jürgen habermas hat den krieg gegen den irak als völkerrechtswidrigen akt verurteilt. in einem beitrag für diese zeitung stellt der frankfurter philosoph fest, die vereinigten staaten hätten die rolle einer garantiemacht den internationalen rechts aufgegeben. "machen wir uns nichts vor: die normative autorität amerikas liegt in trümmern." die "triumphale freude", die hans magnus enzensberger angesichts der standbilder saddam husseins bekundete, läßt habermas zwar als moralisches gefühl gelten, das ein moment der wahrheit enthalte. er gibt aber zu bedenken, daß der wert der freiheit in regeln der selbstbindung gestalt einnimmt. der bush-doktrin einseitiger tyrannenbekämpfung, die auf eine revolution der weltordnung hinauslaufe, hält habermas, der in amerika hohes ansehen genießt, die einsicht des philosophischen pragmatismus entgegen, daß gerechtigkeit nicht exportiert werden kann, sondern im streit der parteien durch gegenseitige perspektivenübernahme entsteht. (siehe feuilleton.)