Wenn es läuft, das Sensen, dann macht es euphorisch. Je eleganter und geschmeidiger es aussieht, desto mehr Kontrolle kostet es. Das Blatt muss immer gleich hoch zur Grassode laufen, möglichst waagerecht und unbeeindruckt von verschieden stark verfilzten Büschelpartien. Man senst nicht mit den Armen, eher mit dem Beckenboden. Oder dem männlichen Äquivalent, irgendwo testikelinwärts liegt das Sensenzentrum. Es steuert Schultern und Oberkörper. Zack hin, zack zurück, immer im gleichen Takt, einen halben Schritt voraus und wieder, von rechts nach links. Mit Kraft geht nichts. Man muss wollen und locker sein, ganz geschmeidig und unverkrampft. Stellt man es geschickt genug an, dann fallen die langen Halme auf eine saubere Spur. Sieht schön aus. Macht sehr zufrieden.
Sensenblätter werden zum Schärfen gedengelt. Das Blatt wird mit einem speziellen Hammer und vielen kleinen Schlägen auf einem kleinen Amboss langsam dünn geschlagen. Je dünner, desto schärfer, desto schwieriger. Eine kontemplative Kunst: verreist man das Blatt oder verkantet den Schlag, so ist das Sensenblatt ruiniert. Gelingt das Dengeln, dann läuft die Sense durch die Wiese wie ein heisses Messer durch ein Halbpfund Butter.