In einem 1969 erschienenen Buch mit dem etwas merkwürdigen Titel "venus international. Eine Dokumentation der Fotokunst" (Hrsg. Horst Mössler, hobby-Bücherei, EHAPA-Verlag Stuttgart) sehr lange bei einem verstörend großartigen Foto von Michael Friedel hängengeblieben. Eine junge Frau, Bluse, Rock, sieht ein wenig nach militärischem Habit aus, sitzt auf einem Feldbett, durch ein Fenster fällt Licht auf ihr Gesicht. Sie blickt in den Lauf eines Karabiners, hält ein Auge geschlossen, um besser sehen zu können, was auch immer man in einem Karabinerlauf sehen könnte. Sie würde die Kugel nicht sehen können, die sich, hat man den Eindruck, jeden Augenblick lösen könnte. Nicht sehen, nichts hören, nichts fühlen. Ein Klick, der des Gewehres, der der Kamera. Es ist, wahrscheinlich nicht einmal beabsichtigt, die genaueste Metapher auf das Verhältnis, das heutzutage einer zur "Welt" haben kann, die sich denken lässt. Man schaut in den Lauf eines Gewehres, das man selbst hält, in einen dunklen Abgrund, man kann nichts sehen, aber es kann einen jederzeit umbringen.