Wovon unsere Vorfahren nur träumen durften, sagt er, ein gemeinsames Europa bauen zu können, sagt er, das ist nunmehr greifbare Wirklichkeit geworden. Sagt er.





Dass wir, sagt sie, die Generation der 30- bis 40jährigen, sagt sie, über unsere Verhältnisse, sagt sie, völlig unrealistisch, sagt sie, in jedem Haushalt, sagt sie, zwei Fernseher, sagt sie, und zwei Autos. Sagt sie.





[Vorne]

flugblatt, neumünster, dezember 2002

[Hinten]

Es reicht!!! Montagsdemo

Zu diesen Bundespolitikern fehlen uns mittlerweile die Worte [1]. Deshalb demonstrieren wir schweigend [2], denn wir müssen endlich gegensteuern [3].

Wir haben gewählt, um klare Verhältnisse zu haben [4]. Wir haben nicht gewählt, um gebeutelt, geschröpft oder arbeitslos zu werden [5]. Jedoch [6] 82400 Insolvenzen in 2002 sprechen eine deutliche Sprache [7].

Wir erwarten klare Richtlinien [8] - vor allem vom Kanzler [9]. Wir fordern eine starke Opposition [10], aber keinen wahltaktischen Untersuchungsausschuß [11] - deshalb Schluß mit dem Lamentieren [12].

Wir fordern Klartext [13] und keinen Schlingerkurs [14].

Wir wollen endlich [15] die Wahrheit über den Zustand der Staatsfinanzen [16] und damit verbunden der Sozialsysteme [17]. Wir fordern dauerhaft tragbare Sanierung [18] durch Neubestimmung der Staatsaufgaben (Rückbesinnung auf das Ursprüngliche) [19] und nicht jeden Tag neue schlechte Nachrichten [20] verbunden mit einem immer tieferen Griff in die Taschen der Menschen [21].

Wir wollen sichere Rahmenbedingungen für Investitionen [22], für die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen [23]. Wir wollen vor allem eine gesicherte Zukunft für unsere Kinder [24] in einer freiheitlich demokratischen Grundordnung [25]. Das Erbe unserer Kinder darf nicht schon heute verbraucht werden [26].

Wir wehren uns gegen den Vertrauensmißbrauch [27] durch verantwortungslose [28] und machttaktisch lügende [29] Politiker.

Wir wollen mehr Eigeninitiative [30], wir wollen mehr Verantwortung für den Einzelnen [31], wir wollen mehr Kreativität [32] und wir wollen weniger Staat! [33]

Es muß ein Ruck durch Deutschland gehen!

Wir haben ein Recht darauf [34], denn [35] wir sind das Volk [36].

