Bitte melden Sie sich zuerst an.

schon wieder nicht geschafft, balzac länger als zehn seiten zu ertragen.






noch schlimmer wie der balzac

is der einstieg in krieg+frieden


manchmal treibt mich - durchaus à contre coeur - der kanonfetischismus. dann stehe ich in frankreich in einer buchhandlung vor der vitrine und lasse mir von der verkäuferin die bände der comédie humaine in der pléiade-ausgabe reichen. diese ziegelsteindicken bände, diese unerträglich filigranen seiten (eine randnotiz mit weichem bleistift und 75 seiten sind durch), dieses maliziös eng bedruckte. und obendrein natürlich die wachsende mutlosigkeit ob der langeweile, die mir wird, wenn ich ein paar seiten lang darin lese.

(auch eine harte prüfung: der schiffskatalog in der ilias)


Ich mag, wie sie in den französischen Buchhandlungen die Pléiade-Bände in massgefertigten abschliessbaren Glasvitrinen aufbewahren.


das hat etwas zutiefst weihevolles. entstammt wohl der gleichen marketing-kampagne wie die académie française und die pantheonisierung der großen schriftsteller.


hörnSe mir auf mit frankreich

ich geh ja schon bei j j rousseau den seine emile auf deutsch inne knie


rousseau wird total unterschätzt. die jungen neo-wilden meinten ja, sie hätten ihn grammatologisch zerlegt und er wäre deshalb jetzt passé. sofort jj rousseau-blog einrichten!


Die Pléiade und das ganze Drumherum hat etwas zutiefst Grossbürgerliches: Man stellt sich die Kostbarkeiten ins geschützte Regal, denn man ist ja zivilisiert. Aber zum Lesen und Arbeiten sind die Bände dann wieder nicht so geeignet. Kostbarkeit ist im Kapitalismus der wirkungsvollste Schutz vor Gebrauch.


genie-ästhetik für management consultants.


Also

ich liebe Balzac und langweile mich kein bisschen mit ihm. Vor allem liebe ich dieses Erzählen, das nicht raffiniert ist, aber vor keiner Infamie den Figuren gegenüber zurückschreckt. Und keine Regeln kennt, Tempo wechselt, wie es beliebt, jedem Einfall folgt, wie es scheint, mit Bewertungen nicht hinterm Berg hält. Einer der Autoren die ihre Texte als Säcke verstehen, in die man Zeug aller Art hineinstopfen kann (so ähnlich hat Henry James, der natürlich ganz anders ist, Balzac mal beschrieben, ich erinnere mich an Adjektive wie "loose", "baggy", nicht sehr freundlich gemeint, glaube ich, aber das ist ja eine Sache bloß der Einstellung...).

Womit gegen Rousseau, der einfach der begnadetsten Irren ist, die ich kenne, nichts, aber auch gar nichts gesagt sein soll.


programm und methode in Ihrer fassung könnten auch mich durchaus verliebt machen (deswegen versuche ich es ja auch immer wieder mit balzac, weil man ihm so schöne dinge nachsagt), aber dann ertrage ich seine sorte sätze, beschreibungen, charakterisierungen doch nie.


Dabei kann man ...

... die Tolldreisten Geschichten doch immer und immer wieder lesen. auch mehr als zehnseitenweise. und Voltaire? also dies etwa ... ?