen? treffen zu können? wenn ich weiß, was es noch gibt, an möglichkeiten, nehme ich sie vielleicht wahr. oder suche sie wenigstens. es ist schwer genug, schon mit vollem kopf, wenn die umstände schlecht sind, sich nicht aufzugeben. nicht in eine flasche zu fallen, in unbeweglichkeit, hasenstarre, und sich die welt nur noch durch eine glasscheibe zu betrachten. geht schnell. aber wenigstens hat man eine handvoll kopfmöglichkeiten, erinnert sich, dass es auch anders geht. gehen könnte. aber wenn das einer nicht hat. und nichts weitergeben kann. als das, was ist. keinen hunger weitergeben kann, auf möglichkeiten. handlungsmöglichkeiten. wege. was denn dann?
geht es nicht immer auch darum? um wege aus dem nichts? wenigstens für die, die noch nichts selber entscheiden können? die kinder? die nicht wählen konnten, wo sie geboren wurden, und in was für eine familie? ist das nicht die eigentliche erbschuld?
ich denke vermutlich nicht kopflastig genug, um das auf den politischen punkt bringen zu können. es gibt vieles, was ich als kind in meinem leben gerne anders erlebt hätte. aber die wahl, von dort fortzugehen, hatte ich nur, weil sich meine eltern die hände wundgearbeitet haben in nachtschichten für uns, um uns auf eine gute schule zu schicken, und weil es bücher gab bei uns. die einem erlaubten, das andere in frage zu stellen. ich weiß nicht, wo der hebel sitzen muss. oder wer ihn ansetzen muss. vielleicht erklärt es jemand nochmal in ruhe. warum es schlecht ist, chancen zu fordern, für die, die selber keine forderungen stellen können. aber vielleicht habe ich auch einfach etwas falsch verstanden.


@stattkatze, aristocat. ich weiß nicht, ob die antwort euch zufriedenstellt, aber ich versuche es. meine empfindung bei diesem merkwürdigen artikel: es schickt sich nicht. es schickt sich nicht, durch einen armenbezirk zu gehen, die armen zu mustern und aufzuschreiben, dass sie keine armen sind, weil sie dieses und jenes und das auch noch haben. es schickt sich auch dann nicht, wenn man das nur zwei drittel eines artikels lang so betreibt und ein drittel lang hinterherschiebt, dass es doch eine armut gibt, die armut im geiste, die armut an bildung usw. dieser blick schickt sich nicht, dieses inventarisieren des besitzes schickt sich nicht, diese befunde, dass es den gemusterten doch an gar nichts gebricht, jedenfalls nicht an besitztümern und habseligkeiten. es schickt sich nicht, weil es wieder einmal über andere leute feststellt, dass sie zu viel haben, zu vieles haben, weil es über anderer leute bedürfnisse befindet, dass es keine richtigen bedürfnisse sind, sondern nur falsche - und weil diese anderen leute die leute sind, denen man ohnehin schon vieles genommen, nie gegeben hat, weil diese anderen leute jene leute sind, die sowieso unaufhörlich auf eine weise angesehen werden, die kein ansehen ist, sondern ein ins-visier-nehmen, ein auf-sie-anlegen, ein überprüfen dessen, was ihnen noch zugemutet werden kann, und sei es auch nur im konjunktiv. es ist, und das ist das traurigste, der übliche blick, der blick, den man den unterschichten gönnt, diese mischung aus gruseln und pädagogik. es ist dieser blick, den auch genau das fernsehen, das in diesem artikel besprochen wird, auf die leute wirft, der supernanny-blick, der frauentausch-blick, der bigbrother-blick, und zwischen all diesen blicken ist ein kontinuum, auch wenn der eine sich besorgt gibt und der andere es beim unverhohlenen amüsement bewenden lässt. es ist kein blick, der die leute liebt, um die sich zu sorgen er vorgibt, es ist der blick, der den leuten immer bloß vorrechnet, dass sie idioten sind, selbst schuld, und dass sie immer noch zu viel haben, das falsche haben. es ist ein blick, mit dem die mittelschicht sich selbst nie anschaut, jedenfalls nicht in illustrierten, nur manchmal in der literatur. es ist der blick, mit dem nur die niederen stände angesehen werden, nie der eigene stand, nie geht einer durch die geräumigen altbauwohnungen und protokolliert, welche not im geiste und in den gefühlen in den altbauwohnungen herrscht, obwohl es doch die feuchtigkeitscremes gibt und die 60 gig-ipods und die besseren klackernden schuhe mit dem besseren klackern und die höhergelegten autos und all das, und dass man auch in den altbauwohnungen in den besseren vierteln nicht den orangensaft trinkt, sondern den schönen rotwein, abend für abend, während man sich sorgen macht über den verfall der niederen stände und über die unkosten, die die niederen stände dem standort verursachen. wenn ich mir sorgen machen würde über die fehlende bildung, die fehlenden bücher und all das, dann würde ich über diese sorge schreiben und über die wege, wie man mir diese sorge nehmen könnte, aber das wäre vermutlich ja nur ein weiterer artikel über das bildungssystem, in das niemand investiert, es sei denn, es wären kompetenzzentren und eliteinstitute, und die menschen in den altbauwohnungen würden solche artikel einander nicht mehr zuraunen, weil sie doch wüssten, dass ein bildungssystem für die niederen stände doch immer nur weitere unkosten in den altbauwohnungen nach sich zögen. aber dass die angeblich armen nur angeblich arm sind, weil sie doch fernseher haben und playstations und sich das sonnenstudio leisten können und die handtäschchen, das raunt man einander gerne zu und das macht keine unkosten.

so in etwa. ich weiß nicht, ob das als antwort genügt.


ja

danke. das habe ich nicht gesehen. den oberlehrerblick. ohne mitleid.