[1] Dass uns nichts Gescheites einfällt, halten wir für ein gutes Argument gegen jene, zu denen uns nichts Gescheites einfällt. [2] Wir sind beleidigte Leberwürste und sagen jetzt gar nichts mehr. Und schreiben ein Flugblatt, in dem wir sagen, was wir nicht sagen. [3] So viel Vertrauen in die gegensteuernde Kraft von Demos kann nur noch die Lumpenbourgeoisie aufbringen. Novizen eben. Rührend irgendwie. [4] Wer so abgrundtief blöde ist, wählen zu gehen, um klare Verhältnisse zu haben, der verdient eigentlich lebenslänglich Chaos. Oder mindestens Magengeschwüre. [5] Ach. [6] Jedoch ist ein gutes Wort. Schmallippiger Mittelstand. [7] Pleiten, Pech und Pannen, und wir zählen mit. Insolvenz für Insolvenz. In 2002 und auch im nächsten Jahr. Der Kapitalismus according to the German entrepreneur: Wir machen Pleite, ihr seid schuld. [8] Es soll uns endlich einer sagen, was wir tun sollen. [9] Führer muss auch sein. [10] Auch nicht schlecht: Eine starke Opposition fordern. Auf Schweigemärschen. Von wem eigentlich? Von der Regierung? [11] Das alte Lied: In Deutschland will man nicht taktisch behandelt werden. Sondern ehrlich. Oder so. [12] Die deshalbs in diesem Text: lauter non sequiturs. [13] Möllemann-Programm. Walser-Programm. CDU-Programm. Die größte German Angst 2002: Niemand sagt, was er meint, jeder verstellt sich. [14] Gesagt bekommen, wo das hingeht. Nicht jeden Tag was anderes gesagt bekommen. Muss doch einer eine Linie reinbringen. Geht doch nicht, mal so, mal so. Kapiert doch keiner mehr. [15] Das staut sich so, in uns. So lange schon. Das wächst und wächst in uns. Das nagt und frisst. Diese Lügen. Weiß genau, dass ich betrogen werde. Macht ein hübsches Gesicht, aber ich fühls doch. Lauter Lügen. [16] Steht jeden Tag in der Zeitung, wird jedes Jahr in der Budgetdebatte vorgetragen, kann man alles nachlesen. Es sei denn, man ist zu blöd dafür. [17] Hier ist die Botschaft. Wir wollen nicht mehr für die Armen blechen. Die Armen sollen sehen, wo sie bleiben. [18] Ballast abwerfen. Können wir uns nicht mehr leisten. Sind doch auch keine Geldscheisser. Machen sich einen Lenz auf unsere Kosten. Und wir. Geht doch nicht. [19] War doch mal anders. Haben doch früher auch nicht alle durchgefüttert. [20] Und was haben wir denn davon? Von diesen ganzen Flausen? Okay, war ja eine schöne Idee, aber die Menschen sind halt nicht so. Gibst denen den kleinen Finger, und die legen sich gleich jahrelang in die Hängematte. Und wir zahlen immer mehr, immer mehr, immer mehr. Und wird immer schlimmer dabei. [21] Und wer denkt an uns? Wir sind ja so blöd. Wir, die schweigende Mehrheit. Wir machen ja das Maul nie auf. Und deswegen nehmen sie uns unser Geld immer weiter weg. Weil wir keine Lobby haben. Wir haben ja auch keine Zeit dafür, uns eine Lobby zuzulegen. Müssen raus um drei Uhr früh. Damit die Brötchen auf den Frühstückstisch kommen. Kümmert sich doch keiner um uns. Sind ja nicht interessant genug. Aber in Wahrheit sind wir die Menschen. Ja, wir. Die anderen nicht. Die anderen nutzen uns nur aus. [22] Wir wollen, dass unser Geld Geld bringt. [23] Wir wollen, dass es sich auszahlt, Leuten zu wenig zu bezahlen. Sonst müssen wir sie raussschmeißen. Glaubt denn jemand, dass uns das leicht fällt? [24] Ist doch nicht so, dass wir das für uns tun, hey, wir wüssten schon, wo wir mehr Spaß hätten, wir machen das doch nur für die Kinder, und dann kommen sie nicht einmal an Weihnachten, und ach, weiß auch nicht [25] Wir könnten nämlich auch anders. Und daran wärt ihr Schuld. Ihr wisst ja nicht, was in uns so tobt. [26] Wollten bloß immer, dass es denen besser geht als uns. [27] Lügner, [28] Halunken, [29] Taktik, Taktik, alles, was ihr könnt. [30] Arschtritt, und die Sache hat sich, [31] sollen doch sehen, wo sie abbleiben, [32] sollen doch Putzen gehen, uns doch egal, ist doch nichts Unehrenhaftes, wir schuften uns doch auch kaputt den ganzen Tag, und wann haben wir denn je Urlaub gemacht. [33] Uns Bauvorschriften machen, aber das Gesocks nicht rausschmeißen. Na ja, mit uns kann mans ja machen. Aber irgendwann werdet ihr die Quittung dafür schon noch kriegen. [34] Wer sonst, wenn nicht wir. Denn wir sagen das jetzt. [35] Das Volk, lauter Genossen. Wer Witze macht, wird totgeschwiegen. Montags sechs bis sieben, es reicht.





Die Seite www.juergenwmoellemann.de wurde auf Wunsch von Herrn Möllemann deaktiviert.





Anders als Herr Schönbohm finde ich, dass das Trennende stärker sein sollte als die Gemeinsamkeiten.





und was macht frau beer zwei tage nach der wahl zur größten führerin aller grünen? sie redet darüber, was nach dem völkerrecht unzulässig ist.





Arnulf Baring, Angelika Beer. Und nie wieder an Buchstabenmystik zweifeln. Unglück jedenfalls kündigt sie verlässlich an.





Ja sicher, es ist so leicht, die aktuellen Aufgeregtheiten der Lumpenbourgeoisie zu dechiffrieren, ihren Putschismus, ihre Sehnsucht nach dem paternalistischen Führerstaat, in dem der Führer die Untertanenkinder nicht belügt, ihr profundes Unverständnis dessen, was Politik überhaupt ist, ihre Bereitschaft, für ein paar Cents Handelsspanne jederzeit Massenarmut in Kauf zu nehmen. Kein Problem, das zu lesen, da tarnt sich nichts mehr, die Leute reißen ihre Fassaden ja selber ein.

