Freitag, 16. August 2002

Jungwähler diskutieren über Schröder und Stoiber:

Ich muss auch sagen, dass Schröder extrem cool war bei dem Streitgespräch. Aber schon in meiner Schulzeit sind die Coolen halt cool sitzengeblieben. Und mit dem Alter wurden diejenigen, die cool cool fanden, immer weniger. Mir gings immer so, dass ich den Strebern ganz dankbar war, dass sie sich gemeldet haben, wenn alle stumm auf ihre Bücher geblickt haben, weil sie die Antwort nicht wussten. Sie war zwar nicht so cool wie die der Coolen, dafür aber richtig und man hat auch nebenbei noch etwas dabei gelernt. Bei den Coolen wars halt so, dass man allenfalls lernen konnte, wie man sich cool um eine Totalblamage wurschtelt. Aber gemerkt habens alle, dass da nix dahinter ist. Nur manche hatten eben Mitleid. Ich hab auch Mitleid. Mit beiden. Aber im Ernstfall ist mir eine richtige Antwort halt doch lieber als eine coole Wurschtelantwort. Und Arroganz muss man sich leisten können. Diejenigen, die das könnten, sind es aber seltsamerweise nie..





Jenny Saville.





Donnerstag, 15. August 2002

Domian: Ich komm aus einer Arbeiterfamilie. Kerner: Das ist ja völlig in Ordnung.





Günther Selichar, "WHO'S AFRAID OF BLUE, RED AND GREEN ?", 1990/96

und: Bitter/Weber





Mittwoch, 14. August 2002

Rund um den Platz Vendôme stehen die in Paris häufigen dreiarmigen Laternen. Ein Fußgänger kam auf den Platz. Es dämmerte schon. Er hielt an und wollte auf einmal die Lichter angehen sehen. Ungeduldig umkreiste er den Platz in der einen, dann in der anderen Richtung, und sein Herz fing an an zu klopfen wie bei einem Abenteuer. Er hatte Angst, den Moment zu verpassen, zu blinzeln zum Beispiel, oder unwillkürlich in die Juweliergeschäfte zu schauen, wo auf Samthockern tief im Raum die Verkäufer saßen. Allmählich schlugen die Laternen in Zeichen um, und hinter ihrem blankgeputzten Glas trieben die stürmischen Wolken des Dämmerungshimmels von den eben Gestorbenen zu den nächsten Sterbenden. Die Erdoberfläche sank mit dem Himmel unter den Lebensspiegel. Endlich, während er in Panik weiter um den Platz herumging, flammten ringsum die Lichter auf. Sie wurden sofort ganz hell, in einem Augenblick der starken Freude, wo der grabüberspannende Himmel dem Fußgänger die ewige Untröstlichkeit zugleich als Asyl gab. Zu Boden blickend, fühlte er sich bei dem schmutzigen Gehsteig jetzt heimisch.

Er konnte weitergehen, endlich wieder geradeaus, nicht friedlich, aber in einer Heiterkeit, die auch wehtat. Der Himmel wurde blau, und der Abendstern erschien. Dieser kleine Stadthimmel erinnerte an nichts Bestimmtes mehr, wie es auch auf der windigen Brücke vom Fluß herauf nach nichts Bestimmtem roch. Nur, daß er den Entgegenkommenden oft auf die falsche Seite auswich, war übriggeblieben von der Gewißheit, gerade noch gelebt zu haben: eine erstorbene Empfindung, die kalt durch sein Bewegungszentrum irrte.

Der Fußgänger folgte einer Verabredung und ließ sich betäuben von der auf ihn eindringenden Leibeigenen-Sprache, das Gesicht beim Zuhören noch nicht gelöst vom Krampf des Alleinseins. Aber später in der Nacht fing es plötzlich zu hageln an. Sehr helle Hagelkörner blitzten aus der Dunkelheit über der Straßenbeleuchtung und fielen schräg auf die trockenen, noch tagwarmen Gehsteige; schlitterten ein bißchen weiter und schmolzen, indem sie liegenblieben, sofort weg - ausgelöscht in dem gleichen starken Augenblick der Freude, in dem Stunden vorher die Laternen auf dem Platz Vendôme aufgeflammt waren.





& Späth, der schlimmste aller Schwätzer.





Berufe in meiner Familie, in den vier Generationen vor mir: Schuhmacher, Trafikant, Schneiderin, Gräflicher Bediensteter, Schlosser, Schuhmacher, Spengler, Kaufmännische Angestellte, Kaufmännische Angestellte, Kaufmännischer Angestellter, Schlosser, Schneiderin, Versicherungsangestellter, Schneiderin, Schlosser, Maschinenkonstrukteur, Kaufmännische Angestellte, Installateur, Geometer, Kaufmännische Angestellte, Ärztin, Kaufmännischer Angestellter, Friseuse, Brauereiarbeiter, Kaufmännische Angestellte, Fleischhauer, Landwirt, Werkmeister, Finanzbeamtin, Krankenschwester, Töpfer, Kellnerin, Landwirt, Landwirt, Apothekergehilfin, Hausgehilfin, Polizist, Kaufmännische Angestellte, Metallurg, Friseur, Schiffsingenieur, Chauffeur, Bäuerin, Kaufmännische Angestellte, Eisenbahner, Schneiderin, Gärtnerin, Goldschmied, Bautechniker, Bautechniker, Lehrerin, Mechaniker, Elektriker, Maurer, Fabriksarbeiter, Hausgehilfin,Eisenbahner, Maler, Farbenhandel, Hausgehilfin, Schneider, Schneiderin, Maurer, Eisenbahner, Schlosser, Krankenschwester, Gastwirt, Kaufmännische Angestellte, Zuckerbäcker, Maler, Kaufmännische Angestellte, Schlosser, Kaufmännische Angestellte, Agrartechniker, Spitalgehilfin, Kaufmännische Angestellte, Molkereitechniker, Brauereiarbeiter, Chauffeur, Hausbesorgerin, Bankbeamter





Noch immer nicht verstanden, warum man sein eigener Chefredakteur werden wollte, überhaupt sein eigener Chef, wie erniedrigend wollen wir´s denn noch haben, ich dachte immer, bei Weblogs ginge es darum, keinen Chefredakteur zu haben, hört ihr, autorenoptimiert, nicht machtoptimiert, oder kann sich das keiner mehr vorstellen, das Schreiben ohne Auftrag, dann allerdings solltet ihr gleich aufhören damit, taugt nix.





Die Bedeutung.





Dienstag, 13. August 2002

Stefanie Bürkle. Bundespressekonferenz 1999. Mehr Orte /Unorte.





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