10 Millionen,

referiert übrigens Wüllenweber, leben von weniger als 60% des Durchschnittseinkommens. Ich habe in meiner Altbauwohnung gerade die Statistik nicht zur Hand und schätze deshalb, dass mindestens 60 Millionen weniger als 100% des Durchschnitts haben. Mehr müsste gar nicht geschrieben werden, gäbe es da nicht das unstillbare Distinktionsbedürfnis so vieler Leute, deren Phantasie im wesentlichen mit der Hochschulreife oder kurz danach erloschen ist. Seitdem ist ihre Lieblingsbeschäftigung, jeden Tag in einem irgendeinem Magazin die dümmliche Behauptung zu lesen, dass intellektuelle Genügsamkeit und Verwahrlosung jeder Art vor allem Menschen mit geringerer formaler Bildung und kleinerem Geld vorbehalten sei, als sie selbst aufweisen.

Für die Generationen überwuchernde Stasis der Zahnarzt- und Fabrikantendynastien und des übrigen Feudal- und Geldadels lesen Sie bitte das Goldene Blatt oder schauen den Beitrag von Rolf Seelmann-Eggebert.


Das Wurstbudenbesitzerschnorchen in den Horxkommentaren und Köppelartikeln hat mich stets verblüfft, bis ich draufgekommen bin, dass es ja Kleingewerbler sind, die da schreiben.


Hmm. Der Aspekt der Schicklichkeit, ja, das stimmt. Diese Fledderei ist zumindest im Fernsehe noch ekelhafter als alles andere. Wenn sie zeigen, wie der Kammerjäger in Neukölln unterwegs ist, und man weiß, dass man sich nicht vor den Kakerlaken ekeln soll, sondern vor denen, die sich ihrer nicht erwehren. Habe ich in diesem Artikel nicht so gesehen, weil mir eben die Schlussfolgerung wichtig und richtig schien. Die vorherigen zwei Drittel sind nicht gerade von Noblesse geprägt.

Auch das mit "Gruseln und Pädagogik" stimmt; ich kann mich da nicht ausnehmen. Man sieht (Es ist doch immer wieder aufschlussreich, wie sich das Passiv zuschaltet, sobald es um unangenehme Erkenntnisse geht) die Möglichkeit des eigenen Elends, und der innere Buchhalter greint: "Siehste? Siehste? Das passiert, wenn Du heute wieder nur im Netz rumhängst, statt was zu schaffen!"

Mag sein, dass das böse, böse System mich nur bei der Stange halten will, "There can be no in if there is no outside" und so. Aber ich will halt meine Playstation auch nicht zurückgeben.

Was mich zum Punkt "Unterschichten-Bashing" bringt (bleiben wir mal bei der Terminologie; "Unterschichtskinder" ist hässlich, aber politisch korrektes Umetikettieren hat die Welt noch nie besser gemacht). Du hast Recht: Zumindest qua Illustrierte wirft der "Mittelstand" diesen Blick nur auf andere, nie in den Spiegel. Aber das oberste Zehntel (oder das, was der Boulevard dafür hält) wird doch genauso scheel angesehen. Das Kopfschütteln über geschmacklose russische Bonzen und ihre platinblonden Gattinnen, die überschminkten alten Schachteln in Bussibussi-Land, guck doch mal die da, muss die es nötig haben ... Das Muster ist doch dasselbe: Warum haben die das, einfach so, warum nicht ich?

Und ich glaube nicht, dass dieses Muster sich nur bei der Hartz IV-Fans verorten lässt. Es wäre doch allzu interessant, was in deutschen Wohnzimmern gezischt wird, wenn Snoop Dog seinen diamantbesetzten iPod ins Bild hält. Wobei sich Snoop den iPod natürlich nicht so leicht wegnehmen lässt.

Was soll’s. Absoluter Wohlstand interessiert keine Sau; es geht immer nur drum, was die anderen haben, dürfen die das, ich will auch. Rat Race eben.

Dass Politiker das instrumentalisieren, ist klar; dass ein langer, langer Artikel über das Bildungssystem im Stern wie auf dem Sofa erst mal ein angestrengtes Seufzen nach sich ziehen würde, auch.

Ich würde ihn trotzdem lesen.


"die armen im geiste"....

Blessed are the meek: for they shall inherit the earth.
na dann viel spass.


ich finde ueberigens

unterschichtskinder keineswegs haesslich sondern ehrlich und wahr.
kotzen kann ich immer wenn es um die bildungsfernen schihten geht, weil da ganz klar ein "doof" drinnesteckt.

hey, ich kann lesen, schreiben und weiss, wer dieser komische adorno ist; ich bin nicht doof und furchtbar bildungsnah.


bei bildungsnah

muß ich immer an den Fuzzballerspruch "Knapp daneben is auch vorbei" denken


;-)

ich muss bei dem ganzen immer an videohuellen in buchrueckoptik denken.


Einen Begriff wie "Unterschichtskinder" einzuführen, finde ich geschmacklos. Kinder sind erstmal gar nicht, außer Kinder. Manchmal habe ich das Gefühl, das es in Deutschland eine richtige Sehnsucht nach einer Unterschicht gibt, damit man sich eine um ihre Pfründe kämpfende Mittelschicht denken kann, dass man nicht mit den Schmuddelkindern spielt. Ghettobildung für die Medien, damit man wahlweise RTL2 hinschicken kann, die dann die "schlimmen Zustände" und "Sozialschmarotzer" filmen, oder einen vom Stern, der eine bigotte Sozialreportage für die Zahnarztwartezimmer schreibt.


hm,

ich kenne das so, von meiner mama selig, die soziologin war.


Einen Begriff wie "Unterschichtskinder" einzuführen, finde ich geschmacklos. Kinder sind erstmal gar nicht, außer Kinder.

Ähm, ist das jetzt nicht Ästhetizismus an der falschen Stelle? Ein Kind, dem es schlecht geht, ist genau das. Und Kinderarmut in Deutschland ist ein konkretes Problem; wenn sogar die politische Klasse das zugibt, muss es arg sein.

Schicht oder nicht: In mir kocht der Zorn hoch, wenn ich sehe, wie Eltern ihre ohnehin fetten Kinder bei McDonalds ruhigstopfen (der SPIEGEL hatte ein paar lesenswerte Artikel über den Zusammenhang von Armut und Fettleibigkeit, sind aber alle im Archiv verschwunden), ihre Kinder auf der Straße anbrüllen, sie schlagen, ihnen ins Gesicht paffen, ihnen beibringen, dass wer lauter und stärker ist, Recht kriegt etc. Das ist kein wohliges Gruseln des Altbauelfenbeinturms vor der Unterschicht, sondern leise Verzweiflung, dass sich hier wieder mal ein Kreis schließt.