Nur: Was hätten wir dem entgegenzusetzen? Unsere eigene Muffigkeit? Mehr nicht?





im fernsehen, dem öffentlich-rechtlichen, lassen sie gerade so eine miederwarenladentrulla erzählen, dass sie beschlossen hat, ihren miederwarenladen dichtzumachen, nachdem sie am wahlabend erfahren hatte, "dass die spd gewonnen hat". dazu der kommentar: "aber die bundesregierung scheint die hilferufe nicht zu hören".

okay, leute, hier könnt ihr gratis die marktberatung eines marxisten mit guten manieren haben: kapitalismus ist keine veranstaltung dafür, dass sich kleinkapitalisten wohlfühlen, eine regierung hat nicht den job, eure hilfeschreie anzuhören, und wenn ihr bei der freien marktwirtschaft mitmachen wollt, müsst ihr schon damit rechnen, dass ihr auf die schnauze fliegen könnt.

habt ihr das jetzt verstanden?





Der kleinbürgerliche Putschismus. Letzte Woche hat sogar der gute Herr Grandits in der 3sat-Kulturzeit die durchaus nicht ironisch gemeinte Frage gestellt, ob uns nun "nur noch ein benevolenter Tyrann retten" könne. Die Volksgemeinschaft, die da gerade geboren wird. Das Baring-Getobe gegen "Zynismus", "Spielertum" etcetera. Die Mittelstand-Apologien. Und die neuen Christiansen-Lippen.





Dass ausgerechnet Herr Merz sagte, die Regierung sei - wozu auch immer, ich habe nicht wirklich hingehört - "intellektuell nicht in der Lage", hat mich dann doch sehr belustigt.





Claus Koch in der taz von gestern: Das Ende zahlreicher Räusche, ein Leitartikel, in dem sich recht, sagen wir: originelle Bemerkungen über Solidarität & die Notwendigkeit des harten Staates finden. Nein, das ist keine Satire, das ist ernst gemeint, so wie alle es ernst meinen, die sagen, was der Staat tun und wo er schneiden muss, Chirurgen überall, als gäbe es nur noch Ärztezeitungen. Herr Koch also, die Kursivierungen stammen von mir, aus den üblichen Gründen, Irrsinn im Irrsinn:

Nur noch Naive können darauf setzen, dass der Generationenvertrag, die vom Staat organisierte Zwangsorganisation, gebaut auf ungedeckte Schecks der Zukunftserwartungen, auch nur noch ein Jahrzehnt aufrechterhalten werden kann. Das bedeutet, dass der Staat immer öfter mit Steuermitteln einspringen wird, ohne doch das Steuer ganz in der Hand zu haben. Es wird ihm aber, zum Unwillen der Wähler, nichts übrig bleiben, als mit harten Direktiven einzugreifen, will er die unentbehrlichen Reste der organisierten Solidarität retten. Dafür muss er sich, weil er gegen einen Kranz von Interessen und Konsumegoismen kämpfen muss, stark machen.

Wenn es stimmt, dass rund die Hälfte aller Heil- und Pflegekosten aufs Konto von selbst verschuldeten Krankheiten geht, dann muss der Staat dort einen Schnitt machen. Wer sich im Skiurlaub ein Bein bricht oder beim Motorradrennen verunglückt, wer vom Riesenrad fällt oder sich vom Walkman das Trommelfell beschädigen lässt und dafür das Solidarsystem der Krankenkassen in Anspruch nehmen möchte, handelt asozial. Ihm muss die Solidarität verweigert werden, im Interesse der Vielen, die sich disziplinieren, um gesund zu bleiben und ihre Einkommensteuer bezahlen zu können.

Die zahlreichen Räusche, die sich die Massengesellschaft leistet und mit ihrem sozialschädlichen Konsum die Wirtschaft stimuliert, sind jahrzehntelang vom Sozialstaat begünstigt, ja direkt bezahlt worden. Wenn sich die Bürger diese Räusche versagen müssen, weil der Staat für die Folgen nicht mehr haftbar gemacht werden kann, wird es ein Riesengeschrei geben: von den Skiliftbetreibern und den Motorradbauern, von der Ferienindustrie und den Werften für die Vergnügungsschiffe der reichen Greise bis zu den Kliniken für die Entschlackung der unzähligen Überfetteten. Überflüssig würden Millionen von Arbeitsplätzen, die vom hilflosen Sozialstaat abhängig sind.

