Als Download: Gunther Schuller: Early Jazz.
"All previous attempts to comprehend African rhythmic usages hat made two fatal mistakes: the African music was approached by way of European music, and no knowledgeable African was consulted who could, on one way or another, verify or refute the results of the findings. It is important to realize that the European point of view in this case does not merely lead to a wrong slant on the subject or to slight discrepancies in the facts, but, because the rhythmic organization of European music is totally different, it leads to "discoveries" diametrically opposed to the actual African musical practice. Prior to Jones´s work, even the most careful notations of African rhythms were of little value, since their basic orientation was wrong. I recall somewhat shamefacedly my own efforts to transcribe African musical examples from recordings, in which I tried naively to harness the music within Eureopean-based time concepts, and I remember my bewilderment in the face of the enormity of the transcriptual problems."
Früher Jazz gilt meistens auch Jazz-Liebhabern als Vorstufe, noch nicht angekommen, Begräbnis-, Bordell- und Unterhaltungsmusik. Gunther Schuller, Musikwissenschaftler, Arrangeur (auf frühen Miles Davis-Platten wie "Birth of the Cool") und Erfinder des sogenannten "Third Stream", zeigt in diesem titanischen Buch, was früher Jazz tatsächlich war: etwas völlig Neues, die Geburt einer unerhörten Musik, gezeugt aus einer Rhythmik, die so komplex ist, daß weiße Musikologen sie lange nicht mal notieren konnten und einer genialen Doppelstrategie ehemaliger Sklaven, denen die eigene Musik von den slave masters verboten wurde: Sie nahmen die der Europäer und remixten sie sozusagen. Sie taten so, als spielten sie Musik ihrer Unterdrücker nach - und machten ihre eigene. Samples, Loops, Zitate: all das sind schon die Waffen der frühen New Orleans-Jazzer. Schuller, ein klassischer WASP übrigens, war der erste, der das ernst genommen hat; seine Beweisführung bedient sich der avanciertesten Methoden der Musikologie. Deswegen ist das Buch gelegentlich nicht einfach zu lesen (wer etwas mit Partituren beginnen kann, hat mehr davon), aber wer die Mühe auf sich nimmt, kann viel lernen. Auch lieben lernen: eine Musik, die zu Unrecht mißachtet wird.
"Early Jazz" ist nebenbei auch gut als Korrektur zu Adornos Essays über den Jazz zu gebrauchen; wenn man Schuller liest, merkt man ein ums andere Mal, dass TWA die Sache nicht wirklich studiert hat. Was freilich all die Deppen nicht rehabilitiert, die TWA immer deswegen so scheisse fanden, weil er was gegen eine Musik gesagt hat, von der sie selbst rein gar nichts kapiert haben.
der letzte absatz
... war dann doch eine nennenswerte abgrenzung ans profane - (in sachen: wer darf eigentlich überhaupt etwas über TWA sagen - und mit Jazz, da hst du recht - freunde waren nicht freunde un d feinde sozusagen nicht der rede wert)-
ansonsten hat sich seit den 80ern durchaus etwas getan - (und ich gehe auch so langsam auf die 50 ... ) -nix für ungut - oder wie Miles inder badewanne sang: "Time After Time" ...
;-))