Wenn einer mit 45 auf der Couch hängt, kein Job, keine Chance, je wieder reinzufinden, ja, dann kriecht schon mal dieser hässliche Gedanke in den Kopf: Kann man nix mehr machen; Adieu.

Wenn ich über diese per TV ruhiggestellten Kinder höre, deren Sozialisation zwischen Hip Hop-Video und Bierhalle stattfindet, dann kommt ein noch viel hässlicherer Gedanke: Rausholen, da, sofort. Das System können wir später ändern; jetzt diese hier retten, ihnen zeigen, was für Möglichkeiten ihnen ihr Kopf bietet. Aber das ist natürlich eine Starker-Staat-Idee, mag ich nicht und verbiete es mir daher gleich wieder.


ah, sie bevorzugen

das schwedische modell?
den asozialen die kinder wegnehmen und aufrechten christlichen akademikern, die ungewollt oder aus zeitmangel kinderlos gebleiben sind zur verfuegung stellen, auf das klare grade menschen aus ihnen wuerden?

und wenn dann alle klaren graden menschen versorgt sind...
aehm naja, wenn die tochter es schon selber sagt:
"Als sie mit Fabian schwanger war, hat ihre Älteste, damals elf, sie beiseite genommen. "Sie wurde ganz streng und hat gesagt: "Mama, du musst dich sterilisieren lassen." Ja, und genau das mach ich jetzt. Ich krieg das mit den Männern einfach nicht in den Griff.""


den asozialen die kinder wegnehmen und aufrechten christlichen akademikern [...] zur verfuegung stellen

Ich bin weder Christ noch Akademiker und finde diesen Wegnehmgedanken wie gesagt schauerlich, zumal er impliziert, dass der wegnehmende Staat es besser weiß/kann, was zu glauben mir beim Blick in die Zeitung schwer fällt. Muss anders gehen.

Aber wenn es darum geht, dass die Verhältnisse schlecht sind und man etwas ändern sollte, lautet doch die erste Frage: Wer ist am wehrlosesten, wer kann die Hilfe am besten gebrauchen?

Würde man eine Umfrage machen, ob Menschen lieber gesund sein oder kränkeln, lieber fett oder schlank sein, lieber klug oder abgehängt werden wollen, würde die Ergebnisse wohl recht deutlich ausfallen. Dummerweise aber erfolgen die entsprechenden Weichenstellungen in einem Alter, in dem man nicht gefragt, sondern schlimmstenfalls vor dem Fernseher abgestellt wird.


komisch,

wieviele von solchen leuten kennen sie eigentlich?
ich kenne so einige und die wuerden ihnen ganz gepflegt die ohren langziehen, wenn sie das hier alles lesen wuerden.
tun sie nicht, weil die haben ihr internet natuerlich fuer porneaux und ebay, aber gesetzt den fall...

so wie sie ueber leute reden, ist das IMHO kein stueck besser als dieser artikel.
anmassend, mindestens.

btw ich wollte ihnen kein christentum unterstellen, aber bei schweden kommt immer meine bullerbue-allergie zum tragen.


nun ja, gepflegt die ohren langziehen wäre keine besonders taugliche beweisführung, und anmaßend ist da - imho - auch nichts, es sei denn, das retten-wollen wäre immer, unter allen umständen eine anmaßung, auch, wenn es, wie bei aristocat, so ratlos und sich selbst in den arm fallend daherkommt, und, I confess, ich wüßte auch nicht, wohin man ohne den rettenwollen-impuls käme.


Komisch, das scheint in letzter Zeit ein Trend zu sein; dieses formal wie inhaltlich betont lässige Abstreifen von allem, das auf ernsthafte Fragestellungen rausläuft. Hey; wir machen doch nur Spaß hier, die Armen (been there, done that, alles Freunde von mir) haben ebay und porneaux, haha, und wir plänkeln hier ein bisschen beim Praschl rum. Alles andere ist Sozialkitsch. Und wer die Verhältnisse zu laut doof findet, maßt sich was an. Und wir wissen ja, wohin so was führt; in der Produktion eine auf die Schnauze kriegen und so.

Merkwürdig, wie gut dieser Text zur Melodie von "Es gibt keine Krise, Deutschland geht es gut" passt.


es sei denn, das retten-wollen wäre immer, unter allen umständen eine anmaßung

Ist es ja vermutlich auch; zumindest als verbaler Vorschuss auf etwas, das dann bitte erst mal andere einlösen sollen; ich kann mich da nicht ganz ausnehmen.

Der allerletzte Mensch, mit dem ich (vielleicht von Herrn Horx mal abgesehen) auf einer Seite sein will, ist Herr Bush, der Jahre vor seiner Wahl mal sagte, dass man Menschen, denen man wieder und wieder hilft, ihre Menschenwürde raubt. Ich fand das damals (neoliberale Phase) zähneknirschend großartig, inzwischen weiß ich nicht mehr so recht. Daher das selbst-in-den-Arm-fallen. Ich weiß nicht mal, wo man so was diskutieren kann, ohne dass alle erst mal demonstrativ die Augen rollen. Als Kompromiss spende/schreibe/mache ich zwischendrin bisschen was für die, die keine Stimme haben, was ich wörtlich meine. Ist vermutlich auch eine Übersprunghandlung, und ich sollte eigentlich die Altbauwohnung räumen, aber gut.


"dieses formal wie inhaltlich betont lässige Abstreifen von allem, das auf ernsthafte Fragestellungen rausläuft"

das haben sie missverstanden.
aber dieses ueber menschen reden als waere die eben, wie soll ich sagen, zwingend hilfsbeduerftig, nur weil ihr leben ein anderes ist als ihrs oder meinetwegen auch meins, das hat sowas sozialarbeiterisches, komm, ich weiss es besser, ich zeig dir wos hingehn soll, du bist doch nur bisschen doof, aber daran sind ja die verhaeltnisse schuld etc.
da krieg ich hass.
wo steht geschrieben, das dieses altbau-adorno-rotwein-bildungs-leben das richtige sein soll?
und letztlich gibt es immer noch kein richtiges leben im falschen.

ich glorifiziere nicht das lumpenproletariat, wenn sie mir das evtl als naechstes ans bein binden wollen.

ich konstatiere nur, das hier ein ghetto ueber das andere herzieht.