So ist es schließlich der Staat selbst, der die Entsolidarisierung der Bedürftigen betreibt, weil er von den unsolidarischen Verhaltensweisen der Konsumbürger aufrechterhalten wird.

So trifft sich das alles unter den Sachzwängen wieder: der Parasitenhass mit der Konsumkritik, die Disziplin mit der Gemeinschaft derer, die im Urlaub & der Freizeit keinen Scheiß bauen, die Schädlingsbekämpfung mit dem Normgewicht, die Volksgesundheit mit der Einsicht ins Notwendige, die Solidarität mit dem Ausmerzen derer, die sie nicht verdienen. Na dann.





M: "Das Brandenburger Tor sieht aus, als müsse es gleich kotzen."





Das ist mir bisher völlig entgangen:

At a meeting in the Axel Springer building in Hamburg on Aug. 27 with about 30 American friends of Germany, the defense minister who had been recently booted out of Chancellor Gerhard Schröder's cabinet for financial irregularities was asked why Germany was so loudly opposed to President Bush's campaign to oust Saddam Hussein. Rudolf Scharping reported that he had answered that very question in a Schröder cabinet meeting: it was all about the Jews. Bush was motivated to overthrow Saddam by his need to curry favor with what Scharping called "a powerful — perhaps overly powerful — Jewish lobby" in the coming U.S. elections. Jeb Bush needed their votes in Florida as George Pataki did in New York, and Congressional redistricting made Jewish votes central to control of Congress. Germany, the discredited minister said proudly to his discomfited audience, had rejected such pandering.
William Safire in der NYT (Registrierung erforderlich) über The German Problem. Scharping hat das ein paar Tage später dementiert, aber was hat Scharping nicht dementiert?





Peter Sloterdijk erklärt

  • die USA zum Schurkenstaat
  • das Denken zur "geistigen Funktion der Nation"
  • Gerhard Schröder zum europäischen Führer
  • die deutsche Presse der Selbstgleichschaltung fähig
  • die Medien durch eine kollektive Verdächtigungsrhetorik nach dem Muster dekonstruktivistischer Psychoanalyse gelähmt
  • von ihm abweichende Ansichten zur parlamentarischen Zensur und erst recht Klartextzensur
  • Kritiker, die Martin Walsers "Tod eines Kritikers" Antisemitismus wahrnehmen, zu Entlarvungsfeuilletonisten
  • die öffentliche Diskussion in Deutschland für fundamental gestört
  • sowieso wie immer die Welt,

und am Ende seines Luftbebens in der Frankfurter Rundschau sagt er uns dann noch, dass die Juden, die Amis und die Weiber unfairerweise die einzigen sind, die im Westen noch frei den Mund aufmachen dürfen:

Da aber der Mensch ein meinendes Tier ist, wird auch hierzulande das Meinungsleben irgendwie weitergehen. Schon sind unzählige in die Meinungslosigkeit ausgewichen - und entwickeln Hintergedanken über jene, die in den meinenden Berufen tätig sind. Für die geschichtlich Interessierten wird man demnächst im Nachtprogramm Filme von westlichen Menschen zeigen, die sorglos wie Verbrecher sagten, was sie über Frauen, Amerikaner und Juden dachten. Die sorglosesten unter diesen westlichen Menschen von einst, wird man erstaunt bemerken, werden Juden, Amerikaner und Frauen gewesen sein, wir werden Heimweh nach ihnen haben und wünschen, wir hätten in ihrer Zeit gelebt.





[Beitrag gelöscht. Er war noch übler, apodiktischer generalisierend als von mir sowieso schon gewohnt. Mit zwei Leuten gestritten & daraus "deutsche Linke" gemacht. Geht nicht. Die Kommentare kommentieren nun natürlich ins Leere. Ist gemein, weiß ich, tut mir auch leid.]





soll Hitler denn eigentlich abgelenkt haben, damals, als er den Krieg in Angriff nahm? Von der drohenden Amtsenthebung durch die Sozialdemokraten?