@praschl:

doch, ich finde retten-wollen anmassend. weil es beinhaltet, das man selber auf der guten seite steht.
ist das so?
warum?
weil man das nicht tut, sein kind anschreien, anrauchen? den tag vergammeln vorm fernsehn und kinder mit 3 verschiedenen arbeitslosen haben?
wer macht diese regeln und wer sagt uns, das die auch morgen noch bestand haben?
bullerbue.
seien wir ehrlich:
es koennen nicht alle mittelschicht sein.
nicht in diesem system oder was auch immer schuld ist.


Jetzt wird es ja doch noch greifbar.

ueber menschen reden als waere die eben, wie soll ich sagen, zwingend hilfsbeduerftig, nur weil ihr leben ein anderes ist als ihrs oder meinetwegen auch meins, das hat sowas sozialarbeiterisches

Mag sein, siehe obiges Bush-Zitat: Man wird zum Rennen motiviert (oder meinetwegen zum Sackhüpfen, damit das jetzt nicht so elitär daherkommt), und da will einer vielleicht nur in Ruhe Spazieren gehen.

Leider kann man ja heute nicht mehr hingehen und fragen: "Hey, möchtest Du anders/besser leben?", weil darauf vermutlich 99 % bis hinauf zum Schampuserben "Ja!" krähen. Wir wollen alle einen guten, äh, Return on Investment, das hat mit "Schicht" nix zu tun.

Insofern mache ich mich da sicher eines Sozialarbeiterreflexes schuldig (Was mich jetzt an diese Serie von "Lass Dich nicht abschreiben"-Spots erinnert, die in den letzten Jahren liefen. Ich konnte da fast heulen vor sozialarbeiterischer Emphase :) , Begeisterung für das geschriebene Wort; und die Zielgruppe bekommt vermutlich das große Kotzen.)

wo steht geschrieben, das dieses altbau-adorno-rotwein-bildungs-leben das richtige sein soll?

Nirgends.

Es ist nur so (lassen wir den Adorno mal weg, ist nicht mein Terrain), dass die Medien (alle, soweit es das betrifft) uns Tag und Nacht vorführen, was besitzenswert ist (<- Werbung), und wie clever man sich anstellen muss, um es zu bekommen (<- redaktioneller Teil). Und die meisten Menschen laufen dieser Karotte begeistert nach; nur eben in verschiedenem Tempo. Soweit zumindest meine Erfahrung.

ich glorifiziere nicht das lumpenproletariat, wenn sie mir das evtl als naechstes ans bein binden wollen.

War nicht meine Absicht.

Ich habe letztes Jahr einen Menschen kennen gelernt, den ich bewundere, den ich für zehn Mal klüger halte als mich und Leute, denen ich Rede und Antwort stehen muss. Er lebt in einfachen Verhältnissen, was ich irgendwie empörend fand ("Mensch, der müsste mit seinen Fähigkeiten doch blablabla ..."). Dann habe ich verstanden, dass er sein Leben mag, wie es ist, und mich für meine flotten Rückschlüsse geschämt.

Und im Gegensatz zu mir hat er Zeit zum Lesen.


@ mutant:
Natürlich haben Sie recht, wenn Sie sagen, daß die Standards, nach denen wir sagen, daß es nicht gut ist, seine Kinder anzuschreinen und vollzupaffen, schon morgen andere sein könnten. Genau hier beginne ich mich aber zu fragen, wozu die relativistisch funktionierenden Argumente, die Sie bringen, noch dienen sollen. Das Fazit kann doch nicht sein, daß man den Mund hält, sobald man sieht, daß die eigenen Standards Konstrukte sind. Wenn man die Debatte beendet, indem man sagt, daß jedes »Retten-Wollen« anmaßend ist, hat man gar nichts erreicht. Relativierendes Denken ist wichtig, um sich vor der eigenen Arroganz zu schützen, und nicht, um sich selbst bis zur Handlungsunfähigkeit an die eigene Nase zu fassen.


ich fass mir garnicht an die nase.

ich denke im hinterkopf ziemlich viel darueber nach, warum die dinge so sind, wie sie sind und und ob es auch nur den hauch einer chance gibt, das sie sich aendern.
mich hat hier nur gestoert, das der artikel verrissen wurde (und ja, der ist tatsaechlich eine frechheit), dann aber nach und nach derselbe tenor in sozialarbeiterisch um die ecke kam.
mag sein, das ich das nur durch den zynismusfilter gelesen hab, aber manchmal bleibt nicht viel mehr als das..


autonomie der lebenspraxis

hat jeder mensch, sogar blogger auch. und wenn zu deren lebenspraxis gehört, die kinder schon morgens vor die glotze zu hauen, sehe ich keinen grund, diesen umstand in irgend einer weise zu kommentieren


Es ist beides, denke ich. Zum einen: klar werde ich nicht hingehen und Leute retten wollen, die viel Fernsehen, nicht arbeiten und mit dicken Bässen und breiten Reifen durch die Gegend fahren. Im Gegenteil.

Das ist aber nicht der Punkt. Es gibt ausser den stilistischen Unterschieden noch so etwas wie reales Elend: Männer, die vor der Augen der Kinder die Frauen mit dem Gürtel auspeitschen; dreizehnjährige, die drei Entgiftungskuren wegen Deospray-Schnüffeln hinter sich haben (was sehr schnell das vegetative Nervensystem ganz platt machen kann). Solche Dinge.


geht es also

letztenendes nur um die kinder?
ist das der punkt?
die armen, unschuldigen kleinen?
sorry, es geht schon wieder mit mir durch.
die frauenschlaeger sind schon mal kein unterschichtsproblem, das koennen sie auch bei reichen leuten haben. vielleicht ist es im unterschichtmilieu offensichtlicher, weil es nicht in dem masse problematisiert wird.
und da kamen wir dann auch langsam um die kurve:
gehn sie mal als mutter eines kindes mit mittelklassemuettern unterwegs und paffen da rum, geben dem kind evtl bonschen en masse und evtl auch mal eins auf den hintern, dann sind sie gesellschaftlich ruiniert.
das schickt sich naemlich auch nicht.
auf dem ghettospielplatz faellt das nicht auf, da waeren sie die arrogante kuh, wenn ihr kind nur moehren essen duerfte und keinen plastikscheiss besitzt und ihre waesche nicht mit 1 liter weichspueler pro waschgang behandelt wird.

wie mans macht, ist es verkehrt.
ich sag mal aus eigener erfahrung:
man muss auf dem mittelklassespielplatz nicht mal rauchen und all das.
es reicht, ca 10jahre juenger als all die anderen muetter zu sein(obwohl kinder gleich alt), womoeglich alleinerziehend.
da kann man seine kinder noch so pc erziehen, man ist asi by nature.
deswegen meine bullerbue allergie btw.


Das versuche ich doch gerade zu differenzieren: es gibt die Frage nach dem besseren Waschmittel, und es gibt konkrete Gewalt. Sie können das mit den Waschmitteln so halten wie Sie Bock haben, aber es ist sinnlos, so zu tun, als ob das Level unmittelbarer Gewalt an einer Sonderschule der gleiche wie an einem Gymnasium ist.

(Die obigen Beispiele sind nicht zu Argumentationszwecken ausgedacht, falls Sie das meinen sollten.)


meine auch nicht.

ich weiss nicht, was heute an sonderschulen passiert. ich dachte eigentlich, sowas wie sonderschulen gibt es garnicht mehr so richtig.
ich weiss allerdings, das gymnasien heute auch nicht mehr das sind, was sie vor 15-20 jahren mal waren.
keine ahnung, das macht mir kopfschmerzen.


die 'sonderschulen' haben keine plätze mehr, weil es deutlich mehr kinder gibt, die extrem verhaltensgestört sind, keine 10 minuten an irgendwas wie schule teilnehmen können. die standardantwort, daß das kinder sind, die sich einfach nicht 'in das system' integrieren lassen wollen, ist billig. die kranke s*, die die kinder in den kopf gespült bekommen, einfach unter 'autonomie der lebenspraxis' abzulochen und wegzuheften, und das nächste fläschen trockenen weissen zu öffnen, das ist genau diese ultraliberale wurstigkeit, die mich völlig sprachlos macht, und dem kapitalistischen 'alles was der markt will, ist ok' gleicht wie ein ei dem anderen. ich merke, ich rege mich völlig auf, weil ich diese gleichsetzung von einschränkung der freiheit von menschen (kinder vorm fernsehen) mit einer wertung dieses drecks, der aus profitgründen hergestellt und verbreitet wird, einfach daneben finde.


ich weiss nicht,

echt nicht, ob diese fernsehsache oder auch die schlechte ernaehrung wirklich ein unterschicht problem ist und nicht tatsaechlich weit in die mittelklasse reinragt.
wie auch die hilflosigkeit in der erziehung.
das ganze laisser faire der 68er ist geplatzt und das vermeintlich aufgeklaerte fruehfoerderungs-, babyschwimm-, bioglaeschen-blabla der jetzt 35-40jaehrigen wird denen auch auf die fuesse fallen, so sicher wie das amen in der kirche.
und das sind alles obere mittelklasse konstrukte.
so, ich bin raus hier, weil ich werd nur sauer und zynisch und pessimistisch, wenn ich mich noch laenger damit befasse.


wenn zu deren lebenspraxis gehört, die kinder schon morgens vor die glotze zu hauen, sehe ich keinen grund, diesen umstand in irgend einer weise zu kommentieren

Ooooh, ganz großes Tennis, oder zumindest doch klare Worte. Die einen kriegen ihren Zweitfernseher, die anderen auf die Schnauze, und so lange der Typ auf der Couch das so gut findet, hat das auch niemand zu kommentieren/kritisieren. Hauptsache, es bleibt jeder in seinem Ghetto.

Und die Geschichte, dass die meisten Menschen eigentlich arbeiten wollen, aber rausgekegelt worden sind von einer Informationsgesellschaft, die sich das Informieren nicht leisten mag, das kann dann auch gleich in die Tonne zu dem anderen Sozialarbeiterscheiß.

Ich kann nur vermuten, dass es sich ruhig schläft, wenn man erst mal diesen Grad von, nun, Gelassenheit erreicht hat. Dann müssen wir hier eigentlich auch keine Bandbreite mehr verschwenden, denn, es ist egal, nicht wahr?

(Disclaimer 1: Jaaaa, ich weiß, Frauen werden auch in Mittelschichthaushalten geprügelt, und die Rich Kids haben vermutlich auch drogenkonsumtechnisch die Nase vorn. Aber das braucht uns ja alles auch nicht zu interessieren, weil, wo der Haushaltsvorstand die Autonomie der Lebenspraxis ausruft, was soll der Stern - oder sonst wer - da noch schreiben? Wäre ja anmaßend.)

(Disclaimer 2: Ich kann mir den Strom für meinen Heiligenschein eigentlich nicht leisten; ich habe obszöne Mengen Zeit mit idiotischen Dingen verschwendet, was nun gerade nach einem selbstreferentiellen Eintrag auszusehen beginnt :) . Aber meine Eltern haben, obwohl sie elend ranklotzen mussten, mich nicht achselzuckend abgestellt, als ich - wie alle Kids - angefangen habe, Scheiße zu bauen, und dafür werde ich ihnen ewig dankbar sein. Ich musste vieles selbst auslöffeln, aber sie haben mir klargemacht, welche Optionen es gibt. Aber was soll’s? Vielleicht gibt es ja heute keine Optionen mehr, und die Geschichte ist - à la Fukuyama - für große Teile der Bevölkerung zu Ende, und ich bin Biogläschenromantiker, aber gerade eben kann ich mir Schlimmeres vorstellen.)