Die beiden aus eigenem Antrieb in die TAGBLATT-Redaktion gekommenen Gewerkschafter gingen anschließend ins Tübinger SPD-Büro, um dort ihre Gewissensbisse loszuwerden. Die Folge: Herta Däubler-Gmelin rief Michael Hahn an und drohte postwendendes Dementi an, falls er schreiben werde, sie habe Bush mit Hitler verglichen. Unser Redakteur - ich saß daneben - fragte, wie sie denn meine, dass sie es gesagt habe und er werde dann dies als von ihr quasi letztgültig autorisierte Fassung ins Blatt bringen. Und so wollte sie sich an das Gesprochene erinnern - wörtlich so hat es Hahn aufgeschrieben und ihr nochmals langsam vorgelesen: “Bush will von seinen innenpolitischen Schwierigkeiten ablenken. Das ist eine beliebte Methode. Das hat auch Hitler schon gemacht.” Kurz darauf rief die Ministerin mich als den Chef des TAGBLATTS an und bat um ein Treffen. Ich stimmte zu.
Verleumderisch und geradezu abwegig. Der Chefredakteur des Tübinger Tagblatts über Herta Däubler-Gmelin und das gesprochene Wort.




Als Gabi Zimmer dann begann, ihre Position zu Saddam Hussein und zum Irak darzulegen, die im wesentlichen auf ein "Lass uns mal darüber reden, auch wenn du ein Verbrecher bist" hinauslief, fragte ich mich, und ich weiß, dass das unfair war, ob die PDS eigentlich einen Stalin-Hitler-Pakt unterzeichnen würde oder nicht.

Übrigens: Nicht, dass ich etwas für einen Krieg gegen den Irak übrig hätte. Übrigens: Nicht, dass ich fände, Saddam Hussein hätte seinen Tod nicht schon seit langem verdient.





Was ich dann doch bedrückend finde, wenn es mich auch nicht überrascht, ist die aggressive Idiotie mancher Positionen im Wahlkampf. Wenn zum Beispiel die CSU-Herrschaften Eichel vorwerfen, der Preis für die UMTS-Lizenzen wäre zu hoch gewesen und würde die Lizenzkäufer in den Ruin treiben (und dazu zwingen, Arbeitsplätze zu vernichten). Sicher, man könnte darüber debattieren, ob man die Lizenzen nicht einfach - einigermaßen fair verteilt - verschenken hätte sollen statt sie zu versteigern, aber darum geht es den CSU-Wahlkämpfern nicht. Sie wollen so etwas ähnliches wie eine Volksgemeinschaft, in der der Kapitalismus Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ist, keine Profitbeschaffungsmaßnahme. Ähnlich auch die Attacken, die Regierung hätte die T-Kleinaktionäre betrogen - und zwar, wie es gestern im Fernsehen einer sagte, indem "ein Komiker, Krug heißt er, glaube ich" angeheuert worden wäre, der mit "seinem vertrauenserweckenden Gesicht" die kleinen Leute dazu gebracht hätte, für 66nochwas Euro das Papier zu zeichnen. Nicht, dass es mich besonders interessiert, wofür oder wogegen die CSU nun eigentlich ist, für den Markt oder dagegen, dass der Markt eben Markt ist, es ist nur so, dass man diesem Unsinn ohne jede Binnenlogik zuhört und selbst immer verrückter dabei wird. Man schafft es ja doch nicht, es einfach hinzunehmen, dass in derlei Debatten die simpelsten Regeln formaler Logik (ausgeschlossenes Drittes, Widerspruchsfreiheit usw.) nicht gelten sollen, und dann sitzt man da und registriert, wie im eigenen Gehirn etwas durchzuschmoren beginnt. Vielleicht ist das, was ich an diesen Leuten am inständigsten verachte: dass sie auch mich zu einem schlechteren Menschen machen, als ich ohnehin schon bin.





Dass Möllemann mit dem Slogan Einer wie wir für seinen Einzug in den Reichstag wirbt, ist immerhin nicht gelogen.





Heute morgen an einer Allee Westerwelle-Gesichter vorbeigefahren, von denen jedes einzelne mit einem Zusatzzettel überklebt worden war: "Abgesagt". Schade, dachte ich, dass man die bundesweiten Plakatierungspläne für alle Gesichter nicht hat.





Jauch: Hat mich gewundert, dass die so lange bei dem Thema geblieben sind. Roth: Na ja, weil es eben Krieg & Frieden ist.





beim Kanzlerduell eigentlich so etwas Ähnliches wie dasselbe Abendkleid beim Bambi?





  1. August 01

Hessischer Rundfunk – Hörfunk. Nachrichtensendung um 9.30 Uhr: "Die Polizei hat im Raum Bad Hersfeld Flüchtlinge aufgegriffen, die wie Inder aussehen. Es wird nach weiteren Flüchtlingen und Hintermännern gefahndet. Die Autofahrer werden aufgefordert, keine Anhalter mitzunehmen." Aus: Bundesdeutsche Flüchtlingspolitik und ihre tödlichen Folgen.