sie unterstellen,

das kinder abgestellt werden, weil sie scheisse bauen.
hm.
also, mal abgesehn zb das es lange zeit ein beliebter ratschlag von sog drogenberatern war, das man die kinder doch erst mal ganz unten ankommen lassen soll etc, was dann auch einige eltern befolgt haben, mangels besserer ideen(jetzt mal ganz schichtunabhaengig); ich kenne einige leute aus der unterschicht, die von ihren eltern wesentlich mehr unterstuetzung bekommen haben als widerum andere freunde von mir wo der vater prof ist zb.
aber das fuehrt hier alles zu nix.
das ist alles aneinander vorbeigeredet.

neither ghetto nor bullerbue.


das ist alles aneinander vorbeigeredet.

ja, so sieht das wohl aus, zu viele fransen am thread.

sie haben da schon recht, daß auch bei doktores eine hilflosigkeit den kindern gegenüber zu sehen ist, dieses voll'intellektuelle' einquatschen auf zweijährige, dieses totargumentieren.

ich geh' da gleichermaßen hoch, egal ob ich das im großmarkt auf der wiese oder im 'ein - bund - kräuter - 8eur - wochenmarkt' beobachte.

letztlich bleibe ich an einer stelle hängen, und das ist der begriff der 'verwahrlosung'. so oll das auch klingt (überhaupt, was heißt das, nicht mehr ordentlich verwahrt, hm..) und da erkenne ich ganz direkt auch meine eigenen schwächen. denn das beginnt schon damit, daß ich selber meine tochter ohne jede zeitbegrenzung am rechner zocken lasse, und sie irgendwann um mitternacht (frühestens) schläft, denn jede einflußnahme ist mühsam, und trotzdem bin ich davon überzeugt, daß das in dem umfang nicht positiv ist.

der erste schritt ist, eine wertung zu hinzubekommen. und das ist schon schwer, im spannungsfeld zwischen schmallippiger und arschkneifender bio - studienrats - lebensweise und krachendem hedonismus auf der anderen. ich bin aber sicher, das half life für 11 jährige nix ist.

danach geht es drum, aus der wertung etwas zu machen. da kann man sich auch nochmal davonstehlen, indem man die autonomie der lebenspraxis auch schon sechsjährigen komplett einräumt. und das ist eine extrem schwierige sache, jedes mal wieder, zu der man selber jede menge kraft und klarheit braucht. wenn ich aus der arbeit komm' und mir ein bier aufmache, dann habe ich kaum kraft dazu, mir mit der tochter irgendwelche fights zu liefern, dann macht sie, was sie will.

was ich aus dem artikel entnommen habe, (herr praschl hat den fiesen blick auf die beschrieben menschen mir gut erklärt, das hatte ich so nicht registriert, danke) ist diese kapitulation gegenüber den angeboten der warenwelt, und ja, ich habe auch schon die kinder von frau doktor mit 2 vor den teletubbies gesehen.

deswegen auch mein (vielleicht ungeschickter) ruf nach einer neuen 'raf' gegen rtl2 und kika.

so, das solls gewesen sein, ich finde zwar klasse, daß hier trotz allem immer noch nachgefragt wird, komme aber über dieses quer aneinander vorbeireden völlig schief und finster drauf....


ich glaube uebrigens,

und lasse mich dafuer gern als reaktionaer oder sonstwas bezeichnen, das eine auf den arsch fuer 11 jaehrige besser ist als half life.
und die muehsal,
naja, es macht nicht soviel muehe zu sagen: du bist um 12 zuhause. muehe wuerde es machen, darueber zu diskutieren. aber das kann man sein lassen und sagen: du kannst auch gerne schon um 10 nach hause kommen.
allerdings wundere ich mich jedesmal wieder, warum das so gut funktioniert und wie lange noch.

klar, man soll das kind als eigenstaendige person respektieren.
aber das kind soll ja auch die eltern als eltern respektieren.
also muss man auch mal arschloch sein, aus prinzip.
aber das ist eine andere geschichte und schalten sie auch naechste woche wieder ein bei dr mutants teenager sprechstunde.


ach so:

ich haue meinem kind nicht auf den arsch, die ist groesser als ich und haut womoeglich zurueck, aber nicht verraten.


Abgesehen von der grauslichen Begriffswahl ("Disziplin", "Disziplinlosigkeit", "Bildung") trifft der Artikel die Sache mit der medialen und ernaehrungsmaessigen Verwahrlosung schon auf den Kopf, finde ich. Die Konnotationen von wegen Sozialleistungen zu hoch hab ich nicht so erkannt. Vielleicht fehlt mir dazu das noetige Insiderwissen.


eine neue raf fände in den lähmung und niedrigkeit verbreitenden fernsehsendern ein lohnendes ziel. im übrigen sehe ich in einem armutsbegriff (der in der definition ein relativer ist, da er sich auf ein durchsnittseinkommen bezieht) und medizinische vollversorgung, wohnraumbereitstellung und übrige grundversorgung selbstredend einschließt, eine fette portion zynismus denen gegenüber, deren leben aus gründen von brutaler armut geprägt ist, die mit unserem system sehr eng verknüpft sind.


raf: ach, was für ein quatsch.
und was den zynismus betrifft: "ich weiß gar nicht, was ihr habt, in afrika sterben die leute früher als ihr"; "ihr seid doch gar nicht arm, als ich neulich auf urlaub war, hab ich noch viel ärmere gesehen". so in etwa?


nein, gerade umgekehrt.


verstehe ich nicht.


ich denke an dieser stelle nicht an die menschen hier, sondern an die 'in afrika'. eine armutsdiskussion auf tatsächlich derart hohem niveau wie hier würde aus der sicht eines slumbewohners, nein, so weit weg müssen wir gar nicht gehen, aus der sicht eines verarmten bewohners eines der baltischen länder (als eu - staaten nicht gar so weit entfernt) völlig unverständlich klingen.

ich ärgere mich einfach über diese maßstabsetzung an einem fiktiven durchschnittseinkommen (sind da eigentlich kapitalertäge mit eingerechnet? dann wird es vollends irre..), das für den großteil der bevölkerung ohne jede relevanz ist.

vielleicht sitze ich da einem antiquierten, mittelalterlichen begriff von armut auf, aber ich sehe diesen begriff hier einfach als unpassend.

ach, das ist schriftlich alles so schwierig auszudrücken, finde ich!


wieso

streicht keiner denen ihre porneaux?


porneaux

ist ein grundrecht, durch alle schichten.


In dieser Haltung: warum sagen die, sie seien arm, die haben doch 'Duplo' - denke ich unwillkürlich an die Irritation, die es auslöst, wenn arme Kinder (z.B. solche, deren Armut niemand bestreitet, Kinder aus Bürgerkriegsländern, 'Entwicklungsländern') auf Fotos lachen, glücklich wirken, gar nicht ihr "LiveAid"-Gesicht aufsetzen, das man instinktiv von ihnen erwartet. Anstatt erleichtert zu sein, dass sie nicht jeden Augenblick daran denken, arm zu sein.


es ist nicht schoen,

aber das live aid gesicht ist gesichter des todes.


Der Verfasser des Artikels, Herr Walter Wüllenweber, ist auch nur ein Opfer

der Verwöhnung:
Obwohl der gute Mann in seiner "Kurzbiographie" Wir Fernsehkinder gern erzählt, dass Mama, Papa und die Oma ihm sein Studium, seine Reisen und seine Autos finanzierten, hält ihn dies nicht von Anklagen ab wie "Die Meisterleistung eures Generationen-Egoismus ist und bleibt die Rente. (...) Noch nie hat sich eine Generation so schamlos aus dem Geldbeutel bedient wie ihr bei uns."
Das tut sicher weh, denn sein Geldbeutel dürfte gut gefüllt sein: bei NDR und Stern werden denen, die bereits vor 10-15 Jahren dort anfingen, noch üppige Gehälter gezahlt. Das spart man dann bei den jungen Mitarbeitern wieder ein. Falls es dennoch nicht reicht, weil Oma wieder mal lange Finger gemacht hat, sind da ja noch die Einnahmen aus Seminaren und Büchern.
Auf Fotos sieht man beim Hasser fremden Körperfettes durchaus Ansätze zu Doppelkinn und Bauch, obwohl er sicher jeden Tag verantwortungsbewusst Möhrensaft trinkt und Sport treibt, um der Gesellschaft seine Arbeitskraft zu erhalten.
In Fernsehdiskussionen (z.B. bei Frau Christiansen) lamentiert Herr Wüllenweber gern stellvertretend für die "Jugend der Nation" (äh... der Mann ist doch Jahrgang 1962?!) von der besonderen Last mit den Alten, die dem unschuldigen Nachwuchs "so gut wie nichts hinterlassen haben oder hinterlassen werden als einen hochverschuldeten, abgewirtschafteten Staat."
Nanu? Nie wird so viel vererbt werden wie in den nächsten Jahrzehnten. Sollten Mama, Papa und Oma etwa das ganze Erbe durchgebracht haben? Oder ging es damals drauf für das Studium des Sohnemanns?
Herr Wüllenweber kann vor allen Dingen eines gut: Menschen gegeneinander aufwiegeln. Hat ja auch hier bestens funktioniert, nicht wahr?


HAHA!

Die größten Kritiker der Elche sind selber welche! Trotzdem sind mir erfolgreiche, gebildete schlanke Leute lieber als dumme, fette Verlierer.


Immer dasselbe: Wasser predigen und Wein trinken. Wie die Politiker.


Äh, ja. Whatever.

Interessanterweise ist der einzige Stern-Artikel (außer dem hier diskutierten), den ich in den letzten zehn Jahren gelesen und behalten habe, eben diese Renten-Polemik. War lustig, wie dem Feuilleton damals Monate lang der Schaum vor dem Mund stand. Da stand allzuviel drin, was niemand hören wollte.

Also gut. Ich mag den Stern nicht, dieses bräsig-vereinnehmende "Wir Deutsche"-Geseiere, und ich würde mit dem Herrn Wüllenweber weder gerne zusammenarbeiten noch ein Bier trinken wollen, und ich gebe nach nochmaliger Lektüre gerne zu, dass der Armutsartikel handwerklich schwach und manipulativ ist.

In beiden Fällen aber bin ich mit den Schlussfolgerungen einverstanden.

Ja; es läuft was falsch. Es geht zu viel Kohle in das Flicken maroder Systeme und Strukturen.
Ja; es steckt zuviel Geld in unseren Straßen und zu wenig in den Köpfen unserer Kinder.
Ja; die Spielregeln werden von denen gemacht, die davon profitieren, und das ist eine immer älter und konservativer und ängstlicher werdende Selbstverwaltung, die sich trotz aller Reformhektik immer wieder nach 1950 zurückwünscht und sich dementsprechende Idiotien und Ansprüche leistet. Ob die nun gerade rot oder schwarz angestrichen ist, macht keinen so großen Unterschied mehr.
Ja; Armut wird ebenso wie Reichtum verwaltet, nicht hinterfragt. Weil es bequem ist, weil es den Wasserkopf der Verwaltung legitimiert und für all die parasitären Strukturen dahinter, all die Agenturen und Dienstleister, auch sehr profitabel ist.
Ja; es ist skandalös, in was für einem Zustand unser Bildungssystem ist, und dass es vermutlich mit Bruchteilen der Summen in Ordnung gebracht werden könnte, die heute in todgeweihte Industrien, obskure Steuersparmodelle und großmannssüchtige Extravaganzen unserer politischen Klasse gesteckt werden.

Nein, ich glaube nicht, dass man jedes Problem mit Geld lösen kann oder dass reiche Eltern automatisch irgendwas besser können als ärmere, insbesondere die Sache mit der Zuneigung nicht.
Nein, ich finde nicht, dass man auf jedes Elend ein "Autonomie"-Label kleben kann. Insbesondere, wenn es um Kinder geht, die sich ihre Lebensumstände nicht ausgesucht haben und vielleicht erst mit achtzehn verstehen, dass sie leider schon vor sechs Jahren die Ausfahrt in ein (geistig/materiell/whatever) besseres Leben verpasst haben. Der nächste Schritt wäre dann zu sagen, dass Kinderarbeit etc. auch OK ist, wenn Papa das will. Dann lassen wir doch gleich das ganze Zivilisationsprojekt.
Und nein, ich bin kein Lehrer, ich hab keine Kinder, ich muss kein Trauma überwinden.

Ich glaube nur, dass wir nie in einer Gesellschaft leben werden, in der alle auf der Ziellinie mit dem gleichen, satten Grinsen ankommen werden, und dass jeder Versuch, sie zu bauen, unnötige Kräfteverschwendung ist. So ist die Welt nun mal nicht.

Aber es wäre sehr, sehr nett, wenn möglichst viele Menschen einen guten Start bekämen. Denn darum geht es doch bei dem hier so gerne und oft verächtlich gemachten Bildungsbegriff. Nicht um Adorno. Sondern darum, zu verstehen, was läuft, und wie die Alternativen zum Status quo aussehen.

Aber klar, man kann auch ein Erbrecht auf Ignoranz zementieren.


ähem, an wen auch immer jetzt in diesem schlingernden thread.

wahrscheinlich ist es kein besonders fruchtbares verfahren, mit persönlich bekannten beispielen zu argumentieren, bei einiger lebenserfahrung weiß man ja, dass einem für oder gegen alles immer die passenden persönlich bekannten beispiele einfallen, die menschen sind eben verschieden, da wird der gewalttätige reiche genauso dabei sein wie der durch bildung sich befreit habende arme.

ich nehme aber an, dass man sich eher schnell darüber einig werden kann, dass in einer gesellschaft, in der es alle möglichen höheren und niederen stände gibt, auch die zugänge zu dem und die güte dessen, was man gemeinhin "bildung" nennt, sehr davon abhängen, ob man zu den höheren oder zu den niederen ständen gehört. es gibt diesbezüglich ja auch alle möglichen einschlägigen statistischen auskünfte. und falls man der auffassung ist, dass bildung etwas wichtiges sein könnte (auch ich bin dieser auffassung, und "wichtig" ist für mich etwas anderes als: einen von den knappen jobs abzukriegen, in denen man ohnehin bildung eher weniger benötigt), und falls man darüber hinaus der auffassung ist (wieder: auch ich), dass die zugänge und die güte für so viele leute wie möglich so lange wie möglich eben nicht davon abhängen sollten, ob man zu den höheren oder niederen ständen gehört, und dass es möglicherweise auch eine selbstverständlichkeit, menschenfreundlich, etwas edles (nenn es wie Du willst) sein könnte, so etwas wie affirmative action zu betreiben bei denen, die von selbst die kraft und die möglichkeiten nicht haben, dann kommt man schon auf die idee, den wunsch, das programm, dass anständige schulen her müssten, anständig bezahlte und gut ausgebildete lehrer, schöne schulgebäude, ein ordentliches gesundes mittagessen, gute sportplätze mit guten trainern, erwachsene personen, bei denen nicht ganz so erwachsene menschen sich aussprechen und ausjammern und beraten lassen können. was mich betrifft, ich würde das für ein gutes und menschenfreundliches und nötiges und angebrachtes programm halten, auch deswegen, weil es vielleicht leute retten könnte, vor allem möglichen (und unter anderem auch vor viva, klingeltonabos, kriseninterventions-spezialisten, bewerbungs-zwangstraings und anderem, was das target marketing dieser großartigen zivilisation sich so ausdenkt, wenn es kids ins visier nimmt).

aber. aber ich weiß nicht, ich weiß immer noch nicht, warum einer, der so etwas will, warum einer, der den kids aus den niederen ständen etwas wünscht, was sie nicht haben oder nicht genug haben, erst einmal ganz lange und ganz ausführlich aufzählt, was sie alles haben und dass sie ganz dolle viel haben, und warum so einem nichts besseres einfällt, als die große liste des überflüssigen zu verfassen, an die man also auch rangehen könnte, wie an die arbeitsplätze, wie an die arbeitslosenunterstützung usw. usf., und warum er, wenn ihm die notausgänge aus der misere schon so wichtig sind, er der misere vorrechnet, wie dumm sie ist, statt sich bei denen umzusehen, die die notausgänge nicht nur nicht einrichten, sondern, das weiß er ja wie jeder, der die nachrichten zur kenntnis nimmt, diese notausgänge immer weiter abschaffen, nicht wahr? vielleicht ist mir ja etwas entgangen, aber ich hatte im vergangenen jahr nicht den eindruck, dass es der regierung, den parteien, den kommunen, den bürokratien, den interessensverbänden darum gegangen ist, tolle schulen zu bauen, tausende lehrer anzustellen usw. usf., sondern ich hatte eher den eindruck, dass alle sich gedanken darüber machten, wie man den niederen ständen die mittel reduzieren kann, mit denen sie sich jetzt noch die angesagten handtäschchen, die geld vernichtenden handys und all das, was herr wüllenweber sonst so aufzählt, kaufen. und irgendwie hatte ich auch nicht den eindruck, dass hartz i-iv und die agenda 2010 ein programm zur förderung und vervollkommnung der allgemeinen bildung ist. aber vielleicht ist mir auch da etwas entgangen.


vielleicht wollte er

sowas sagen wie:
geld allein macht nicht gluecklich?

ich glaube allerdings nicht daran.


random items weist auf eine Studie von zwei Soziologen hin, die mal in die andere Richtung geguckt haben. Dort u. a. auch dieser Link:
Großbürgertum unter soziologischer Lupe:

"Ein besseres Verständnis der Ungleichheiten und der Lebensgewohnheiten der herrschenden Klassen ist an sich schon ein politischer Akt, da die Privilegien sich zunehmend den Blicken entziehen, sobald die Vermögensverhältnisse in einer älteren Vergangenheit wurzeln. Die Höhe der Vermögensverhältnisse, die vielförmige Zusammensetzung des Kapitals, das Verhältnis zu Kultur und Schule sind Aspekte, mit denen ein breiteres Publikum vertraut gemacht werden sollte. Während die Armut keine Geheimnisse mehr hat, erforscht und inventarisiert ist, entziehen sich die gro&szligen Familien der wissenschaftlichen Kenntnis. Insofern ist es mehr als legitim, sich für sie zu interessieren."


passt noch dazu:
www.das-netzbuch.de